Travemünde

Polizei klärt nach vier Jahren Überfall auf Geldtransporter auf

Der Fahrer des Transporters hat den Überfall im Oktober 2006 inszeniert, berichtet die Polizei. Er sitzt bereits seit Monaten in U-Haft.

Lübeck. Die Polizei hat einen knapp vier Jahre zurückliegenden Überfall auf einen Geldtransport der Deutschen Bahn in Travemünde aufgeklärt. Der zur Tatzeit 33-jährige Fahrer des Transportes habe den Überfall im Oktober 2006 gemeinsam mit zwei Bekannten inszeniert, berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag in Lübeck.

Auf die Spur der mutmaßlichen Täter war die Polizei durch eine DNA-Spur gekommen, die einer der Männer am Tatort hinterlassen hatte. Der Fahrer des Geldtransporters sitzt als Hauptverdächtiger bereits seit vier Monaten in Untersuchungshaft, die beiden anderen Tatverdächtigen, zwei zur Tatzeit 35 und 28 Jahre alte Männer aus Hamburg, befinden sich auf freiem Fuß.

Am Nachmittag des 16. Oktobers 2006 überfielen zwei maskierte und bewaffnete Räuber den Fahrer eines Geldtransporters und seine Kollegin, als sie eine Geldkassette aus dem Fahrkartenautomaten aus dem Travemünder Bahnhof heraustrugen. Die Geldboten mussten sich auf den Boden ihres Fahrzeuges legen und wurden mit Klebeband gefesselt und geknebelt. Die Räuber verschwanden mit insgesamt 28 gefüllten Geldkassetten mit insgesamt 160 000 Euro.

Obwohl vieles auf Insiderwissen hindeutete, tappte die Polizei lange im Dunkeln. Auch eine Fahndung in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ brachte keine heiße Spur. Erst im Dezember 2009 half ein Zufall weiter. Eine an einem Hamburger Tatort gesicherte DNA-Spur war mit der Spur identisch, die an den Fesseln des Travemünder Raubes gesichert worden war. „Dann fügte sich ein Mosaiksteinchen zum anderen“, sagte Polizeipressesprecher Frank Doblinski. Der „Spurenleger“ gestand, die Tat mit seinem Freund, dem Werttransportfahrer, gemeinsam geplant zu haben. Damit der „Überfall“ möglichst echt aussehen sollte, hatte er einen 28 Jahre alten Bekannten angeheuert, der sein Auto als Fluchtfahrzeug zur Verfügung stellte.

„Anders als verabredet weihte der Geldtransportfahrer seine Kollegin aber nicht in den Tatplan ein. Die 23-Jährige glaubt an einen echten Überfall und erlitt einen entsprechenden Schock“, sagte Doblinski. Vermutlich habe der Fahrer als Drahtzieher seine Beute nicht mit ihr teilen wollen. Um nicht durch ungewöhnliche Kontobewegungen Verdacht zu erregen, übergab er seine Beute seinem Bekannten, der das Geld bei sich im Keller versteckte und in kleinen Summen auszahlte.

Gegen den Fahrer, der eine Tatbeteiligung abstreitet, wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft wegen Verdachts des schweren Raubes, gegen die beiden anderen Männer wegen schweren Diebstahls ermittelt. Sie seien davon ausgegangen, dass auch die Beifahrerin in den Plan eingeweiht gewesen sei, hieß es zur Begründung.