Hamburg

Gerüst und Mauer auf St. Pauli eingestürzt: Zwei Männer tot

Hamburger Feuerwehr und Polizei retteten die Verschütteten unter eigener Lebensgefahr. Die Bauarbeiter überlebten das Unglück nicht.

Hamburg. Das Unglück dauerte vermutlich nur wenige Sekunden: Völlig unerwartet ist am Dienstagmittag eine Ziegelfassade und ein Baugerüst auf St. Pauli eingestürzt, Tausende tonnenschwere Ziegel und Gerüststangen fielen zusammen. Neun Bauarbeiter standen zu dem Zeitpunkt auf der Baustelle, zwei Männer wurden tödlich verletzt. Einer der Bauarbeiter, der unter den Trümmern lag, konnte zunächst befreit werden, verstarb jedoch am Abend im Krankenhaus. Zwei weitere Personen wurden verletzt.

Am Dienstagnachmittag gegen 14.40 Uhr meldeten diverse Anrufer der Feuerwehr, dass auf einer Baustelle an der Simon-von-Utrecht-Straße nahe des Millerntorplatzes ein hohes Gerüst zusammengebrochen sei. Die Hamburger Feuerwehr und Polizei rückten mit einem Großaufgebot aus. "Als die ersten Kräfte eintrafen, war ein Baugerüst, das an der Fassade eines sechsgeschossigen Büro- und Geschäftsgebäudes aufgestellt war, teileingestürzt", sagte Feuerwehrsprecher Jan Ole Unger. Zwei Bauarbeiter waren unter den Trümmern begraben. Der Einsatzleiter erhöhte die Alarmstufe auf "Massenanfall von Verletzten".

Gerüst auf St. Pauli eingestürzt – Rettung hochgefährlich

Die Arbeiten vor Ort gestalteten sich äußerst schwierig. "Alle Steine mussten von Hand abgetragen werden", sagte Unger. Gerüstteile mussten sogar mit Motortrennschleifern durchschnitten werden, weil sie so schwer ineinander verkeilt waren und ansonsten nicht hätten bewegt werden können. Der Feuerwehrsprecher betonte: "Feuerwehr- und Polizeikräfte arbeiteten unter eigener Lebensgefahr in dem Trümmerfeld, da immer Gefahr bestand, dass weitere große Teile herabstürzten."

Nach mehr als anderthalb Stunden gelang es den Rettern, einen Bauarbeiter aus den Trümmern zu befreien. Unger: "Er wurde mit lebensgefährlichen Mehrfachverletzungen notarztbegleitet in ein Krankenhaus befördert." Doch der Bauarbeiter verstarb am Abend in der Klinik.

Gerüsteinsturz auf St. Pauli: Bauarbeiter in Fenster gesprungen

Auch ein Feuerwehrkran und die Höhenrettung der Feuerwehr waren vor Ort – auch, um Gerüstteile zu sichern. Insgesamt waren rund 140 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei rund vier Stunden im Einsatz. Umliegende Straßen wurden zwischenzeitlich gesperrt.

Einer der Bauarbeiter ist eigenen Angaben zufolge während des Unfalls in ein Fenster gesprungen und hat sich so vor herabstürzenden Teilen in Sicherheit gebracht. "Ich habe gedacht, ich kann nicht mehr rennen und dann bin ich zum Fenster reingegangen", sagte er unmittelbar nach dem Unfall. "Die haben Steine auf die Palette drauf gepackt und gerade das war zu schwer. Das Gerüst konnte das tragen und dann sind sie runtergefallen", erinnerte sich der Mann zudem an die Momente vor dem Unfall. "Ich danke Gott dafür, dass er mein Leben für meine Kinder gerettet hat."