Amtsgericht Hamburg

Angeklagter soll Prostituierte auf Ex-Kollegen angesetzt haben

Hendrik H. soll eine Frau angestiftet haben, den Rechtsanwalt Dr. Horst G. zu verführen. Pikante Videos als Druckmittel verschickt.

Hamburg. Sie nannte sich Frau Sukulova. Die junge Frau mit dem russischen Akzent hatte um ein Treffen im Ibis-Hotel gebeten. Sie sei eine Geschäftsfrau und benötige rechtlichen Beistand. Der Treffpunkt, der spontane Termin, das viele Wissen um ihn - all das habe nicht seinen Argwohn geweckt, sagt der 56 Jahre alt Rechtsanwalt.

Dass sich Frau Sukulova, so erzählt es Dr. Horst G., plötzlich auf seinen Schoß setzte und ihn küsste, habe ihn schon irritiert. "Es hat einige Sekunden gedauert, bis die Ratio das Adrenalin unter Kontrolle hatte", sagt der Anwalt. Doch der jähe Gefühlsausbruch war nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft geheuchelt und diente nur dem eine Zweck, Horst G. zu erpressen.

Dr. Horst G. ist ein Mann mit Stil. Er trägt einen schicken Nadelstreifenanzug und einen Seidenschal. Er ist als Zeuge geladen. Angeklagt vor dem Amtsgericht ist sein ehemaliger Geschäftspartner, der mutmaßliche Erpresser. Hendrik H. soll Frau Sukulova, die in Wirklichkeit Olga H. heißt und als Prostituierte arbeitete, nach Angaben der Staatsanwaltschaft auf ihn angesetzt haben. Sie sollte den Anwalt verführen. Auch nach der "Kussattacke" habe Frau Sukulova den Kontakt nicht abgebrochen, sagt Horst G. Einem zweiten Treffen in einem Restaurant habe er zugestimmt, weil er noch immer davon ausgegangen sei, dass sie seine Mandantin werden wollte. Zwar habe sie sich dabei "exzellent benommen". Die Geschäftsfrau habe er ihr jedoch nicht mehr abgenommen.

Am 11. Juni 2008 soll Hendrik H. ihm eine anonyme E-Mail geschickt haben: Wenn er von ihm eingeleitete Zwangsvollstreckungsmaßnahmen nicht rückgängig mache, hieß es darin, würden Bilder und Videos von dem Treffen seiner Ehefrau zugespielt werden. Eine Kostprobe gab es gratis dazu: Die Nachricht verwies auf ein Video bei YouTube, das ihn beim Betreten des Hotels mit der Dame zeigte.

Horst G. erstattete prompt Anzeige. Kurios: Olga H. arbeitete und lebte in einer Lokstedter Wohnung, die damals Horst G. und dem Angeklagten gehörte. Doch der Anwalt bestreitet, sie vor dem ersten Treffen gekannt zu haben. Dem widerspricht Bernadetta P., 28, die mit Olga H. eine WG teilte. "Er war öfter zu Besuch und hatte zu ihr innigen Kontakt", sagt die Zeugin.

Horst G. hatte mit dem Angeklagten in Immobilien investiert, bevor die Partnerschaft 2007 in die Brüche ging. Seitdem überziehe er ihn mit Klagen, sagt H. Er vermute, dass sich sein ehemaliger Kompagnon die Geschichte ausgedacht habe. "Er lässt nichts aus, um mir das Leben schwer zu machen." Der Prozess wird fortgesetzt.