Prozessauftakt

Polizist auf Diebestour mit Zuhälter – Haft gefordert

Eine Spezialeinheit der Polizei hatte den Mann im Juli festgenommen.

Eine Spezialeinheit der Polizei hatte den Mann im Juli festgenommen.

Foto: Michael Arning

Der Angeklagte soll Hausdurchsuchungen vorgetäuscht und dabei 13.000 Euro gestohlen haben. Durch eine Unachtsamkeit flog er auf.

Hamburg. Der Durchsuchungsbeschluss sah echt aus, und die Männer, die systematisch die Wohnung kämmten, gerierten sich wie wirkliche Polizisten. Nur dass es sich bei der Aktion mitnichten um eine offizielle Hausdurchsuchung der Polizei handelte. Vielmehr hatten die Männer unter dem Anschein offizieller Ermittlungen ordentlich Kasse machen wollen. Nur einer von ihnen war tatsächlich Polizist – und offenbar in ein Dickicht aus kriminellen Handlungen verstrickt.

Vom Polizeidienst in den Knast: Diese Erfahrung hat Frank O. (Name geändert) bereits im Juli gemacht, als eine Bande aufflog, bei der der 31-Jährige kräftig mitgemischt haben soll. Seitdem sitzt der Verdächtige in Untersuchungshaft. Und eine Gefängnisstrafe ist auch das, was dem Hamburger droht.

In einem Prozess vor dem Landgericht, der am Dienstag gegen den ehemaligen Kriminalbeamten sowie vier Mitangeklagte begonnen hat, werden den Männern im Alter von 30 bis 34 Jahren unter anderem gewerbsmäßiger und bandenmäßiger Diebstahl sowie Urkundenfälschung vorgeworfen. Laut Anklage wurde Frank O., einem Mann mit raspelkurzem Haar und im blütenweißen Hemd, von seinen Mittätern monatlich 1500 Euro versprochen, wenn er mit ihnen gemeinsame Sache macht.

Verbrechern den "Polizeisprech" beigebracht

Vor den gefakten Hausdurchsuchungen habe er sie instruiert, wie der „Polizeisprech“ klingt. Ferner stattete er sie mit Polizeiutensilien aus. Die Komplizen des 31-Jährigen hätten Gegenstände dabei gehabt, die wie Pistolen aussahen, und Frank O. habe seine ungeladene Dienstwaffe mit sich geführt.

Bei einer Durchsuchung sollen die Männer etwa 12.900 Euro und drei Handys erlangt haben. Von der Beute habe Polizist Frank O. einen Anteil von 1600 Euro erhalten. Eine Durchsuchung scheiterte, weil die Bewohner nicht die Tür öffneten.

Ferner habe Frank O. Schmiere gestanden, während die Komplizen versuchten, Geldautomaten aufzuhebeln, so die Anklage weiter. Er habe in der Nähe in einem Dienstwagen Polizeifunk gehört und die Mittäter gewarnt, als es für sie brenzlich wurde. Des weiteren soll er zwei Komplizen geholfen haben, die im Auftrag eines Hintermannes einen Mann einschüchtern und gegebenenfalls verletzen sollten.

Polizist soll Strafanzeige gefälscht haben

Damit sie für ihren Auftraggeber einen Beleg hatten, dass sie dem Opfer zugesetzt hätten, habe Frank O. eine gefälschte Strafanzeige erstellt und ausgedruckt. Und letztlich soll der 31-Jährige einen Komplizen zu einer echten Hausdurchsuchung mitgenommen und ihn dort als angeblichen Auszubildenden vorgestellt haben. Diese Tat flog offenbar deshalb auf, weil die Männer auf dem Weg zu ihrem Einsatzort zu schnell fuhren und geblitzt wurden.

Vor dem Haftrichter hatte der ehemalige Kripobeamte die meisten Vorwürfe weitgehend eingeräumt. Aufgeflogen waren die Taten, weil die Hamburger, deren Wohnungen durchsucht worden waren, sich nach dem Diebstahl ihres Geldes über 110 bei der Polizei gemeldet hatten. Der vermeintliche Einsatz wurde daraufhin überprüft. Eine Handynummer führte letztlich zu dem Mobiltelefon von Frank O.

Staatsanwältin fordert viereinhalb Jahre Haft

Am ersten Verhandlungstag wurde zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung erörtert, welche Strafen herauskommen könnten, wenn die Angeklagten ein umfängliches Geständnis ablegen. Polizist Frank O. sollte nach Vorstellung der Staatsanwaltschaft nicht weniger als viereinhalb Jahre Freiheitsstrafe bekommen. Die Verteidigung strebt drei bis vier Jahre Haft an.

Das Gericht erklärte, es liege mit seiner Einschätzung eher bei der Verteidigung. Für die anderen Angeklagten stehen Strafen zwischen zwei und fünfeinhalb Jahren im Raum. Für Frank O. wäre in jedem Fall mit seiner Polizeilaufbahn Schluss: Bei einer Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr verlieren Staatsdiener automatisch ihren Beamtenstatus.