Prozess der Woche

Wie der Zoll einen Schmuggler mit fünf Kilo Opium stoppte

Ein Zollbeamter überprüf einen Fahrer eines Kleintransporters (Symbolfoto)

Ein Zollbeamter überprüf einen Fahrer eines Kleintransporters (Symbolfoto)

Foto: Daniel Maurer / picture alliance / dpa

Im Prozess der Woche geht es um einen Drogenkurier, der von Zollfahndern dabei erwischt wurde, wie er fünf Kilogramm Opium schmuggelte.

Neustadt.  Die Blicke von etwa einem Dutzend Menschen sind auf den einen Mann vor ihnen gerichtet. Eines der Augenpaare schwimmt dabei in Tränen, sehnsuchtsvoll und voller Mitgefühl ist die Frau für ihren Mann, wie er da sitzt, nur wenige Meter von ihr entfernt – aber doch praktisch unerreichbar, seit er wegen eines Drogendeliktes in Untersuchungshaft ist. Und dann sind die anderen, alles Herren in Grün, die den Mann aufmerksam mustern, interessiert, abschätzend. Einige dieser Mitarbeiter des Zolls haben daran mitgewirkt, den Mann vor ihnen dorthin zu bringen, wo er jetzt sitzt: auf der Anklagebank in einem Prozess vor dem Landgericht, angeklagt als Drogenkurier, der fast fünf Kilogramm Opium durch Deutschland schmuggeln wollte.

Doch Ajdin N. (Name geändert), ein Mann mit grau-meliertem Haar, Vollbart und konzentriertem Gesichtsausdruck, scheint die Leute, die ihn so aufmerksam beobachten, kaum zur Kenntnis zu nehmen. Der Blick des 55-Jährigen ist nach vorn zu den Richtern gewandt, die er davon überzeugen möchte, dass er sein Tun aufrichtig bereut. „Es stimmt, dass ich Drogen bei mir hatte“, lässt der Angeklagte durch seinen Verteidiger erklären. „Ich habe nicht sicher gewusst, was in den Paketen war. Aber ich habe mir gedacht, dass es Opium war, weil ich eine Probe bekam.“ Damit wiederholt er ein Geständnis, das er schon kurz nach seiner Festnahme abgelegt hatte. Zudem hatte er den Ermittlern Hintermänner benannt.

Einfuhr in „nicht geringer Menge“

Einfuhr von Betäubungsmitteln „in nicht geringer Menge“ wird Ajdin N. in dem Prozess vorgeworfen. Dabei soll er im Dezember vergangenen Jahres mit den exakt 4,997 Kilogramm Rauschgift die vom Gesetz festgeschriebenen „nicht geringe Menge“ um das 55-fache überschritten haben, als er mit seinem Wagen auf der Autobahn 1 Richtung Lübeck unterwegs war. Entdeckt wurde die illegale Fracht bei einer Kontrolle des Zolls auf der Autobahn, als sie das Fahrzeug des Verdächtigen gründlich durchsuchten und auch unterhalb der Rückbank nachschauten. Zudem hatte der Verdächtige laut Anklage ein Tütchen Opium griffbereit bei sich und schließlich wurde bei ihm ein Messer sichergestellt.

Ziel der Tour von Ajdin N. war laut Anklage Kopenhagen, wo die ursprünglich aus den Niederlanden stammenden Drogen verkauft werden sollten. Deshalb wird dem 55-Jährigen auch Beihilfe zum Handeltreiben vorgeworfen. Für den Transport hatte man Ajdin N. demnach 3000 Euro versprochen.

„verdachtsunabhängige Zollkontrollen“

Ihm sei es bei dem Geschäft nicht um den eigenen Profit gegangen, sagt der 55-Jährige. „Eigentlich hatte ich den Lohn für eine kranke Verwandte haben wollen.“ Nur deshalb habe er sich auf den Deal eingelassen. Eine Nichte von ihm habe dringend operiert werden müssen. Der Kurierlohn sei ihm zwar versprochen worden, doch tatsächlich habe er kein Geld bekommen, betont der Angeklagte. Sogar das Benzingeld für die Tour musste er demnach selbst bezahlen. Auch für das Messer, das er bei sich trug, hat Ajdin N. eine Erklärung. Er habe es immer bei sich in seiner Jacke. Und als er die bei der Durchsuchung gegen die Kälte anzog, habe es den Fahndern sogar selbst ausgehändigt.

Dass die geplante Drogen-Fahrt nach Kopenhagen auf der A 1 durch den Zoll beendet wurde, ist kein Einzelfall. Die Strecke ist wegen der Vogelfluglinie nach Fehmarn offenbar bei Schmugglern beliebt. Es habe aber keine konkreten Hinweise und auch keinen Tipp gegeben, dass zu der Zeit der Kurier unterwegs sei, versichert ein Zollmitarbeiter als Zeuge. Vielmehr handele es sich um „verdachtsunabhängige Zollkontrollen“. Dabei gingen sie „nach einem bestimmten Muster“ vor, erzählt der Zeuge. Doch welches das genau ist, wird nicht verraten. Berufsgeheimnis.

Fast fünf Kilogramm Opium seien „wirklich kein Pappenstiel“, betont der Vorsitzende Richter in der Urteilsverkündung. „Das gehört zur Schwerkriminalität.“ Zwei Jahre und zehn Monate Haft verhängt die Kammer für den Drogenkurier. Die Staatsanwaltschaft hatte dreieinhalb Jahre Freiheitsstrafe gefordert, die Verteidigung auf eine Bewährungsstrafe plädiert.

Zugunsten von Ajdin N. wird unter anderem gewertet, dass er sofort die Hintermänner nannte und so zur Aufklärung beigetragen hat. Opium sei jedenfalls keine weiche Droge, so der Richter, sondern habe mittleres Suchtpotenzial. Und keine Bewährungsstrafe mehr auszusprechen, sei das richtige Signal, stellt der Vorsitzende klar. „Unsere Aufgabe ist es, dass das hiesige Gesetz von allen respektiert und angewendet wird, die den Boden unseres Landes betreten.“