Oldenburg

Baby zu Tode geschüttelt: 33-Jähriger vor Gericht

Der wegen Totschlags an einem Säugling angeklagte 33-Jährige sitzt mit einem Umschlag vor dem Gesicht in einem Gerichtssaal des Landgerichts Oldenburg.

Der wegen Totschlags an einem Säugling angeklagte 33-Jährige sitzt mit einem Umschlag vor dem Gesicht in einem Gerichtssaal des Landgerichts Oldenburg.

Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Säugling kommt mit Fieber und blauem Fleck ins Krankenhaus. Dort stellen Ärzte einen Hirnschaden fest – das Baby stirbt.

Oldenburg. Er soll sein Baby so heftig geschüttelt haben, dass der Säugling starb. Seit diesem Donnerstag muss sich ein 33 Jahre alter Mann vor dem Landgericht Oldenburg wegen Totschlags verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, seinen etwa zweieinhalb Monate alten Sohn Bryan an einem Morgen Anfang März 2018 in Wilhelmshaven tödlich verletzt zu haben.

Wie die Mutter des Kindes am ersten Verhandlungstag vor Gericht schilderte, war ihr damaliger Verlobter zur mutmaßlichen Tatzeit für die Betreuung des Babys zuständig, da sie ihrer Ausbildung als Mechatronikerin nachging. Der Angeklagte war demnach nicht der leibliche Vater des Babys, hatte die Vaterschaft nach der Geburt des Kindes aber anerkannt. (Az.: 5 Ks 21/19)

Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters erzählte die 29-Jährige, dass Bryan in den Wochen vor der mutmaßlichen tödlichen Misshandlung viel schrie. Sie habe ihren Verlobten mehrfach gebeten, das Baby zu ihren Eltern zu geben, die im gleichen Haus lebten. Dieser habe das aber abgelehnt. „Ich brauche keine Hilfe, ich schaffe das wirklich alleine“, sagte der Angeklagte in einer Sprachnachricht, die vor Gericht vorgespielt wurde. Als Gründe für das vermehrte Schreien habe sie einen Entwicklungsschub sowie einen grippalen Infekt vermutet.

Baby geschüttelt: Ärzte stellen Hirnschaden fest

Vor Gericht schilderte die 29-jährige Nebenklägerin, dass ihr Verlobter, der Gerüstbauer ist, zur mutmaßlichen Tatzeit Urlaub hatte. Anfang März 2018 bekam die Mutter während ihrer Arbeitszeit eine Nachricht ihres Verlobten, dass das Baby Fieber und einen blauen Fleck im Gesicht habe, blass sei und röchele. Sie bat ihn, mit ihm zum Arzt zu gehen. Dieser schickte die Familie ins Krankenhaus, wo Ärzte einen Hirnschaden bei dem Baby feststellten. Bryan kam auf die Intensivstation und starb rund drei Wochen später.

Nach den Schilderungen der Frau und ihres Vaters, die beide als Zeuge gehört wurden, waren alle überrascht, als Ärzte eine Misshandlung als Ursache für die Verletzungen nannten. Demnach dachten beide erst an einen Impfschaden. Erst als die Ärztin von einem Rippenbruch berichtete, sei ihr klar geworden, dass dies nicht sein könne, sagte die 29-Jährige, die mit klarer Stimme auf Fragen antwortete.

Ihr Verlobter habe ihr versichert, dass er Bryan nichts getan habe. Auch der Großvater des Kindes konnte sich nach eigenen Angaben zunächst nicht vorstellen, dass der damalige Partner seiner Tochter Bryan etwas angetan haben könnte. Den Jungen beschrieb er als gesundes Baby - satt und frisch gewickelt sei er glücklich und zufrieden gewesen.

Für die Mutter ist es der zweite Verlust eines Kindes

Für die Frau, die eine Tochter hat, ist es der zweite Verlust eines Kindes. Wie sie vor Gericht sagte, starb ihr erster Sohn 2015 im Alter von fünf Monaten am plötzlichen Kindstod. Ihre im vergangenen November geborene Tochter habe sie anfangs nicht aus den Augen lassen wollen und zum Schutz sogar einen großen Hund gekauft.

Der Angeklagte verfolgte die Verhandlung am ersten Prozesstag aufmerksam und machte sich Notizen. Nach Angaben seines Anwalts will er sich derzeit nicht zu den Vorwürfen äußern. Das Gericht hat weitere Zeugen geladen und vier weitere Verhandlungstage festgelegt.