Hamburg

Verurteilter Mörder sitzt jetzt als Kokaindealer in U-Haft

Nach dem Mord an Bernd Heede demonstrierten Hamburger für besseren Schutz vor Kriminalität.

Nach dem Mord an Bernd Heede demonstrierten Hamburger für besseren Schutz vor Kriminalität.

Foto: Gunnar Brumshagen / HA

1994 erschoss Albert X. Bernd Heede. Jetzt wurden 126.000 Euro Bargeld, kiloweise Kokain und scharfe Waffen bei ihm gefunden.

Hamburg. Vor 26 Jahren erschoss der heute 49 Jahre alte Albert X. in Altona den Kaufmann Bernd Heede. Der Fall erschütterte damals Hamburg. Bis 2013 saß der Albaner dafür in Haft. Jetzt wurde er erneut festgenommen.

Wegen Kokainhandels in großem Stil, den er mit seinem Komplizen Horald C. (32) aufgezogen hatte. Auch der 17 Jahre alte Sohn des 49-Jährigen ist offenbar in den Kokainhandel verwickelt. Auch er wurde in Handschellen abgeführt. Im Rahmen der Aktion wurde eines der professionellsten Drogenlabore ausgehoben, das jemals in Hamburg entdeckt wurde.

126.000 Euro Bargeld, scharfe Waffen und kiloweise Kokain

Monatelang hatten Beamte des Landeskriminalamtes ermittelt. Am Dienstag schlugen sie zu. An der Grindelallee stürmten Beamte einen Handyladen, den Albert X. betreibt. Dort wurde der 49-Jährige verhaftet.

Am Lokstedter Steindamm entdeckte die Polizei in der Wohnung von Horald C. das Drogenlabor. „Es war wie ein Produktionsstraße aufgebaut“, so ein Beamter. In der Wohnung, in der die Beamten Horald C. verhafteten, wurde im großen Stil Kokain gesäubert, gepresst und verpackt.

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Allein dort stellten die Beamten acht Kilogramm Kokain, 2,5 Kilogramm Streckmittel und über 81.000 Euro sicher. Dort wurde auch der 17 Jahre alte Sohn von Albert X. festgenommen, als er das Treppenhaus hoch kam. In der Tasche hatte er einen Schlüssel zur Wohnung mit dem Drogenlabor.

Bei weiteren Durchsuchungen, die teilweise erst am Mittwoch erfolgten, wurden über vier Kilogramm Kokain, 15 Kilogramm Streckmittel, knapp 45.000 Euro, Unterlagen, Handys, aber auch zwei scharfe Pistolen mit Schalldämpfern sichergestellt. Alle drei Männer kamen in Untersuchungshaft.

Albert X. wurde für den Mord an Bernd Heede zu lebenslanger Haft verurteilt

Albert X. hatte 1994 in der Großen Bergstraße Bernd Heede erschossen. Vorher hatte es eine Schießerei zwischen Tirana-Albanern und Kosovo-Albanern bei McDonalds am Bahnhof Altona gegeben. Albert X. und Komplizen hatten ihren Konkurrenten Musa G. niedergeschossen und schwer verletzt. Bei der Flucht stießen sie auf den Kaufmann, der sich ihnen in den Weg stellte. Das war sein Todesurteil: Albert X. schoss ihm in den Kopf.

Heedes gewaltsamer Tod löste Bürgerproteste in der damals von blutigen Revierkämpfen gepeinigten Stadt aus. Albert X. wurde wegen des Mordes an Heede und einer Anstiftung zu einer Geiselnahme zu lebenslanger Haft verurteilt, saß in der berüchtigten Haftanstalt Fuhlsbüttel (Santa Fu) ein. 1998 wurde er dort bei einem spektakulären Ausbruchsversuch geschnappt.

Nach seiner Entlassung war es um den Mörder "ruhig geblieben"

Vom Turm der Anstaltskirche seilte er sich an Bettlaken ab. Die waren allerdings zu kurz. Albert X. stürzte in einen Stacheldraht. Auch bei einem Aufstand in dem Gefängnis soll der Mann eine Rolle gespielt haben. Während seiner Haftzeit muss er seinen Sohn gezeugt haben, der am Dienstag ebenfalls festgenommen wurde. Nach seiner Entlassung, so sagt ein Polizist, sei es um Albert X. „ruhig geblieben“.

Ruhig blieb es aber nur bis Dienstag – bis die Polizeibeamten Albert X. als einen der größeren Drogendealer der Stadt abführten.