Straftäter auf der Flucht

Der Sprung in die Freiheit endet im Wespennest

Sehen angriffslustig aus – sind es im Zweifelsfall auch: Wespen.

Sehen angriffslustig aus – sind es im Zweifelsfall auch: Wespen.

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Auf der Flucht vor der Polizei hat ein 32-Jähriger nach den Blau-Silbernen auch noch die Gelb-Schwarzen gegen sich aufgebracht.

Oldenburg. Dass Polizisten darum bitten, ohne größeres Aufheben mitzukommen, das passiert nicht ohne Grund. Das wird nach seinen Erlebnissen am Montagmorgen auch ein 32-Jähriger Oldenburger bestätigen. Gegen 8 Uhr morgens bekam er Besuch von zwei Beamten, die ihn gern mitnehmen wollten – schließlich hat er noch eine elfmonatige Haftstrafe zu verbüßen.

Hätte er einfach eingelenkt, der Einsatz wäre schnell abgehakt gewesen. Die Justizvollzugsanstalt (JVA) liegt schließlich nur wenige Hundert Meter von der Wohnung des Mannes im Emma-Ritter-Weg entfernt. Doch der Delinquent hatte ganz eigene, mutmaßlich von Hollywoodfilmen beeinflusste Vorstellungen. Er türmte über das Balkongeländer und in die Tiefe. Aus dem ersten Stock nicht allzu verletzungsträchtig, wäre da nicht der Landeplatz: ein Wespennest.

Wespen verhindern Flucht – und verzögern Festnahme

Vom Einbruch (im Wortsinn) in ihr trautes Heim waren die wehrhaften Insekten nur wenig angetan und verfolgten den wild um sich schlagenden Mann auf die Straße – wo er erneut auf die Polizeibeamten traf, deren Laune inzwischen wahrscheinlich nur geringfügig besser war als die der Wespen.

Auch an dieser Stelle war der Einsatz noch nicht zu Ende, denn Wespen kennen den Unterschied zwischen Kriminellen und Ordnungshütern nicht. Nein, sie hassen alle gleichermaßen und stechen mit einem Höchstmaß an Ignoranz einfach jeden. Der eigentlich bereits fixierte Mann konnte sich erneut losreißen und türmte erneut, dieses Mal in erster Linie vor den Wespen. In einem nahen Vorgarten fand er ein Kinderplantschbecken und tauchte unter – erneut im Wortsinn.

Dort fanden ihn die Polizisten, konnten ihn nun auch tatsächlich festnehmen und in der JVA abliefern, wo seine Wespenstiche versorgt werden konnten. Die mit vorbildlicher Akkuratesse nachgezählten jeweils sechs Wespenstiche, die die Polizeibeamten erlitten, wurden ebenfalls ärztlich versorgt.