Hamburg

Eimsbüttler Räuberbande – Polizei vermutet weitere Täter

Restaurantchef Stefan Rieck ist eines der Raubopfer.

Restaurantchef Stefan Rieck ist eines der Raubopfer.

Foto: Michael Arning

Die Polizei ermittelt sechs Verdächtige und durchsucht acht Wohnungen. Kurz vor der Aktion überfällt ein Mann eine Bar.

Hamburg. Dass die Räuber erneut zuschlagen würden, daran hatten Eimsbüttler Gastronomen und Kioskbetreiber kaum gezweifelt. Die Frage war nur, wo und wann – und wen es als Nächstes treffen werde. Denn seit Mitte November waren mindestens fünf Objekte – vor allem Kioske und Restaurants – in Eimsbüttel und Hoheluft-West von einer Bande heimgesucht worden, die in wechselnder Besetzung agierte.

Zwar hat die Polizei die Raubserie jetzt aufgeklärt und sechs Verdächtige ermittelt (das Abendblatt berichtete). Nach vorläufigem Stand rechnet sie ihnen ein halbes Dutzend Fälle zu. Die Beamten halten es jedoch für möglich, dass die Bande mehr als die bisher bekannten Taten begangen hat – und ihr weitere, noch nicht ermittelte Täter angehören könnten.

So sieht die Polizei eine mögliche Verbindung zwischen der Bande und einem Überfall am frühen Mittwochmorgen auf das Lokal Fricke46 in Eppendorf. Dort attackierte ein bisher unbekannter, etwa 1,80 Meter großer Mann mit kräftiger Statur eine Bedienung (20), die sich zum Geschäftsschluss allein im Lokal aufhielt. Er flüchtete mit einem Kellnerportemonnaie. „Die Ermittler prüfen hier einen möglichen Zusammenhang“, sagt Polizeisprecher Florian Abbenseth. Zu den bisher nicht aufgeklärten Fällen im Raum Eimsbüttel gehört auch der bewaffnete Überfall auf das Restaurant La Paz am Heußweg (22. September).

Ermittlungen führten zu sechs Verdächtigen

Wenige Stunden nach dem Überfall am Mittwochmorgen nahm die Polizei die Eimsbüttler Räuberbande hoch. Durch umfangreiche Ermittlungen war sie sechs Verdächtigen auf die Spur gekommen: fünf jungen Männern (17, 19, 22, 22, 24) und einer 23-jährigen Frau. Ermittler und Zivilfahnder durchsuchten acht Wohnungen und sicherten Beweismittel. Fast alle Verdächtigen sollen bereits Straftaten begangen haben.

Zwei von ihnen waren am Donnerstagnachmittag zur gleichen Zeit verhaftet worden: Kevin P. (19) vor einem Geschäft an der Osterstraße, Stephan J. (22) am Erich-Ziegel-Ring in Steilshoop. Beide haben bereits so viele Vorstrafen unter anderem wegen Raubes angehäuft, dass sie – wie ein weiterer Verdächtiger – als Intensivtäter gelten. Kevin P. war erst im August nach mehr als drei Jahren aus der Jugendhaft entlassen worden. Zunächst wegen versuchten Totschlags angeklagt, war er am Ende „nur“ wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden. Der Rest der Bande befindet sich auf freiem Fuß, da keine Haftgründe vorliegen.

Raubserie begann am Doormansweg

Die Raubserie begann mit einem Überfall auf einen Jugendclub am Doormannsweg. Am 15. November bedrohten drei Täter die Clubleiterin (62) mit einer Pistole, zwangen sie, einen Tresor zu öffnen, und fesselten sie im Anschluss. Mit ihrer EC-Karte hoben sie zudem Geld ab und verschafften sich mit ihrem Schlüssel Zutritt zu ihrer Wohnung, aus der sie Unterlagen und Schmuck entwendeten. Danach überfielen die mutmaßlichen Räuber den Biss-Markt-Kiosk, dessen Inhaber auch das ebenfalls überfallene Lokal Fricke46 gehört, und das Restaurant Viu an der Bismarckstraße, einen Kiosk an der Fruchtallee, ein Hotel am Hermann-Buck-Weg und die Kneipe Urknall an der Sartoriusstraße.