Hamburg

Lichterkette soll Großbrand in Seniorenheim ausgelöst haben

40 Bewohner der Anlage wurden bei dramatischem Einsatz gerettet. Feuerwehr spricht von "großartiger Leistung".

Hamburg. Der Großbrand in einer Seniorenwohnanlage in Eidelstedt ist gelöscht. Nachdem die letzten Glutnester am Freitagmorgen gegen 3.30 Uhr nach mehr als zehn Stunden gelöscht werden konnten, seien die Einsatzkräfte mit den Aufräumarbeiten beschäftigt, sagte ein Feuerwehrsprecher am Freitagmorgen.

Nach Abendblatt-Informationen entstand das Feuer wahrscheinlich an eine Lichterkette an einem Balkon im zweiten Stock des Seniorenheimes. Von dort breitete es sich in der Folge rasant bis zum Dach des Gebäudes aus. Hinweise auf eine vorsätzliche Brandstiftung wurden dagegen von den Experten der Polizei bislang nicht gefunden.

Das Feuer war am Donnerstagnachmittag gegen 16.20 Uhr in dem Altenheim am Halstenbeker Weg ausgebrochen. Mehrere Anrufer alarmierten die Feuerwehr Hamburg über den Notruf 112 und meldeten Feuer und Rauch im zweiten Stock der Seniorenwohnanlage. Sie gaben an, Verpuffungen zu hören. "Als die ersten Kräfte eintrafen, waren eine starke Rauchentwicklung und Flammen im Dachbereich sichtbar", sagte Feuerwehrsprecher Jan Ole Unger

Anwohner wurden vor Rauch gewarnt

Den Einsatzkräften gelang es, trotz des starken Rauches und eines Brandes, der sich stetig weiter ausbreitete, alle 40 Bewohner der Wohnanlage unverletzt aus dem Gebäudekomplex zu retten. Die Feuerwehr rückte mit mehr als 150 Einsatzkräften an. Die Brandursache ist weiterhin unklar.

Die Feuerwehr war auch noch am Abend mit einem Großaufgebot vor Ort, um das Feuer zu löschen. Zu diesem Zeitpunkt galt auch weiterhin eine Warnung an die Anwohner, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Der Warnbereich war aufgrund der starken Rauchentwicklung gegen 20 Uhr sogar noch einmal vergrößert worden.

Löscharbeiten dauerten die ganze Nacht

Feuerwehr-Sprecher Jan-Ole Unger: "Es handelt sich hier um eine großartige Rettungsleistung. Die Einsatzkräfte haben innerhalb von kürzester Zeit die zum großen Teil nur eingeschränkt mobilen oder bettlägrigen Patienten in Sicherheit zu bringen – unverletzt." In Zusammenarbeit mit den Angestellten der Wohnanlage habe man sich mehrfach versichert, dass tatsächlich alle Bewohner aus dem Gebäude gerettet wurden, zum Teil seien Wohnungen drei- oder viermal durchsucht worden, solange noch der Verdacht bestand, dass sich jemand darin aufhalten könnte.

"Aufgrund der brennenden Dämmung im Dach färbte sich der Brandrauch zeitweise rotbraun oder grünlichgelb", sagte Feuerwehrsprecher Unger am Freitag. "In der aufwendigen Dachkonstruktion fanden die Flammen reichlich Nahrung." Das Feuer habe sich auf der gesamten Fläche des vorderen Gebäudekomplexes ausgebreitet, der Rauch wurde durch den Wind über mehrere Stadtteile Hamburgs verteilt. "Spezielle Messfahrzeuge der Feuerwehr haben in Eimsbütteler Stadtteilen Messungen zur Brandrauchkonzentration durchgeführt", sagte Unger. Das Ergebnis: keine akute Gesundheitsgefährdung.

Feuerwehrsprecher: "Trümmer flogen umher"

Schwierigkeiten bereitete den Einsatzkräften, dass durch die enorme Hitze immer wieder Dachplatten explosionsartig aufplatzten. "Trümmer flogen umher", sagte Feuerwehrsprecher Unger. "Durch das 53-Meter-Teleskopmastfahrzeug wurde über der Brandstelle eine Wärmebildkamera zur Erkennung von Brandherden positioniert." Zudem kamen Drohnen der DLRG Hamburg und des Kampfmittelräumdienstes zum Einsatz – so konnte die Einsatzleitung Luftbild- und Videoaufnahmen zur Lagebeurteilung erhalten.

Auch Stunden nach der ersten Alarmierung war das Feuer noch nicht unter Kontrolle. Zunächst schien es, als habe die Ausbreitung des Brandes eingedämmt werden können, doch die Hoffnung bewahrheitete sich nicht.

Bezirksamt geht von "Totalverlust" aus

Ein Sprecher des Bezirksamtes Eimsbüttel sagte, nach der bisherigen Einschätzung aller Beteiligten sei das Gebäude nicht zu retten: "Die Hoffnung wäre lediglich noch, einen Teil erhalten zu können. Ansonsten ist eine vollständige Sanierung notwendig." Viele der Bewohner hätten die Nacht zunächst bei Angehörigen verbracht – eine noch nicht näher genannte Zahl an Senioren wurde zunächst in Krankenhäusern einquartiert.

Auch der Malteser Hilfsdienst und das Deutsche Roten Kreuz sind daran beteiligt, eine weitere Lösung zu finden. "Rechtlich liegt die Verantwortung zunächst beim Eigentümer", so der Sprecher des Bezirksamtes. "Aber wir helfen so gut, wie wir können".