Schleuserbande

Razzia gegen angebliche Heiratsvermittler in Hamburg

Täter sollen Scheinehen im großen Stil vermittelt haben. Polizei durchsucht Räume in St. Georg, in der Schanze und auf Sylt.

Hamburg. An der Tür in St. Georg stehen blumige Namen, die an Hochzeiten auf der ganzen Welt erinnern. Doch wirkliche Ehen wurden in den schlichten Büroräumen an der Adenauerallee vermutlich eher nicht vermittelt. Mit mehreren Razzien ist die Bundespolizei am Mittwoch gegen angebliche Heiratsvermittler in Hamburg, auf Sylt und in Bremerhaven vorgegangen. Die Beschuldigten stehen im Verdacht, Scheinehen im großen Stil vermittelt zu haben, wie ein Sprecher der Bundespolizei dem Abendblatt sagte.

Insgesamt waren am Mittwoch rund 30 Beamte im Einsatz. In den Büroräumen in St. Georg stellten sie diverse Gegenstände wie Notebooks, Tablet-Computer und Telefone sicher. Zudem wurde in der Hansestadt auch noch eine Wohnung an der Juliusstraße im Schanzenviertel durchsucht.

Eheschließung auf dänischer Insel

Die Aktion stand im Zusammenhang mit einer noch deutlich größeren Aktion Mitte vergangenen Jahres. Damals gingen Bundespolizei und Hamburger Staatsanwaltschaft gegen insgesamt fünf Beschuldigte vor. Die Masche der Bande: Die Täter suchten in mehreren EU-Ländern nach Menschen, die ihren Wohnsitz in Deutschland hatten und dann zum Schein Menschen aus Asien heirateten. Dadurch konnten diese ein Aufenthaltsrecht bekommen.

Die Eheschließungen sollen überwiegend auf der dänischen Insel Ærø stattgefunden haben, weil das Heiraten dort für Ausländer offenbar leichter war. Es soll aber auch Eheschließungen in den USA gegeben haben, wobei in manchen Fällen keiner der Partner anwesend habe sein müssen. In den vergangenen zwei Jahren dürfte die Bande etwa 1000 Scheinehen vermittelt haben, hieß es es damals.

Gegen die Beschuldigten wird unter anderem wegen der gewerbsmäßigen Einschleusung von Ausländern, Urkundenfälschung und Bestechung von Amtsträgern ermittelt. Das Verfahren führt die Hamburger Staatsanwaltschaft.