Wieder Anschlag in Hamburg

Sechs Schüsse auf Hamburger Polizeistation - Fenster kaputt

Das Projektil war von der Baererstraße aus abgefeuert worden. Hier fanden die Ermittler auf dem Gehweg insgesamt sechs Patronenhülsen.

Hamburg. Sechs Schüsse peitschten durch die Luft. Eines der Neun-Millimeter-Geschosse durchschlug ein Doppelfenster im vierten Stock der Polizeistation, fünf weitere trafen die Fassade des fünfstöckigen Dienstgebäudes an der Wilstorfer Straße in Harburg. Dort haben die Wasserschutzpolizei und die für jugendliche Intensivtäter zuständige Zentraldirektion ZD66 ihren Sitz. Wann und vor allem von wem die Schüsse abgegeben wurden, ist noch völlig unklar. Nur wenige Dutzend Meter vom Polizeigebäude entfernt, auf dem Bürgersteig und der Fahrbahn der Baererstraße, fanden die Beamten später sechs Patronenhülsen, die vermutlich zu den Geschossen passen.

Die Polizei vermutet, dass die Schüsse in der Silvesternacht abgegeben worden sind. Denn keiner der Anwohner will in den vergangenen Tagen schussähnliche Geräusche ausgemacht haben, wie die Befragungen in den vergangenen Tagen ergeben haben - außer eben an Silvester. Entdeckt worden war der Anschlag erst am Montag dieser Woche, als die Beamten ihren Dienst im neuen Jahr wieder aufnahmen. Wasserschutzpolizisten bemerkten das knapp vier Zentimeter große Einschussloch in den Doppelfenstern ihres Besprechungsraumes. Das Projektil war, nachdem es die Fenster durchschlagen hatte, in die Decke eingedrungen und von der Betonschicht abgeprallt. Es landete schließlich völlig deformiert auf dem Teppich.

Daraufhin wurde die Umgebung der Dienststelle abgesucht, wobei die Patronen gefunden wurden, und die Fassade des Hauses mit einem stark vergrößernden Spezialfernglas abgesucht. Kurz darauf entdeckte man die fünf Einschusslöcher im zweiten Stock, die den Putz weggesprengt hatten. Ein Grund, warum die Täter gerade dorthin zielten, sei nicht erkennbar, sagte Polizeisprecherin Karina Sadowsky. Verletzt wurde durch die Schüsse zum Glück niemand. In dem Gebäude arbeiten normalerweise knapp 120 Beamte. Zwischen den Feiertagen war es aber nur sporadisch besetzt, wie die Polizei mitteilte. Die Ermittlungsbehörden gehen derzeit nicht von einer politisch motivierten Tat aus.

Vielmehr ermitteln sie jetzt wegen vorsätzlicher Sachbeschädigung und wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz. Die Kriminalpolizei führt die Ermittlungen. "Uns ist bislang kein ähnlicher Fall bekannt, dass ein Dienstgebäude der Polizei in Hamburg mit scharfer Munition beschossen wurde", sagte Sadowsky. Hinweise von Zeugen erbittet die Polizei unter der Telefonnummer 428 65 67 89.