Eimsbüttel

Erst schaute er Pornos, dann ermordete er seine Nachbarin

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Bettina Mittelacher

Der 35-Jährige Damian W. hatte seine Nachbarin erstickt, weil diese sich gegen einen Vergewaltigungsversuch gewehrt hatte.

Hamburg. Als Malin M. am späten Ostermontagabend vergangenen Jahres ihre Wohnungstür öffnete, hatte sie keine Ahnung, dass sie nur noch wenige Minuten zu leben hatte. Vor der 22-Jährigen stand ihr Nachbar, der die junge Frau in seine Wohnung verschleppte, der sie dort zu vergewaltigen versuchte. Und der sie, als sie sich wehrte und verzweifelt laut um Hilfe schrie, ermordete.

Zu dieser Überzeugung kommt das Schwurgericht, das Damian W. wegen dieses Verbrechens am Donnerstag zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilte. Der 35 Jahre alte Angeklagte hatte den Tod der jungen Frau zum Prozessauftakt als „Tragödie“ bezeichnet. Der Vorsitzende Richter sprach dagegen in der Urteilsbegründung von einer vom Angeklagten „verschuldeten Katastrophe“.

Damian W. schaute Pornos, bevor er Malin M. verschleppte

Damian W. sei zwar kein für alle Menschen gefährlicher Gewalttäter und könne sich durchaus freundlich verhalten. „Aber Sie haben auch eine ausgesprochen dunkle Seite“, sagte Richter Joachim Bülter an die Adresse des Angeklagten. Insbesondere zeige Damian W. eine „Gewaltbereitschaft gegenüber Frauen, wenn es um die Durchsetzung Ihrer Interessen geht“. Dieses Verhalten sei für das Opfer „zum Verhängnis geworden“ und habe für deren Angehörige „Bestürzung und Leid verursacht“.

Nach Überzeugung des Gerichts spielte sich das Verbrechen am 22. April vergangenen Jahres so ab: Malin M.’s Ehemann stand unter der Dusche, und die junge Frau war gerade dabei, ein Essen für ihn zuzubereiten, als ihr Nachbar an der Wohnungstür klingelte. Über den Tag hatte Damian W. auf seinem Handy rund 140 Pornofilmchen angeklickt, und nun wollte er unbedingt Sex mit der attraktiven jungen Frau, die er kaum mehr als vom Sehen kannte. Durch Gewalt oder Drohungen verschleppte er sie in seine Wohnung und versuchte, sie zu vergewaltigen.

Richter spricht von "Gewaltausbruch" beim Mord an der 22-Jährigen

Erst schlug er ihr mit der Faust ins Gesicht und brach ihr so die rechte Augenhöhle, machte sich dann an ihrer Hose zu schaffen. Als sie sich heftig gegen ihren Peiniger wehrte, ihn kratzte und laut um Hilfe schrie, habe der 35-Jährige die Entdeckung der Tat befürchtet. Deshalb, und aus Ärger darüber, dass er keinen Sex erzwingen konnte, habe er den Entschluss gefasst,

die Frau „um jeden Preis zum Schweigen zu bringen“, sagte Richter Bülter. Deshalb habe Damian W. einen etwa drei Minuten andauernden „Gewaltausbruch“ gehabt, bei dem er der Frau immer wieder gegen den Hals trat, bis sie verstummte. Als Damian W. merkte, dass das Opfer tot war, verfrachtete der Mann den Leichnam in den Innenhof des Mehrfamilienhauses und verbarg ihn hinter einer Hecke. Dort wurde die Tote noch in der Nacht entdeckt. Rechtsmediziner stellten später etliche Verletzungen an dem Opfer fest, vor allem am Kopf und am Hals. Malin M. verstarb an den Folgen einer massiven Halskompression.

Der Mörder versuchte zunächst, die Tat zu verschleiern

Damian W. hatte als Bauarbeiter und zusätzlich nachts auf der Reeperbahn im Sicherheitsdienst sein Geld verdient. Er trainierte regelmäßig im Kraftraum, konsumierte darüber hinaus Anabolika und Amphetamine. Einem Freund hatte er schon kurz nachdem Malin M. mit ihrem Mann in das Mehrfamilienhaus eingezogen war gesagt, er habe „eine hübsche neue Nachbarin“. Offenbar hatte er schon eine Weile davon geträumt, mit ihr Sex zu haben, und dies in der Tatnacht umsetzen wollen — notfalls mit Gewalt.

Nach dem Verbrechen hatte der 35-Jährige zunächst versucht, Spuren zu beseitigen. So entsorgte er beispielsweise seine blutigen Turnschuhe, die er zur Tatzeit getragen hatte, und zerstörte das Handy des Opfers, das noch in seiner Wohnung lag, und versteckte zudem das Gerät. Er hatte den Ermittlern zunächst gesagt, er sei zur Tatzeit joggen gewesen. Malin M. habe er vorher schon gekannt und manchmal mit ihr „rumgeblödelt“. So sei es auch zu flüchtigen Körperkontakten gekommen.

Damian W.s Exfreundin flüchtete vor ihm ins Frauenhaus

Im Prozess vor dem Schwurgericht allerdings, der im vergangenen Oktober begonnen hatte, räumte Damian W. ein, seine Nachbarin getötet zu haben. Eine versuchte Vergewaltigung und damit einen Mord aus Verdeckungsabsicht hatte Damian W. jedoch bestritten. Auf die „große Frage“ nach dem „Warum“ habe er „keine Antwort. Ich weiß nur, dass ich die Tragödie nicht wollte“, hatte er gesagt. Er beginne zu „begreifen, was Drogen mit meinem Leben und mir getan haben“. Das Verbrechen habe ihn selber „schockiert“. Sein Verteidiger hatte auf Körperverletzung mit Todesfolge plädiert und eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und neun Monaten beantragt. Das Gericht folgte indes im Wesentlichen der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Schon ein Dreivierteljahr vor dem Mord an Malin M. hatte Damian W. eine Gewalttat zu Lasten einer Frau begangen. Damals hatte er seine langjährige Lebensgefährtin, die er schon mehrfach aus Eifersucht drangsaliert hatte, schwer verletzt. Er schlug und trat sie ins Gesicht. Das Opfer musste wegen der Misshandlungen acht Tage im Krankenhaus behandelt werden, bevor es in ein Frauenhaus umziehen konnte.

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