Amtsgericht

Gerüst bricht zusammen: Arbeiter stürzt in den Tod

Das Amtsgericht Hamburg-Barmbek (Symbolbild).

Das Amtsgericht Hamburg-Barmbek (Symbolbild).

Foto: Michael Arning / HA

Wegen des Unglücks muss sich ein 29-Jähriger verantworten, dem fahrlässige Tötung und Körperverletzung vorgeworfen werden.

Hamburg. Es war einer jener Tage, an denen es wieder mal später werden würde. Fünf- oder sechsmal rief Amira S. (Name geändert) bei ihrem Mann auf der Arbeit an und bat ihn, endlich nach Hause zu kommen. „Er sagte, er brauche noch eine Weile, er müsse seine Arbeit dort beenden. Er war in Eile“, erzählt die 39-Jährige über die Ereignisse vom 14. März 2018. Das war das allerletzte Mal, dass sie mit ihrem Mann sprechen konnte. Wenige Minuten später stürzte er in den Tod. Das Gerüst, auf dem der 38-Jährige zusammen mit einem Kollegen gearbeitet hatte, war umgekippt.

Wer ist verantwortlich dafür, dass der gelernte Schweißer starb und sein Kollege schwer verletzt wurde? Vor dem Amtsgericht muss sich wegen des Unglücks in einem Steilshooper Veranstaltungssaal seit Dienstag ein 29-Jähriger verantworten, dem fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen wird. Auf Veranlassung von Ahssib A. ist laut Anklage an jenem verhängnisvollen Tag ein ungeprüftes und nicht zugelassenes Gerüst verwendet worden.

Gerüst kam aus dem Gleichgewicht

Dabei sei es ohne jeden Umsturzschutz aufgestellt worden, so die Staatsanwaltschaft weiter. Um einen Metallring, der Dekorationszwecken dienen sollte, an der Saaldecke anzubringen, kletterten damals zwei Männer auf die 4,5 Meter hohe Gerüstplattform, die daraufhin zusammenbrach. Ein 38-Jähriger erlitt so massive Kopfverletzungen, dass er wenig später im Krankenhaus starb. Sein 33 Jahre alter Kollege zog sich an beiden Füßen mehrere Knochenbrüche zu. Der Angeklagte, ein kräftiger Mann mit Fünftagebart, äußert sich nicht zu den Vorwürfen.

Die Witwe erzählt, ihr Mann habe über längere Zeit für die Firma gearbeitet. In einem Notizbuch listete er akribisch jeden Einsatz auf, den er hatte, denn offiziell war sein Beschäftigungsverhältnis nicht. Erst einen Tag nach seinem Tod wurde der Mann als geringfügig beschäftigt angemeldet. Auch der 33-Jährige, der den Unfall schwer verletzt überlebte, war nur zur Aushilfe dort. Das Gerüst habe ursprünglich vor dem Veranstaltungsraum gestanden und sei mit Unrat beladen gewesen, erzählt der Zeuge. Er und sein Kumpel hätten das Gestell in den Saal gebracht und seien über eine Leiter hinaufgeklettert. „Es war leicht wackelig.“ Als sie dann einen großen Metallring hochzogen, der bei der Veranstaltung als Deckendekoration geplant war, „da kam das Gerüst aus dem Gleichgewicht und kippte um.“

Standsicherheit ist offenbar nicht geprüft worden

Ein Sachverständiger erklärt, das Gerüst habe kein Prüfsiegel aufgewiesen. Anhand von Fotos, die es von dem zusammengestürzten Gerüst gab, hätten sie zudem eindeutig erkennen können, dass es mit keiner Abstützung versehen war. „Normalerweise wird das Gerüst an der Wand befestigt, oder es werden Ausleger gesetzt.“ Wenn solche Sicherungen vorgelegen hätten, „wäre das Gerüst nicht umgefallen“. Es sei Aufgabe des Arbeitgebers sicherzustellen, dass ein Gerüst nicht umkippen kann. „Es ist wichtig, die Standsicherheit zu prüfen.“

Der Prozess wird fortgesetzt.