Hamburg

Erfolgreiche Groß-Razzia gegen Schleuserbande in Hamburg

100 Beamte bei Durchsuchungen im Auftrag der Hamburger Staatsanwaltschaft – Haftbefehl vollstreckt. Die Hintergründe.

Hamburg. Groß-Razzia in Hamburg am Donnerstagvormittag: Wie die Bundespolizei Hannover mitteilte, vollstreckten rund 100 Beamte im Auftrag der Staatsanwaltschaft Hamburg einen Haftbefehl und fünf Durchsuchungsbeschlüsse. Die Maßnahmen richteten sich gegen eine deutsch-ghanaische Tätergruppe, die in bandenmäßiger Organisation Ausländer nach Deutschland eingeschleust und mit falschen Papieren versorgt haben soll.

Schleuser brachten Ghanaer nach Deutschland

Der Gruppe wird vorgeworfen, vornehmlich ghanaische Staatsangehörige mit dem Flugzeug von Ghana in die Bundesrepublik nach Hamburg eingeschleust zu haben. Sie benutzten dafür offenbar Echtdokumente von in Hamburg lebenden ghanaischen Personen, gefälschte Reisepässe sowie gestohlene Blankodokumente und Aufenthaltstitel. im Anschluss wurden die Personen mit einer neuen Identität ausgestattet, um anschließend illegal zu arbeiten. Die Beschuldigten verlangten dafür Schleuserlöhne von bis zu 9000 Euro.

Neben der gewerbsmäßigen Einschleusung von Ausländern nach Deutschland besteht der Verdacht gewerbsmäßiger Hehlerei, Urkundenfälschung, Verschaffung falscher amtlicher Ausweise und Ausweismissbrauch.

Groß-Razzia in Tonndorf und Horn

Der Einsatz begann um 6.00 Uhr und dauerte bis zum Mittag an. Im Fokus der Bundespolizei lagen Gebäude im Stadtteil Tonndorf. In diesen konnten die Beamten Laptops, Mobiltelefone, Unterlagen zur Visabeantragung, ein Aufenthaltstitel und verschiedene Identitätsdokumente sicher stellen. Außerdem wurde "Bargeld zur Sicherung der Einziehung" beschlagnahmt. Durch die Auswertung des Beweismaterials erhoffen sich die Ermittler neben der beweissicheren Strafverfolgung weitere Ansatzpunkte, um das Schleusernetzwerk weiter zu zerschlagen.

Der Haftbefehl konnte am Donnerstagvormittag bei einer Durchsuchung in der Hasencleverstraße in Horn vollstreckt werden. Der gesamte Einsatz wurde von der Bundespolizeiinspektion für Kriminalitätsbekämpfung durchgeführt und durch mehrere Einsatzzüge der Bundesbereitschaftspolizeiabteilung Ratzeburg unterstützt.

Bisherige Ermittlungen und Durchsuchungen

Hinweise auf die Schleusungsversuche beruhten auf Meldungen von in Afrika und der Golfregion eingesetzten Dokumenten- und Visa-Beratern der Bundespolizei. Daraufhin übernahm die Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung Hamburg die Ermittlungen und stellte fest, dass Schleusungen auf unterschiedlichen Routen auf dem Luftweg nach Hamburg erfolgten.

Zwischen August 2018 und April 2019 wurden im Zusammenhang mit dem Verfahren bereits drei Durchsuchungseinsätze durchgeführt. Bei diesen wurden sieben Durchsuchungsbeschlüsse und zwei Haftbefehle vollstreckt.

Der am Donnerstag festgenommene Hauptbeschuldigte tauchte bereits in den vorangegangenen Ermittlungen als Schleuser auf. Zunächst arbeitete er als "Pastor" in einer christlichen Glaubensgemeinschaft in Hamburg. Da sein Arbeitsvertrag nicht verlängert wurde, gründete der Beschuldigte eine neue religiöse Glaubensgemeinschaft mit Sitz in Hamburg. Diese Örtlichkeit diente voraussichtlich als Treffpunkt der Beschuldigten und Anlaufstelle für Auftraggeber.

Schleuser-Razzien in anderen Bundesländern

Am 12. September hatte eine Ermittlungsgruppe von Bundespolizei und Berliner Polizei bei einer Razzia gegen mutmaßliche Schleuser in Berlin, Brandenburg, Sachsen, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern 33 Häuser durchsucht. Die Berliner Staatsanwaltschaft wirft den Tatverdächtigen das Einschleusen von Ausländern vor. Sie sollen Scheinehen und fingierte Vaterschaftsanerkennungen arrangiert haben. In Bremen waren am 4. September 600 Polizisten an einem Großeinsatz gegen die Schleuserkriminalität beteiligt.