Nach Entführung in Barmbek

Polizei holt Telefonzelle aus der Wohnung

Foto: Michael Arning

Das Motiv des Geiselnehmers von Barmbek ist weiter unklar. Der 30-Jährige hortete massive Holzbalken zum Barrikadenbau.

Hamburg. Am Dienstagnachmittag 16.05 Uhr gaben die Sprengstoffexperten Entwarnung: Die neun Feuerlöscher, die in der Wohnung des mutmaßlichen Geiselnehmers Thomas F. entdeckt und an denen Spuren einer selbst hergestellten hochexplosiven Substanz gefunden worden waren, sind nicht mit Sprengstoff gefüllt. "Im Keller lagerten weitere 104 Feuerlöscher, die jedoch leer sind", sagt Polizeisprecher Mirko Streiber. Bis 22 Uhr am Montagabend waren die Einsatzkräfte damit beschäftigt gewesen, die verdächtigen Feuerlöscher mit einem Spezialfahrzeug zur Entschärfungsanlage der Sprengstoffexperten nach Altengamme zu transportieren. Zuvor mussten neun Häuserblocks evakuiert werden.

Auch am Dienstag stellte die Polizei weitere Spuren in der Wohnung an der Wachtelstraße 53a sicher. Unter anderem wurde eine alte gelbe, schalldichte Telefonzelle mithilfe eines Krans abtransportiert. In der Zelle wollte Thomas F. die 26-jährige Israelin, die er seit Mai flüchtig kannte und am Freitagabend mit Waffengewalt in seine Hochparterre-Wohnung verschleppt hatte, offenbar gefangen halten. Die mit Stacheldraht versperrten Fenster und größere Lebensmittelvorräte ließen zudem auf Pläne für eine längere Gefangenschaft schließen. Ebenso wie die rund 30 etwa zwei Meter langen, massiven Holzbalken, die die Polizei sicherstellte.

"Die Größe der Balken deutet darauf hin, dass der Tatverdächtige damit Fenster und Türen verbarrikadieren wollte", sagt Mirko Streiber. Allein habe Thomas F. die schweren Stämme sicher nicht in seine Wohnung tragen können. "Ob er möglicherweise einen Helfer hatte oder er sich die Balken hat anliefern lassen, muss nun geklärt werden." Zudem ist nach wie vor unklar, woher die Waffe und die Handgranate, die der 30-Jährige mit selbst gemischtem Sprengstoff präpariert hatte, stammen. Thomas F., der in Untersuchungshaft sitzt, schweigt nach wie vor zu den Tatvorwürfen.