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Verkehrsrowdys in Hamburg: 500 Fahrverbote in nur drei Tagen

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ProViDa: Die mit Mess- und Kamerasystemen ausgestatteten Fahrzeuge der Polizei Hamburg dokumentierten viele Geschwindigkeitsverstöße (Symbolbild).

ProViDa: Die mit Mess- und Kamerasystemen ausgestatteten Fahrzeuge der Polizei Hamburg dokumentierten viele Geschwindigkeitsverstöße (Symbolbild).

Foto: Michael Rauhe

Illegale Rennen, Drogen hinterm Steuer, aggressive Raser: Großkontrolle der Polizei: fast 4000 Temposünder erwischt.

Hamburg. Der Fahranfänger in dem weißen Mercedes-Benz Cabrio sticht besonders hervor: Der 19-Jährige war der Besatzung eines zivilen Streifenwagens aufgefallen, als er seinen Wagen mehrfach stark beschleunigte und kurz darauf den Fahrer eines Mercedes AMG E 53 vor dem Baustellenbereich Waltershofer Straße zu einem illegalen Rennen animierte. An einer roten Ampel legten die beiden Männer einen Blitzstart hin und rasten davon. Im Bereich der Baustelle, wo Tempo 30 gilt, wurden die Fahrzeuge mit 97 km/h gemessen, am Ende der Baustelle sogar mit 135 km/h. Die Polizei Hamburg stoppte die Raser, die vorerst kein Gaspedal mehr bedienen dürfen.

Der 39-jährige Fahrer des Mercedes AMG E 53 hätte sich ohnehin gar nicht erst hinters Steuer setzen dürfen. "Er ist nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis. Diese wurde ihm bereits im Jahr 2013 entzogen", sagte Polizeisprecher Daniel Ritterskamp am Dienstag. Die Polizei übergab das 80.000-Euro-Auto an einen Berechtigten des ambulanten Pflegedienstes, auf den der Wagen zugelassen ist. Der 19-jährige Fahrer des Mercedes Cabrio musste seinen Führerschein wegen des Verdachts des verbotenen Kraftfahrzeugrennens abgeben.

Polizei Hamburg stellt fast 4000 Geschwindigkeitsverstöße fest

Die beiden Männer zählen zu den 500 Fahrzeugführern, die nach einer Großkontrolle der Polizei ein Fahrverbot erwartet. Vergangene Woche hat die Polizei an drei Tagen an mehreren Messorten stationär sowie mobil die Geschwindigkeitsüberschreitungen von insgesamt 3.849 Fahrzeugen erfasst und 104 Personen überprüft.

Die Polizei stellte folgende Geschwindigkeitsverstöße fest:

  • Bundesstraße 5, Höhe Anschlussstelle Billstedt Fahrtrichtung Osten: 2616 Ordnungswidrigkeiten, davon 319 x Fahrverbot
  • BAB 255, Baustellenbereich Fahrtrichtung Süden: 930 Ordnungswidrigkeiten, davon 121 x Fahrverbot
  • Horner Rampe: 78 Ordnungswidrigkeiten, davon 3 x Fahrverbot
  • Cuxhavener Straße: 130 Ordnungswidrigkeiten, davon 6 x Fahrverbot

Honda-Fahrer bedrängt und nötigt zivilen Streifenwagen

Besonders clever hat sich auch der Fahrer eines Honda Jazz nicht angestellt. Dieser bedrängte und nötigte ein ProViDa-Fahrzeug in der Andreas-Meyer-Straße. Anschließend überholte der Honda-Fahrer den zivilen Streifenwagen auf dem rechten Fahrstreifen und bremste diesen dann mehrfach aus. "Gegen den 39-jährigen Fahrzeugführer wurde eine Strafanzeige wegen des Verdachts der Straßenverkehrsgefährdung gefertigt", sagte Ritterskamp.

Nur knapp eineinhalb Stunden später stoppten Beamte in Wilhelmsburg einen 36-Jährigen, der trotz des Konsums von Amphetaminen mit dem Auto unterwegs war. Bei der Durchsuchung des Wagens entdeckte die Polizei zudem Marihuana, Ecstasy und etwa 140 Gramm Amphetamin. Die Konsequenz: Der Führerschein und die Betäubungsmittel wurden sichergestellt.

Ducati-Fahrer mit Sohn auf A1 doppelt so schnell wie erlaubt

Am vergangenen Freitag geriet ein britisches Auto auf der A1 ins Visier der Beamten. "Der Pkw passierte den Tunnel Moorfleet bei zulässigen 80 km/h mit 127 km/h. Im weiteren Verlauf befuhr er den Baustellenbereich bei erlaubten 60 km/h mit 107 km/h", sagte Ritterskamp. Dabei überholte er zudem mehrere Fahrzeuge unerlaubt rechts. Der Fahrer musste eine sogenannte Sicherheitsleistung in Höhe von 540 Pfund zahlen, durfte anschließend aber seine Fahrt fortsetzen.

Auf der A1 wurde auch ein 32- Jähriger gestoppt. Der Grund: auffällig enthemmte Fahrweise. Ein Drogenvortest reagierte positiv auf THC. Weiterfahren durfte der Mann selbstverständlich nicht.

Betrunkener rast mit 164 km/h durch Moorfleeter Tunnel

Ein 39-jähriger Fahrer einer Ducati Scrambler, der im Ausland lebt, hielt sich ebenfalls nicht an die Regeln. Er war mit seinem seinem siebenjährigen Sohn als Sozius auf der A1 unterwegs – doppelt so schnell wie erlaubt. Der Motorradfahrer überholte ein ziviles ProViDa-Fahrzeug mit 160 km/h, obwohl an dieser Stelle das Tempo 80 gilt. Ritterskamp: "Es wurde eine Sicherheitsleistung in Höhe von 1225 Euro erhoben und wegen des gezeigten Verhaltens ein Bericht an das zuständige Jugendamt wegen des Verdachts der Kindeswohlgefährdung gefertigt."

Auch Alkohol spielte bei der Großkontrolle eine Rolle: Auf der B75 stoppten die Beamten einen Autofahrer, der bei zulässigen 60 km/h mit bis zu 140 km/h unterwegs war. Ein Alkoholtest vor Ort ergab einen Wert von 1,57 Promille. Der Führerschein wurde sichergestellt. Noch mehr Promille (1,99) wies ein Mann auf, der mit 164 km/h durch den Moorfleeter Tunnel raste. Auch er darf vorerst kein Fahrzeug mehr führen.

( coe )

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