Kreis Segeberg

Dreijähriger stirbt in Wäschetrockner: Obduktion

Geklärt werden soll, ob Franz aus dem schleswig-holsteinischen Kayhude beim Spielen mit seinem Zwillingsbruder ums Leben kam.

Bad Segeberg/Kayhude. Nach dem tragischen Tod eines drei Jahre alten Jungen aus Kayhude in Schleswig-Holstein sind die genauen Umstände weiter unklar. Polizei und Staatsanwaltschaft stehen angesichts der Familientragödie im Kreis Segeberg noch immer vor einem Rätsel. Dort war am Freitag der dreieinhalbjährige Franz in einem Wäschetrockner ums Leben gekommen. Eine Obduktion solle die genaue Todesursache klären, teilte die Kieler Staatsanwaltschaft am Montag mit.

Der Vater hatte den kleinen Franz am Freitagabend leblos im Wäschetrockner im Hauswirtschaftsraum der Doppelhaushälfte gefunden, die die Familie bewohnt. Als seine Wiederbelebungsversuche scheiterten, rief er den Notarzt, der nur noch den Tod des Jungen feststellen konnte. Zu Spekulationen, wonach der Junge beim Spielen mit seinem Zwillingsbruder in den Trockner geklettert sei und der Bruder das Gerät eingeschaltet habe, machten die Ermittler am Montag keine Angaben. Der Wäschetrockner und das Wohnhaus der Familie wurden für die weiteren Untersuchungen beschlagnahmt.

Zu Details des Unglücks hatte sich die Polizei am Sonntag schon nicht äußern wollen. "Die Ermittlungen laufen noch", sagte eine Sprecherin. Unklar ist bislang, ob der Vater Martin B., 42, der zum Zeitpunkt des Unglücks allein mit den Kindern im Haus war, seine Aufsichtspflicht verletzt hat. Als die Mutter nach Hause kam, erlitt sie einen Schock. Was vor Eingang des Notrufs passierte, ist ebenso ungeklärt.

Sicher ist: Die vor 18 Jahren gebaute Doppelhaushälfte macht einen eher chaotischen Eindruck. Die Küche ist voller Essensreste, der Fußboden verdreckt, Mengen an Plastik-Kinderspielzeug und für Kinder gefährliche Batterien liegen auf dem Boden verteilt. Seit zehn Jahren soll der Vater mit der russischstämmigen Mutter Natascha, 40, verheiratet sein. Sie arbeitet als Apothekerin, er ist dem Vernehmen nach bereits im Vorruhestand.

Nun ist Franz, der zurückhaltendere der beiden blauäugigen Zwillinge, gestorben. Sehr verschieden waren die zweieiigen Zwillinge im Auftreten.

Der noch lebende Paul ist blond und schlagkräftig. Franz war brünett, eher schüchtern, trug eine Brille. Im Januar wäre er vier Jahre alt geworden. Nach Angaben von Nachbarn lebte die Familie eher zurückgezogen.

Der Vater wurde von seinem Schwager vor Ort mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Nähere Hintergründe wurden nicht bekannt. Der Trockner wurde noch in der Nacht sichergestellt, der lebende Junge dem Jugendamt übergeben. Die Eltern wurden von einem Kriseninterventionsteam betreut und in zwei Rettungswagen ins Krankenhaus Rickling gebracht.

Seit Sonnabendmorgen gedenken Nachbarn, Freunde und Bekannte mit Fotos, Kerzen und Spielzeugen vor der Tür des Doppelhauses des getöteten Jungen. Die Haustür ist versiegelt. Die direkten Nachbarn im Doppelhaus wollten sich nicht äußern.

Wo die Eltern bis zum Abschluss der Hausuntersuchung durch die Kriminalpolizei bleiben und wie lange Paul von ihnen getrennt wird, ist offen.

Mit Material von dpa