Polizei

"Stören und zerschlagen": Razzia gegen Einbrecher in Hamburg

Unter anderem wurde diese Sportsbar in der Wilstorfer Straße durchsucht.

Unter anderem wurde diese Sportsbar in der Wilstorfer Straße durchsucht.

Foto: André Zand-Vakili / HA

Mit mehr als 280 Polizeibeamten hat die Polizei Hamburg am Dienstagabend Razzien in vier Stadtteilen durchgeführt.

Hamburg. Gleichzeitig haben am Dienstagabend Polizisten in Altona, Wandsbek, Billstedt und Harburg zugeschlagen. Die Beamten durchsuchten einen Kiosk, ein Restaurant, Vereinsräume und eine Sportsbar. An dem Einsatz beteiligten sich rund 280 Polizisten. Auch Beamte der Ausländerbehörde waren bei dem Großeinsatz dabei.

Es war die größte Razzia in diesem Jahr in Hamburg: Ein wohl gesetzter Schlag, den die Polizei gegen die Einbrecherszene setzte. Kurz nach 19 Uhr fuhren an allen vier Orten Mannschaftswagen der Polizei vor. Beamte sprangen aus den Fahrzeugen und riegelten innerhalb von Sekunden die Durchsuchungsobjekte ab. Jeder, der sich dort aufhielt, musste an dem Ort bleiben, an dem er saß oder stand. Dann begannen die Überprüfungen.

Anlaufstellen der Einbrecherszene durchsucht

„Ziel des Einsatzes sind osteuropäische Einbrecherbanden, speziell Albaner, die hier in Hamburg ihre Rückzugsräume haben“, so Polizeisprecher Timo Zill. Unter Rückzugsräume versteht die Polizei Orte, an denen Kontakte geknüpft, Erfahrungen ausgetauscht werden, oder an denen sich Personen, die der Einbrecherszene zugerechnet werden, aufhalten. Die Erkenntnisse zu dem Einsatz hatte das LKA 19 geliefert, die Dienststelle gegen organisierte Einbruchskriminalität, die aus der Soko „Castle“ hervorgegangen ist.

Die Ermittler hatten den Kiosk, das Vereinshaus, ein Restaurant und die Sportsbar an der Wilstorfer Straße als Anlaufstellen der Einbrecherszene ausgemacht. Zivilfahnder hatten dort vorher auf der Lauer gelegen, um sicherzustellen, dass das Zielklientel dort versammelt ist, wenn der Einsatz beginnt. In allen vier Objekten wurden dutzende Personen überprüft und mehrere festgenommen – unter anderem wegen bestehender Haftbefehle oder falscher Papiere.

Zusammenarbeit mit Polizisten aus den Nachbarländern – und Europa

„Der Einsatz jetzt erfolgt vor dem Hintergrund der in der dunklen Jahreszeit steigenden Einbruchszahlen“, so Zill. Gerade in den vergangenen Tagen war es in Hamburg wieder vermehrt zu Taten gekommen.

Der Einsatz erfolgte in enger Abstimmung mit Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Beide Bundesländer haben speziell im Deliktbereich Einbruchskriminalität geschulte Verbindungsbeamte. „Wir wollen die Tätergruppen nicht einfach aus Hamburg herausdrücken, sondern nachhaltig und empfindlich zerschlagen oder stören“, so Zill.

Dazu bekommen man bundes- und europaweit „stabile Erkenntnisse“. „Gerade mit den Sicherheitsbehörden in Albanien haben wir mittlerweile gute Arbeitsbeziehungen“, so Zill. Erst kürzlich wurde vor Ort ein albanischer Polizeibeamter festgenommen: Er soll als Hehler Diebesgut weiterverkauft haben, das sein Bruder unter anderem in Hamburg erbeutet hatte. „So ist man in der Lage, strukturell gegen die Gruppierungen aus dem Ausland vorzugehen“, so Zill.

"Intensive Polizeiarbeit" sorgt für Rückgang der Einbruchzahlen

In Hamburg müsse man dafür „hart am Ball“ bleiben. „Die Halbierung der Wohnungseinbruchszahlen in unserer Stadt innerhalb der letzten vier Jahre ist ja kein Zufall“, so Zill. „Dahinter steht intensive Polizeiarbeit.“ In Hamburg haben sich die Einbruchszahlen von 9006 Fällen in 2015 auf 4601 im vergangenen Jahr reduziert. Dabei wurde ein Vermögensschaden von rund 9,7 Millionen Euro angerichtet.

Die Aufklärungsquote lag in den beiden letzten Jahren knapp unter zwölf Prozent, während sie in den Jahren davor unter 10 Prozent lag. „In diesem Jahr ist die Entwicklung erneut positiv. Wir steuern auf einen weiteren Rückgang zu und werden auch alles daran setzen, dass dieser Trend anhält“, so Zill. Bis Ende September hatte die Polizei einen Rückgang der Einbruchszahlen von 8,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum festgestellt.

Kampf gegen Einbrecher braucht Mithilfe aus der Bevölkerung

„Wir setzen bei unserer Arbeit auch stark auf die Mithilfe der Bevölkerung. Deshalb haben wird die Kampagne „In Hamburg schaut man hin“ aufgelegt“, so Zill. „Sie soll die Hemmschwelle senken die Polizei zu rufen.“

Gerade bei der Bekämpfung der Einbruchskriminalität, so hatte sich schon durch eine Vorgängerkampagne gezeigt, seien die Hinweise der Hamburger enorm wichtig gewesen.