Hamburg-St. Georg

Wegen 50 Cent Kellner niedergestochen

Die Spirale dreht sich weiter: Auch ein Lkw-Fahrer wurde wegen eines Parkplatz-Streits mit Messern attackiert.

Hamburg. Nur wenige Tage nachdem bekannt wurde, dass die Gewalt auf Hamburgs Straßen in den vergangenen vier Jahren um mehr als 70 Prozent gestiegen ist, untermauern zwei neue und überaus erschreckende Fälle den Kriminalitätstrend. Zwei Fälle, die für die scheinbar alltäglich gewordene Gewaltbereitschaft stehen und denen beinahe nichtige Anlässe vorausgingen.

Während in einem Lokal an der bekannten Langen Reihe in St. Georg ein 23-Jähriger mit Messerstichen verletzt wird, weil er zwei junge Männer nicht ohne Entgelt auf die Restauranttoilette lassen will, kommt es an einem Autohof in Rothenburgsort wegen eines Parkplatzes zu einem blutigen Streit. Nach den beiden möglicherweise noch minderjährigen Tätern aus dem ersten Fall wird derzeit noch gefahndet. Die Messerstecher (42, 44) vom Autohof konnten hingegen festgenommen werden.

50 Cent forderte der 23 Jahre alte Angestellte des Restaurants Cafe Praia de Vagueira von den beiden klein gewachsenen, etwa 17 bis 21 Jahre alten Heranwachsenden am Montagnachmittag gegen 16 Uhr für einen Toilettengang. Die beiden wollten aber nicht zahlen, es kam zum lautstarken Streit. Unvermittelt griffen die beiden Männer Marco C. an. Einer warf ihm einen Zuckerstreuer ins Gesicht, der andere zog ein Messer und rammte es ihm in die Schulter. Dann rannten sie in Richtung Danziger Straße davon. Der junge Angestellte blieb mit einer Schnittverletzung an der Stirn und einer etwa acht Zentimeter langen und bis zur Muskulatur reichenden Stichverletzung an der linken Schulter zurück. Die Sofortfahndung nach dem 19 bis 23 Jahre alten Nordafrikaner und dem 17 bis 21 Jahre alten Osteuropäer blieb ohne Erfolg.

Die Messerstecher von Rothenburgsort hingegen konnten bereits gefasst werden. Das Vorgehen der beiden mehr als 20 Jahre älteren Männer ist ebenso unverständlich wie der Angriff auf den Kellner: Die 42 und 44 Jahre alten Iraner hatten einen Trucker (31) und seinen Beifahrer (29) mit einem Messer und Baseballschläger verletzt.

Kurz vor 18 Uhr hatte der Lastwagenfahrer am Bullenhuser Damm an einem Autohandel gehalten, woraufhin der 44-jährige Händler auf die Straße trat und den Trucker aufforderte, sich woanders hinzustellen. Als der sich weigerte, kam der Iraner mit zwei weiteren Männern zurück - mit Messern und Keulen in den Händen. Als die Polizei am Bullenhuser Damm erschien, lag der 29-Jährige bewusstlos mit einer Wunde am Hinterkopf auf der Straße, der Trucker hatte blutende Wunden an Kopf und Arm. Der Kriminaldauerdienst ermittelt.

Die Gewalt auf Hamburgs Straßen nimmt stetig zu. Die Zahl der gefährlichen oder schweren Körperverletzungen auf Straßen, Wegen und Plätzen stieg nach Berechnungen des SPD-Innenexperten Andreas Dressel in den vergangenen vier Jahren um 70 Prozent. Habe die Polizei 2005 noch 2473 Fälle von Straßengewalt registriert, seien es 2009 bereits 4212 gewesen, erklärte der SPD-Politiker unter Hinweis auf eine Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage. Schwerpunkt sei der Kiez im Stadtteil St. Pauli gewesen. Dort wurden 22 Prozent der Straftaten verübt.

Mehr Straßengewalt verzeichnete die Polizei zudem in den Stadtteilen Altona, Eimsbüttel und Bergedorf. Knapp die Hälfte der 3118 ermittelten Tatverdächtigen seien Kinder, Jugendliche oder Heranwachsende gewesen.

So fahndet die Polizei derzeit nach vier jungen Schlägern, die einen 27-Jährigen in Lokstedt in der Nacht zu Sonntag überfallen und schwer verletzt hatten. Erst am Wochenende vor zwei Wochen fanden Passanten einen 19-Jährigen mit schweren Bauchverletzungen in Allermöhe. Er war Opfer eines Raubüberfalls geworden.

Am gleichen Wochenende waren mehrere junge Polen und Deutschrussen vor einem Tanzlokal in Harburg nach einem Streit auf der Tanzfläche aufeinander losgegangen. Zurück blieben ein mit einem Messerstich in die Lunge lebensgefährlich verletzter 17-Jähriger und ein am Oberarm verletzter 19-Jähriger. Anfang März endete ein Trinkgelage in einer Messerstecherei. Nach einem verbalen Streit stach ein betrunkener 56-Jähriger auf einen Kneipenkumpel (46) ein.