Sommerhitze

Unwetter im Norden: Hagelkörner zerschlagen Autoscheiben

| Lesedauer: 5 Minuten

Nach der Hitze zogen schwere Gewitter über Hamburg und Niedersachsen. In Hannover fielen golfballgroße Hagelbälle vom Himmel und richteten großen Schaden an. Eine Windhose entwurzelte Bäume.

Hannover/Hamburg/Elmshorn/Berlin. Eine Gewitterfront hat den Feuerwehren in Schleswig-Holstein mindestens 100 Einsätze beschert. Am heftigsten traf es am Sonnabend den Kreis Dithmarschen, wie die Regionalleitstelle in Elmshorn am Sonntag mitteilte. Straßen und Keller standen unter Wasser, Bäume stürzten auf die Fahrbahn. Menschen wurden nach Feuerwehrangaben nicht verletzt.

Auch über Hamburg zog am Sonnabendnachmittag ein Gewitter hinweg. Dort blieb es bei unter 20 Einsätzen der Feuerwehr, wie ein Sprecher mitteilte. Die meisten der Einsätze fanden im nordwestlichen Stadtgebiet statt.

Golfballgroße Hagelbälle

Bei einem schweren Gewitter mit Starkregen im Raum Hannover regnete es am Sonnabendnachmittag auch golfballgroße Hagelbälle. Dabei wurden nach Augenzeugenberichten mehrere Autos stark beschädigt und teils sogar die Scheiben eingeschlagen.

Bei einem Unwetter im Raum Cloppenburg sind zahlreiche Bäume entwurzelt worden. Nach Angaben eines Polizeisprechers der Leitstelle in Oldenburg sei eine Windhose in der Nähe der Kreisstadt durchgezogen. Personenschäden seien zunächst nicht bekannt gewesen. Auch in den Regionen Oldenburg und Osnabrück regnete es kurz aber kräftig mit starken Böen.

Rekordwerte in Deutschland

Ventilator auf höchster Stufe, Köpfer ins Schwimmbecken und bloß keine Anstrengung – Deutschland ächzt unter der sengenden Hitze. Wetterkundler erwarteten das womöglich heißeste Wochenende des Jahres mit Temperaturen bis zu 40 Grad.

HITZEREKORD? Bundesweit kletterten die Temperaturen auf Werte über 30 Grad. Im Osten wurden laut Deutschem Wetterdienst (DWD) am Sonnabend und vor allem Sonntag Werte über 35 Grad erwartet. „Hitzesieger“ könnten die Regionen an der Oder und Ostbayern werden. Dort werden am Sonntag eventuell sogar 40 Grad erreicht, wie es hieß. Bayerischer Spitzenreiter war am Sonnabend der mittelfränkische Ort Möhrendorf mit 37,2 Grad. Ob die Hitzewelle auch Rekorde brechen würde, war noch unklar. „Es geht zumindest nah dran, möglicherweise vor allem im Osten Deutschlands“, sagte eine DWD-Meteorologin. Sachsen-Anhalt erlebte mit 34 Grad in Halle seinen bislang heißesten Tag des Jahres.

HÖCHSTWERTE: Als Höchstwert seit Beginn der Messungen gibt der Wetterdienst 40,2 Grad an – gemessen im Juli 1983 in Gärmersdorf in der bayerischen Oberpfalz sowie im August 2003 in Karlsruhe und Freiburg in Baden-Württemberg. Der private Wetterdienst Meteomedia will im August 2003 im saarländischen Perl-Nennig sogar 40,3 Grad gemessen haben. Eines scheint gesichert: Der Juli 2013 wird nach Schätzungen der Meteorologen als einer der zehn wärmsten in Deutschland in die Geschichte eingehen.

UNWETTER: Den Himmel sollten wegen erwarteter Unwetter vor allem Badende gut im Blick behalten. „Da wird es ganz schön zur Sache gehen“, sagte die Meteorologin. In Nordrhein-Westfalen blitzte und donnerte es bereits am Sonnabendmittag wie zuvor in Belgien. Vielerorts ging heftiger Platzregen nieder – in Aachen etwa wurden Straßen überschwemmt. In Niedersachsen regnete es kurz und kräftig, mit starken Böen. Im französischen Nantes wurde einem Medienbericht zufolge ein Postbote vom Blitz getroffen.

HAGEL: Bereits am Freitag hatte es den Enzkreis in Baden-Württemberg heftig getroffen. Hagelkörner in der Größe von Golfbällen verbeulten Autos und beschädigten Häuser. „Es sieht aus wie im Winter, alles weiß“, berichtete die „Pforzheimer Zeitung“. Am Sonnabend fielen zwischen Münster und Bielefeld in Nordrhein-Westfalen bis zu fünf Zentimeter große Hagelkörner.

STROMAUSFALL: In der Nacht zu Sonnabend waren im Eichsfeld in Thüringen Dutzende Hausdächer beschädigt worden – zeitweise fiel auch der Strom aus. In Westfrankreich war in der gleichen Nacht die Stromversorgung von 160.000 Haushalten unterbrochen. In einem Ort bei Bordeaux fiel ein Glockenturm auf ein Haus – die Bewohnerin wurde schwer verletzt.

GESUNDHEIT: Krankenhäuser behandeln immer mehr Patienten, die wegen der Hitze Kreislaufprobleme bekommen. Die Uniklinik Tübingen etwa stockte für ihre Patienten die Mineralwasser-Vorräte auf. Mineralwasser-Produzenten wie der Bad Dürrheimer Mineralbrunnen in Baden-Württemberg fahren seit Tagen Extra-Schichten.

TRINKWASSER: Ärzte mahnten, 1,5 bis 2,5 Liter Wasser pro Tag zu trinken – wer sich körperlich betätigt oder in der prallen Sonne ist, brauche noch mehr Flüssigkeit. Und gerade jetzt müssen Hunderte Bewohner von Andechs bei München ihr Trinkwasser abkochen – denn in einem Brunnen waren Bakterien entdeckt worden.

HAUSTIERE: Auch Tiere ächzen unter der Hitze: Mehr als doppelt so viele Einsätze wie üblich verzeichnete etwa die „Tierrettung München“.

Nach einem erneut heißen Sonntag ist laut DWD erst am Montag leichte Entspannung in Sicht – bei weiterhin hochsommerlichen Temperaturen. „Auch am Montag gibt es noch verbreitet Unwetter, die große Hitze macht jedoch erst einmal eine Pause“, sagte die DWD-Meteorologin. Spätestens zur Wochenmitte kletterten die Temperaturen aber wieder in die Höhe.

( (Mit Material von dpa) )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Blaulicht