Hamburg

Miese Masche: Enkeltrickbetrüger nutzen Corona-Angst aus

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Eine ältere Dame aus Hamburg-Schnelsen ist Opfer von Enkeltrickbetrügern geworden. Die Täter nutzten die Corona-Angst aus (Symbolbild).

Eine ältere Dame aus Hamburg-Schnelsen ist Opfer von Enkeltrickbetrügern geworden. Die Täter nutzten die Corona-Angst aus (Symbolbild).

Foto: picture alliance / Sebastian Gollnow/dpa

Der angebliche Enkel gaukelte einer 85-Jährigen vor, seine Eltern seien an Corona erkrankt und bräuchten teure Spritzen aus Amerika.

Hamburg. Enkeltrickbetrüger schrecken vor nichts zurück. Auch die Corona-Pandemie nutzen sie schamlos aus, um ältere Menschen um ihr Geld zu bringen. In Hamburg-Schnelsen wurde am Freitagabend eine 85-jährige Frau Opfer von Trickbetrügern. Die Polizei sucht nun nach Zeugen.

Nach Angaben der Polizei erhielt die ältere Dame am späten Freitagnachmittag gegen 17.30 Uhr einen Anruf ihres angeblichen Enkels. "Dieser weinte und erklärte, seine Eltern seien schwer an Corona erkrankt und befänden sich im Krankenhaus", sagte Polizeisprecher Florian Abbenseth am Sonntag.

Corona-Angst ausgenutzt: 85-Jährige gibt Betrügern Schmuck

Der Betrüger erzählte am Telefon, dass für die Behandlung dringend Spritzen aus Amerika im Wert von 30.000 Euro benötigt würden. Als die 85-Jährige ihm mitteilte, nicht so viel Geld zu Hause zu haben, wurde sie nach möglichem Schmuck befragt. Abbenseth: "Letztlich erschien noch während des Telefonats eine junge Frau, der sie 20.000 Euro und Schmuck im Wert von mehr als 10.000 Euro übergab."

Die Komplizin des Trickbetrügers wird wie folgt beschrieben:

  • angeblicher Name: Frau Weber
  • etwa 20 bis 25 Jahre alt
  • etwa 1,65 m groß
  • europäisches Erscheinungsbild
  • pummelige Figur
  • trug eine blaue Jeans und ein weites T-Shirt mit Ausschnitt
  • goldene Glitzerturnschuhe und ein blaues Basecap

Die Fachdienststelle für Trickbetrugs- und Trickdiebstahlsdelikte hat die Ermittlungen übernommen. Die Polizei bittet die Bevölkerung nun um Mithilfe. Hinweise werden unter der Rufnummer 040/4286-56789 am Hinweistelefon der Polizei Hamburg oder bei jeder Polizeidienststelle entgegen genommen.

Trickbetrüger – Tipps der Polizei Hamburg

Die Polizei weist zudem darauf hin, dass Fälle wie dieser immer wieder vorkommen. "Die Täter sind geschult und gehen äußerst geschickt vor", warnte Polizeisprecher Abbenseth. Immer wieder entstünden dabei massive, zum Teil existenzbedrohende Schäden. Die Anrufer geben vor, Polizeibeamte zu sein oder ein Verwandter, der sich in einer Notlage befindet und dringend Geld benötigt.

"Ältere Menschen werden am Telefon überrumpelt oder in lange Telefonate verwickelt, bis die Täter ihr Ziel erreicht haben", so Abbenseth. Obwohl die Opfer häufig ein mulmiges Gefühl dabei haben, händigen sie den Tätern oft Geld oder Wertsachen aus.

Trickbetrüger: Das rät die Polizei:

  • Gesundes Misstrauen ist keine Unhöflichkeit
  • Seien Sie misstrauisch, wenn sich Anrufer am Telefon nicht selber mit Namen melden. Raten Sie nicht, wer anruft, sondern fordern Sie Anrufer immer dazu auf, ihren Namen selbst zu nennen
  • Seien Sie misstrauisch, wenn sich Personen am Telefon als Verwandte oder Bekannte ausgeben, die Sie als solche nicht erkennen. Erfragen Sie beim Anrufer Dinge, die nur der richtige Verwandte/Bekannte wissen kann
  • Lassen Sie sich auch bei einem angeblichen Notfall nicht unter Druck setzen. Nehmen Sie sich Zeit, um die Angaben des Anrufers zu überprüfen
  • Rufen Sie die jeweilige Person unter der Ihnen schon lange bekannten Nummer an und lassen Sie sich den Sachverhalt bestätigen
  • Sprechen Sie nicht über Ihre persönlichen oder finanziellen Verhältnisse und übergeben Sie niemals Geld oder Wertsache an unbekannte Personen
  • Wenn ein Anrufer Geld oder andere Wertsachen von Ihnen fordert: Besprechen Sie dies mit Familienangehörigen oder anderen Ihnen nahestehenden Personen
  • Legen Sie beim geringsten Zweifel auf, rufen Sie die Polizei unter 110 oder wenden Sie sich an Ihre örtliche Polizeidienststelle
  • Lassen Sie sich nicht mit vollem Namen im Telefonbuch eintragen, denn die Täter suchen gezielt nach altmodisch klingenden Vornamen
  • Auch Verwandte, Freunde und Nachbarn können helfen, solche Taten zu verhindern: Sprechen Sie schon im Vorfeld über die Möglichkeit solcher Anrufe und wie man darauf reagieren sollte
  • Große Geldbeträge oder Wertsachen sollte nicht zu Hause aufbewahrt werden
  • Sprechen Sie ungewöhnliche Beobachtungen an oder rufen Sie die Polizei
( coe )

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