Prozess

Bei "Opferritual" 250.000 Euro ergaunert – Frau vor Gericht

Am Dienstag beginnt der Prozess gegen die  angebliche Wunderheilerin vor dem Amtsgericht Hamburg-Barmbek.

Am Dienstag beginnt der Prozess gegen die angebliche Wunderheilerin vor dem Amtsgericht Hamburg-Barmbek.

Foto: Michael Arning / HA

Während das Opfer für einen Verwandten betete, tauschte die Frau ihr Geld gegen Spielgeld aus. Prozess beginnt am Dienstag.

Hamburg. Treffen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zu, dann hat die junge Angeklagte die Not einer Frau skrupellos ausgenutzt – und sie mit einer abgefeimten Scharade um satte 250.000 Euro gebracht. Am kommenden Dienstag steht die 28-Jährige wegen Diebstahls vor dem Amtsgericht Barmbek. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, einer Frau während eines „Opferrituals“ zur Heilung einer an Krebs erkrankten Verwandten 250.000 Euro Bargeld gestohlen zu haben.

Die Angeklagte betreute das spätere Opfer seit längerer Zeit als „Hellseherin“. Am 28. August 2018 habe sie die Frau veranlasst, das mit Plastikfolie umwickelte Bargeld unter einer Matratze ihrer Wohnung am Berner Heerweg zu verstecken. Während die Frau dann „intensiv betete“, so die Staatsanwaltschaft weiter, habe die angebliche Wunderheilerin das Geld heimlich gegen Spielgeld ausgetauscht. Kurios: Das Opfer bemerkte den Diebstahl erst Ende November – also drei Monate nach der Tat.

Die Täterinnen tauschten das Geld gegen Papierschnipsel aus

Ähnliche Fälle gab es in Hamburg schon mehrfach. So streiften im vergangenen Sommer Trickbetrügerinnen mit einer aberwitzigen Geschichte durch den Süden der Stadt: Sie behaupten, sie seien in der Lage, angeblich vom Fluch besessene Frauen zu „heilen“. Gezielt gingen sie auf der Straße auf russischstämmige Frauen zu und behaupteten: "Sie sind verflucht." Drei Frauen bissen an. Um die Legende zu untermauern und sich das Vertrauen ihrer Opfer zu erschleichen, nutzten sie den sogenannten „Eier-Trick“. Dabei ließen sie die Betroffenen jeweils ein Ei kaufen – sodann tauschten die Täterinnen das gekaufte Ei jedoch gegen ein präpariertes aus.

Beim Zerschlagen trat dann eine schwarze Flüssigkeit aus den Eiern aus – ein vermeintlicher Beleg für den Fluch. Sie könnten jedoch helfen, die Verfluchten von ihrer Last zu befreien, versprachen die Täterinnen. Die „besessenen“ Frauen müssten nur Bargeld holen. Sodann wickelten die Täterinnen das Geld jeweils in ein mitgebrachtes Tuch und forderten die Frauen auf, es über eine längere Zeit am Körper zu tragen – aber mit niemand darüber zu sprechen. Wie sich herausstellte, hatten die Täterinnen das Geld gegen Papierschnipsel ausgetauscht. Sie erbeuteten Beträge zwischen 1000 und 10.000 Euro.

Schlechte Aura und verfluchtes Geld durch Gebete säubern

Zwar nahm die Polizei Mitte September drei Trickbetrügerinnen und einen weiteren Mann fest. Doch Ende September waren zwei Frauen mit der Masche erneut erfolgreich, diesmal in Hausbruch. Dort verwickelten zwei „Heilerinnen“ eine 59 Jahre alte Frau in ein Gespräch. Dabei behaupteten die unbekannten Frauen, dass sie heilende Kräfte hätten und die 59-Jährige eine „schlechte Aura“ habe. Sie könnten die Aura jedoch durch Gebete säubern und ihr Geld, das ebenfalls verflucht sei, das könnten sie auch säubern.

Die 59-Jährige holte daraufhin einen vierstelligen Betrag von ihrem Konto ab. Um sie von ihrer bösen Aura zu säubern, ließen die zwei Frauen sie dann Wasser löffelweise in eine Plastikflasche füllen. Anschließend trank sie die Flasche aus – das sollte den „Heilungsprozess“ offenbar unterstützen. Auf einem Spielplatz übergab das Opfer den Frauen dann ihr Bargeld. Die Betrügerinnen wickelten es in ein Tuch, murmelten Beschwörungen und sprachen Gebete. Anschließend gaben sie ihr das Bündel zurück – mit der Anweisung, es mehrere Tage unter einem Kopfkissen aufzubewahren. Wenig später öffnete sie das Tuch jedoch, doch darin steckte nur wertloses Papier, kein Geld mehr.

Angst vor einer schweren Krankheit ausgenutzt

Auch in Glinde verlor eine 65 Jahre alte Frau durch diese Hokuspokus-Bauernfängerei viel Geld. Eine vermeintliche „Wunderheilerin“ nutzte Anfang November die Angst einer 65 Jahre alten Frau vor einer schweren Krankheit aus und brachte sie dazu, rund 10.000 Euro von ihrem Konto abzuheben. Wie in den anderen Fällen auch steckte sie das Bargeld in ein Tuch. Später stellte sich heraus, dass ein Teil des Geldes fehlte – und der andere Teil gegen Falschgeld ausgetauscht worden war.