Hamburg

Psychisch Kranker: Zweiter Todesfall nach Fixierung

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Polizeieinsatz in Hamburg (Archivbild)

Polizeieinsatz in Hamburg (Archivbild)

Foto: Michael Arning

Der Mann hatte eine Polizistin verletzt und wurde auf einer Wache fixiert. Nach seinem Tod ermittelt die Polizei auch intern.

Hamburg. Ein mutmaßlich psychisch kranker Mann, der nach einem Angriff auf eine junge Polizistin zwangsfixiert werden musste und in der Folge einen Herz- und Atemstillstand erlitt, ist am Montag im UKE verstorben. Wie es aus Polizeikreisen heißt, seien die Todesermittler angewiesen worden, eine Eilsektion durchzuführen. Zudem sei das Dezernat Interne Ermittlungen eingeschaltet worden.

Wie berichtet, hatte sich am vergangenen Montag (29. April) ein Mann aus einer Werkstatt bei der Polizei gemeldet: Sein unter psychischen Problemen leidender Neffe (27) attackiere einen Mitarbeiter mit Fäusten, so der Anrufer. Der Onkel lotste seinen Neffen sodann in ein Büro, wo er bis zum Eintreffen der Polizei verharrte. Plötzlich griff der Mann die herbeigeeilten Beamten mit einem Messer an – bis zu diesem Zeitpunkt war niemandem aufgefallen, dass er eines bei sich trug.

Offenbar versuchte er, einer 20-jährigen Polizeianwärterin die Kehle durchzuschneiden. Die junge Frau zog sich oberflächliche Schnittwunden am Hals zu und musste im Krankenhaus behandelt werden. Ein weiterer Polizist erlitt Prellungen im Gesicht beim Versuch, den Mann zu bändigen. Mit Hilfe des Onkels gelang es den Beamten schließlich, den 27-Jährigen festzuhalten und das Messer zu sichern.

Der fixierte Mann hatte sich zunächst beruhigt

Danach wurde er auf das Polizeikommissariat 17 gebracht und wegen seines aggressiven Auftretens fixiert. Der Mann soll sich dann zwar beruhigt haben, sodass die Polizisten die Fixierung lösten. Weil er beim Gang in eine Zelle jedoch erneut aggressiv geworden sein soll, musste er erneut gefesselt werden, so die Polizei. Kurz nach seinen „Widerstandhandlungen" soll er plötzlich einen Herz-und Atemstillstand erlitten haben.

Der 27-Jährige kam unter Reanimationsbedingungen ins UKE. Dort lag der Mann, der wegen diverser Gewaltdelikte bereits sieben Jahre in der geschlossenen Psychiatrie verbracht hatte, bis heute auf der Intensivstation.

Es war der zweite schwerwiegende Vorfall im Zusammenhang mit einer Zwangsfixierung innerhalb weniger Tage. Erst am Ostersonntag hatte ein 34-Jähriger einen Herzstillstand erlitten, nachdem er von Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes des UKE gewaltsam fixiert worden war. Der Mann starb mehrere Tage später. Die Linke fordert eine Sondersitzung des Gesundheitsausschusses am 10. Mai.

( dah/zv/ryb )

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