Hamburg

Polizeieinsatz: Showdown im Pokerzimmer

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Bei einem Bandenkonflikt unter Armeniern in einem Sport-Center in Lohbrügge wurde ein 39-Jähriger lebensgefährlich verletzt

Lohbrügge. Das Projektil durchschlug den Rücken des 39-Jährigen und trat am Bauch wieder aus. Ein glatter Durchschuss, bei dem mehrere Venen und Arterien verletzt wurden. Der aus Armenien stammende Mann, der im nordrhein-westfälischen Gütersloh gemeldet ist, drohte zu verbluten, konnte nur durch eine Not-OP im Unfallkrankenhaus Boberg gerettet werden. Erst am frühen gestrigen Vormittag gaben die Ärzte Entwarnung: Der Zustand des Mannes ist wieder stabil. Allerdings konnte der Patient bislang nicht von den Ermittlern der Mordkommission befragt werden, die sich fieberhaft mühen, Licht ins Dunkel der Nacht zum Mittwoch zu bringen.

Getroffen wurde der 39-Jährige von einer Kugel, die ein Landsmann auf dem Parkplatz vor dem Dima Sport-Center am Havighorster Weg auf ihn abfeuerte, glaubt die Polizei. Mindestens 17 Männer hatten sich am Abend vor dem bekannten Lohbrügger Sportstudio getroffen - fast alle sollen aus Armenien stammen. "Nach ersten Ermittlungen war eine Aussprache zwischen zwei Gruppierungen geplant", erklärte Polizeisprecherin Ulrike Sweden. Worum es dabei gehen sollte, ist noch völlig unbekannt.

Die Oberhäupter beider Gruppen versammeln sich kurz vor 20.30 Uhr in einem der fünf Internet-Zimmer des Sport-Centers. Hier wird sonst offensichtlich gepokert - mitten im Raum steht ein passender Tisch mit Filzbezug. Die Entourage überwacht das Geschehen von den Wagen aus. Doch die Aussprache platzt. Wie ein Augenzeuge, ein in dem Studio trainierender Amateurboxer, später berichtet, kommt es erst zu einem lautstarken Streit, dann fliegen die Fäuste. Die im Freien Wartenden stürmen daraufhin das Pokerzimmer. Als ein Mann im Durcheinander eine Neun-Millimeter-Pistole zieht, fliehen die Männer durchs Fenster auf den Parklatz. Dort fällt wenig später ein Schuss.

In dem kleinen Zimmer sieht es danach beinahe aus wie auf einem Schlachtfeld. Stühle liegen kreuz und quer, ein Computermonitor wurde umgeworfen.

Wie Mitglieder des Sport-Centers später berichten, flüchten die Männer in fünf dunklen Wagen, mindestens einer mit Ratzeburger Kennzeichen (RZ). Den 39-Jährigen lassen sie blutend zurück. Er schleppt sich zum Haupteingang des Sport-Centers, hinter der Rezeption bricht er zusammen. Auf der Suche nach dem Täter löst die Polizei in der Nacht eine Großfahndung aus, errichtet Straßensperren. Doch von den Tätern fehlt bislang jede Spur.

Die Polizei hat die Aufzeichnungen aus den Überwachungskameras des Sport-Centers gesichert, hofft zudem darauf, den 39-Jährigen bald vernehmen zu können und so die Hintergründe der Auseinandersetzung aufhellen zu können. Hinzu kommt, dass eine der beiden beteiligten Gruppen in Lohbrügge nicht unbekannt ist. Wie Burkhard Pilgrim, der Geschäftsführer des Dima Sport-Centers, dem Abendblatt erklärte, waren einige der beteiligten Männer regelmäßig in der Anlage zu Gast, die Gruppe habe auf dem Gelände sogar einmal gegrillt, erklärte der 54-Jährige.

Die Sportanlage an der Landesgrenze zu Schleswig-Holstein, die neben dem Fitness- und Kampfsporttraining auch Tennishallen und Indoor-Fußballfelder hat, gehört dem bekannten Sportpromoter Waldemar Kluch. Nachdem die Anlage 1996 sogar im Rahmen einer ATP-Tour Tennisstars nach Lohbrügge gelockt hatte, ging Kluch später in die Insolvenz, kaufte das Sport-Center 2006 aber zurück.

Hinweise von Zeugen erbittet die Polizei unter Tel. 428 65 67 89.