Katwarn ausgelöst

Fieser Geruch zog durch Hamburg – Ursache ermittelt

Mehr als 11.000 Anwohner erhielten eine Warnung per Katwarn. Die Feuerwehr rückte zu 110 Einsätzen aus. So funktioniert Katwarn.

Hamburg. Viele Hamburger hatten es gerochen: Am Dienstagabend zog ein beißender Gasgeruch von 19.30 Uhr für etwa drei Stunden durch die Hansestadt. Betroffen waren sämtliche Stadtteile vom Hafen bis zum Flughafen, zum Teil stank es auch in Norderstedt. 11.471 Anwohner erhielten eine Mitteilung des Katastrophenwarnsystems Katwarn auf ihr Handy. Am späten Abend gab die Feuerwehr Entwarnung: Der Geruch war nicht gesundheitsgefährdend – so wie auch während des gesamten Einsatzes vermutet.

Nachdem stundenlang nicht klar war, woher der Gestank kam, konnte die Feuerwehr die Quelle um 22.30 Uhr lokalisieren und weiteren Gasaustritt verhindern. Zuvor waren die Beamten zu 110 Einsätzen ausgerückt, um Messungen durchzuführen. Der Geruch stammte entgegen ersten Vermutungen nicht von der Firma ADM an der Nippoldstraße unterhalb der Köhlbrandbrücke, wie ein Polizeisprecher am Donnerstagmorgen sagte. ADM verarbeitet nach eigenen Angaben Sojabohnen und Raps zu Pflanzenöl und Futtermitteln.

Es sei eine erhöhte Konzentration von Hexan gemessen worden, die sich aber nicht im gesundheitsgefährdenden Bereich bewegt habe. Nun ermitteln die Wasserschutzpolizei sowie die Behörde für Umwelt und Energie, wie es dazu kommen konnte.

Gestank: Wetter war problematisch

Augenzeugen hatten berichtet, es rieche nach faulen Eiern. Anwohner wurden gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Zu Spitzenzeiten gingen bei der Feuerwehr rund 80 Anrufe pro Stunde von Betroffenen ein. Problematisch stellte sich die Wetterlage dar, weil die Luft schlecht abziehen konnte.

Ob Hochwasseralarm oder ein Großbrand in der Nachbarschaft, bei dem die Feuerwehr rät, Fenster und Türen geschlossen zu halten: Die Anwohner erfahren es sofort – über eine Handy-Applikation, also Anwendersoftware, kurz App.

So funktioniert Katwarn

Das vom Fraunhofer-Institut entwickelte System wurde in Hamburg im August 2011 vom damaligen Innensenator Michael Neumann (SPD) symbolisch in Betrieb genommen. Mit diesem System besteht die Möglichkeit, postleitzahlengenau zu informieren. Das Infosystem versendet bei Unglücksfällen Warnungen der Feuerwehr und dem zentralen Katastrophendienststab der Hamburger Innenbehörde, die Infos zur Gefahr enthalten (Sturmflut, Großbrand oder Gefahrengutunfall) sowie Verhaltensempfehlungen. Beispiel: "Sturmflut-Warnung der Innenbehörde, gültig ab sofort, für PLZ 20457, tiefliegende Außendeichgebiete verlassen."

Um eine Warnung zu bekommen, muss nicht nur die kostenfreie App auf dem Smartphone installiert sein, der Nutzer muss auch die Ortungsfunktion des Geräts einschalten oder, wenn er seinen aktuellen Standort nicht preisgeben möchte, virtuelle Stecknadeln auf einer Karte setzen. An diesen Orten wird er dann gewarnt. Katwarn gibt es für Smartphones im App-Store, Google Play oder bei Microsoft. Die App ist kostenfrei.