Feuerwehreinsatz

Gasalarm in Mehrfamilienhaus: Ein Mensch tot aufgefunden

Feuerwehrleute und Sanitäter stehen vor dem Mehrfamilienhaus in Bahrenfeld.

Feuerwehrleute und Sanitäter stehen vor dem Mehrfamilienhaus in Bahrenfeld.

Foto: TV News Kontor

In Bahrenfeld hat die Feuerwehr 23 Menschen gerettet. Gewerkschaft fordert CO-Warngeräte auch für Hamburgs Polizeibeamte.

Hamburg. 23 Menschen mussten am Sonntagabend ein Wohnhaus an der Bahrenfelder Chaussee verlassen, weil dort giftiges Kohlenmonoxid (CO) ausgetreten war. Zuvor hatten Angehörige einen 78 Jahre alten Bewohner tot in seinem Bett liegend entdeckt. Ob der pflegebedürftige Rentner durch das toxische Gas ums Leben kam oder eines natürlichen Todes starb, steht zurzeit nicht fest – der Leichnam muss noch im Institut für Rechtsmedizin obduziert werden.

Angehörige hatten den bettlägerigen Mann am frühen Sonntagabend in dessen Wohnung an der Bahrenfelder Chaussee besuchen wollen. Weil der Rentner keine Lebenszeichen zeigte, verständigten sie einen Mitarbeiter des Pflegedienstes, der dann die Feuerwehr alarmierte. In Trauer um den Verstorbenen versammelten sich derweil immer mehr Angehörige in der Wohnung.

CO-Warngeräte schlugen Alarm

Während die Rettungssanitäter den Mann untersuchten, schlugen die standardmäßig an ihren Rucksäcken befestigten CO-Warngeräte Alarm – sie veranlassten unverzüglich die Evakuierung der Wohnung. Wie der Notarzt am Unglücksort ermittelte, hatten die zwei Feuerwehrleute und die 16 trauernden Angehörigen leichte Verletzungen erlitten. „Im Gebäude wurden weitere Messungen durchgeführt und auch im Treppenraum waren erhöhte Kohlenmonoxid- und Methanwerte feststellbar“, sagt Feuerwehrsprecher Dennis Diekmann.

Der Großeinsatz mit 45 Feuerwehrleuten weitete sich nach diesem Befund aus, Alarmstufe „Massenanfall von Verletzten“. Fünf weitere Bewohner mussten ihre Wohnungen räumen und das Gebäude verlassen. Zudem riegelte die Feuerwehr die Gaszufuhr ab und lüftete das Haus – danach gingen die Messwerte wieder zurück. Die fünf Bewohner kamen zunächst bei Freunden und in vom Bezirksamt Altona zur Verfügung gestellten Ersatzwohnungen unter.

Am Montag hat die Polizei nach einer „Begehung“ mit einem technischen Sachverständigen die geräumten Wohnungen wieder freigegeben – bis auf die des Rentners. Im Fokus der Ermittler steht jetzt die Heizungsanlage des Verstorbenen, die auf „mögliche Defekte“ überprüft werden soll, sagte Polizeisprecher Florian Abbenseth. Bereits am Sonntag hatte der Gasversorger an der zentralen Heizungsanlage keine Hinweise für eine Fehlfunktion gefunden.

Jährlich sterben 35 Menschen in Hamburg durch das Atemgift

Kohlenmonoxid entsteht bei der unvollständigen Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Stoffen. Das geruchs- und geschmacklose Atemgift heftet sich an die roten Blutkörperchen, blockiert so die Aufnahme von Sauerstoff. Ab einem Wert von 50 Prozent CO-gebundener Blutkörperchen fallen Betroffene in Ohnmacht, ein Wert von mehr als 60 Prozent gilt als lebensbedrohlich. Nach Schätzung von Eric Dietz, Rechtsmediziner am UKE, sterben in Hamburg jedes Jahr rund 35 Menschen durch das Atemgift. Typische CO-Quellen sind defekte Heizungsanlagen und Gasherde, verstopfte Schornsteine und Brände.

Auch Nachlässigkeit spielt immer wieder eine Rolle. Ende März 2019 hätte nicht viel gefehlt, und eine Familie aus Sülldorf hätte den nächsten Morgen nicht mehr erlebt. Am Abend hatte der Familienvater einen Grill mit noch glühender Holzkohle ins Wohnzimmer gestellt, vermutlich um die Restwärme zu nutzen. Die Eltern (37, 32) und die Kinder (7, 3) schliefen ein, am nächsten Morgen wachten sie mit den üblichen Symptomen einer CO-Vergiftung auf: Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel. Die gesamte Familie musste auf der Intensivstation behandelt werden.

Gewerkschaft fordert Warngeräte für Polizisten

Im Dezember 2014 kamen drei Menschen am Harburger Beckerberg ums Leben, nachdem vermutlich durch eine defekte Heizungsanlage Kohlenmonoxid in ihre Wohnungen geströmt war. Kurz nach der Tragödie schaffte die Stadt die kleinen und hochempfindlichen CO-Warngeräte für die Hamburger Feuerwehr an. Den Einsatz am Sonntagabend hat die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zum Anlass genommen, erneut eine Ausrüstung auch der Polizisten mit CO-Warnern zu fordern.

„Bei einer hohen CO-Konzentration genügen wenige Atemzüge, um das Bewusstsein zu verlieren. Insbesondere im ersten Angriff sind die Kolleginnen und Kollegen dieser wachsenden Gefahr bisher völlig schutzlos ausgeliefert. Die GdP fordert eine flächendeckende Ausrüstung der Einsatzkräfte mit entsprechenden kleinen Warngeräten, die auch mit der Mehrzweckweste kompatibel sind“, sagte GdP-Landeschef Horst Niens.

Die Polizei kann Kohlenmonoxid mit Hilfe ihrer Spürtruppfahrzeuge detektieren. Sie stehen in ausgewählten Wachen bereit. Dass die Beamten in Zukunft auch mit CO-Warngeräten (300 Euro pro Stück) ausgerüstet werden, ist nicht ausgeschlossen. „Ob eine Anschaffung dieser Geräte für die Hamburger Polizei erforderlich ist, wird gegenwärtig geprüft“, so Polizeisprecher Abbenseth.