Hamburg

Illegales Rennen: Gehörten die Raser zur Autoposer-Szene?

"Ein Trümmerfeld": Zwei Verletzte in Lebensgefahr. BMW prallt nach Kollision gegen Baum, Audi beschädigt zwölf weitere Pkw.

Hamburg. Ist das das Ergebnis eines illegalen Autorennens? Die Einzelteile der Fahrzeuge wurden mehrere Dutzend Meter weit über die Sievekingsallee geschleudert, Feuerwehrleute befreien die Insassen aus den Autos und verladen sie im Regen in Rettungswagen. Drei Schwerverletzte werden in der Nacht zum Sonntag in Hamburger Krankenhäuser gebracht, zwei von ihnen schweben in Lebensgefahr. Drei weitere werden mit leichteren Blessuren behandelt. „Es gibt Hinweise darauf, dass es sich um das Ergebnis eines illegalen Straßenrennens handelt“, sagte die Polizeisprecherin Evi Theodoridou.

Sonntagmorgen, 1.40 Uhr: Laut Polizei fährt ein 20 Jahre alter Mann zu dieser Zeit mit seinem Audi A6 auf der linken Spur stadteinwärts, als sich von hinten ein 5er-BMW und ein weiterer Audi A6 mit hoher Geschwindigkeit nähern. Der 22 Jahre alte Fahrer des BMW habe den neben ihm fahrenden Audi überholt und sei dann auf den rechten Fahrstreifen gewechselt, um nicht mit dem vorausfahrenden Audi zu kollidieren, heißt es später.

Der Audi schleudert gegen elf geparkte Autos – mindestens

Doch das Manöver misslingt. Es kommt in Höhe der Hausnummer 177 zur Kollision mit dem überholten Audi. Dieser drehte sich, schleuderte gegen mindestens elf geparkte Autos und ins Heck des vorausfahrenden Audi. Auch der BMW gerät ins Schleudern und kracht auf der Mittelinsel in einen Baum. Die Insassen des BMW werden dabei in ihrem Fahrzeug eingeklemmt.

Die Feuerwehr braucht eine Stunde und 20 Minuten, um den Fahrer und seinen 39 Jahre alten Beifahrer aus dem Wrack zu befreien. Beide Männer werden noch am Ort des Unfalls von Notärzten behandelt. Sie schweben in Lebensgefahr. Auch die beiden weiteren Insassen des BMW werden verletzt, einer von ihnen schwer.

Illegales Autorennen: Mutmaßlicher Verursacher hat Glück

Der mutmaßliche Widersacher des illegalen Autorennens hat Glück. Der 19-Jährige bleibt wie sein gleichaltriger Beifahrer unverletzt. Der Fahrer des vorderen Audi A6 wird bei dem schweren Unfall leicht verletzt.

Die Straße blieb während der Rettungs- und Aufräumarbeiten in der Nacht zum Sonntag komplett gesperrt. Ein Sachverständiger der DEKRA wurde zur Unfallrekonstruktion gerufen. Die Ermittler sehen es als weitgehend gesichert an, dass mindestens zwei der Fahrer sich ein Straßenrennen geliefert haben. Nach Abendblatt-Informationen wird aber geprüft, ob auch das dritte Fahrzeug von vornherein daran beteiligt war.

Das könnte Sie auch interessieren:

Kannten sich die Unfallfahrer?

Es sei nicht auszuschließen, dass sich die Fahrer aller Unfallautos untereinander kannten. Alle Beteiligten sollen rumänische Staatsangehörige sein. Der polizeiliche Unfalldienst hat die Ermittlungen zur Unfallursache übernommen. Die Führerscheine des 19 und des 22 Jahre alten Fahrers wurden beschlagnahmt, gegen die jungen Männer wurden Strafverfahren eingeleitet. Vor zwei Jahren hatte der Bundestag eine Gesetzesänderung beschlossen, seitdem gibt es hierfür einen eigenen Paragrafen im Strafgesetzbuch. Ein illegales Straßenrennen wird demnach mit bis zu zwei Jahren Gefängnis oder einer Geldstrafe geahndet.

Das Strafmaß erhöht sich auf bis zu fünf Jahre Haft, „wenn die Teilnehmer der Rennen Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährden“ (§ 315d StGB). Vor allem im Osten der Stadt kam es in den vergangenen Jahren wiederholt zu Straßenrennen – teilweise gehörten die Teilnehmer der Autoposer-Szene an.

Fahrer eines Mercedes AMG in Altona gestorben

Erst am Freitag war ein Mercedes-Fahrer bei einem schweren Verkehrsunfall auf der Stresemannstraße in Höhe Kaltenkircher Platz ums Leben gekommen. Der Fahrer des Mercedes S 63 AMG erlitt so schwere Verletzungen, dass er noch am Unfallort starb. Zur Bergung musste die Feuerwehr das Dach des zerstörten Wagens auftrennen, der Leichnam wurde ins Institut für Rechtsmedizin gebracht.

Derzeit wird als Auslöser für den Unfall in Altona-Nord eine plötzliche Erkrankung des Fahrers in Betracht gezogen – ähnlich wie bei einem Unfall, der sich kürzlich in Berlin ereignet hatte. Der Fahrer eines zweiten Pkw wurde leicht verletzt zur ambulanten Behandlung ins Krankenhaus gebracht. Eine Drehleiter der Feuerwehr musste Leuchten von den Masten abtrennen, um Gefahr durch herabstürzende Teile zu bannen.