Hamburg

Polizisten in Verdacht: Funkgeräte gestohlen und verkauft

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Christoph Heinemann
Auch aus der Davidwache auf St. Pauli wurden Funkgeräte entwendet.

Auch aus der Davidwache auf St. Pauli wurden Funkgeräte entwendet.

Foto: dpa / picture alliance

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen gewerbsmäßiger Hehlerei. Auch bekannter YouTuber und Journalist in Affäre verwickelt.

Hamburg. Es ist ein skurriler Fall um mutmaßlich kriminelle Polizisten: Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen gewerbsmäßigen Diebstahls und Hehlerei gegen sieben Beschuldigte, die offenbar neun Funkgeräte der Hamburger Polizei gestohlen und hochpreisig im Internet zum Verkauf angeboten haben. Nach Abendblatt-Recherchen weitet sich die Affäre bereits über die Stadtgrenzen aus: Auch ein Journalist aus Essen und ein bundesweit bekannter YouTube-Star gerieten in den Verdacht der Ermittler.

Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft bestätigte, sollen zwei Beamte die Handfunkgeräte zunächst während ihrer Arbeitzeit „aus mehreren Dienststellen“ entwendet haben. Nach Abendblatt-Informationen handelt es sich um zwei junge Polizeimeister aus der Bereitschafts- und der Wasserschutzpolizei. Auch aus der Davidwache auf St. Pauli wurden Funkgeräte gestohlen. Mehrere Komplizen der Beamten sollen demnach dafür zuständig gewesen sein, die Geräte letztlich gewinnbringend zu verkaufen.

Funkgeräte der Polizei für 1500 Euro bei „eBay Kleinanzeigen“ eingestellt

Bei der Internetplattform „eBay Kleinanzeigen“ tauchten in den vergangenen Wochen dazu mehrere Anzeigen auf. Die Geräte sind technisch grundsätzlich dazu geeignet, bundesweit den Polizeifunk verschiedenster Dienststellen zu verfolgen. „Ich biete ein Sepura Stp 8038 an hat mehrere Funktionen ;)“ heißt es etwa in eine der Annoncen.

Ein YouTuber mit rund 360.000 Abonnenten entdeckte in der Folge offenbar ein solches Angebot und stellte seinem Bekannten Markus G. aus Essen einen Kontakt her – dieser traf sich am vergangen Freitag an einer Privatadresse mit dem mutmaßlichen Hehler, ließ sich die Bedienung erklären und kaufte das Gerät für 1500 Euro. Er ahnte jedoch nicht, dass die Polizei offenbar den gesamten Kontakt mit dem Verkäufer überwacht hatte. Die Beamten stoppten Markus G. und seine Lebensgefährten an der Autobahnraststätte Hollenstedt, beschlagnahmten das Funkgerät und leiteten weitere Ermittlungen ein.

Durchsuchung bei YouTube-Star

Gleichzeitig wurden auch geschäftliche und private Räume des YouTubers durchsuchte, wie die „Neue Ruhr Zeitung“ zuerst berichtete. Hierbei soll es möglicherweise auch um weitere Geräte von dubioser Herkunft gegangen sein, die im Internet im zum Verkauf angeboten wurden.

Markus G., der als Journalist arbeitet, beteuerte gegen über der „Neue Ruhr Zeitung“ seine Unschuld: Er habe das Funkgerät gekauft, um anschaulich zu machen, wie leicht sich gestohlene und sensible Geräte erwerben lassen. In der Folge taten sich der Journalist und der YouTuber der Zeitung zufolge mit einem weiteren Fotografen zusammen, um einen anderen Hehler von gestohlenen Funkgeräten zu entlarven. Offenbar mit Erfolg: Die Polizei habe bei einem arrangierten Treffen den Mann festgenommen und entwendete Funkgeräte der Feuerwehr auf Sylt beschlagnahmt.

Beschuldigten kann bis zu zehn Jahre Haft drohen

Die Oberstaatsanwältin Nana Frombach sagte, sie könne aus Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen noch keine genaueren Angaben zu dem Fall machen. Es habe aber verschiedene Durchsuchungen gegeben, „die auch zum Auffinden von Beweismitteln geführt haben“. Im Falle einer Verurteilung drohe den Beschuldigten eine Freiheitsstrafe zwischen drei Monaten und zehn Jahren.

Wie es in Polizeikreisen heißt, werde der Beamte der Wasserschutzpolizei als Haupttäter angesehen. Der Mann wurde bereits suspendiert. Dies soll in Kürze jedoch mit seinem mutmaßlichen Komplizen geschehen. Das Dezernat Interne Ermittlungen (DIE) führt das Verfahren.

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