Brandanschlag in Hamburg

Anschlag auf die Bahn - Waren es Atomkraftgegner?

Die Polizei sieht Parallelen zwischen den Anschlägen in Hamburg und Berlin. Die Gruppe "Bewegte Autonome" hat sich schriftlich bekannt.

Die Serie politischer Anschläge geht offenbar weiter. Unbekannte haben in der Nacht zum Montag sechs Kleintransporter der Deutschen Bahn auf deren Betriebsgelände an der Harkortstraße (Altona-Nord) angezündet. Die Tat steht offenbar in Zusammenhang mit einem ähnlichen, zur gleichen Zeit verübten Brandanschlag auf die Bahn in Berlin. Erst vorige Woche hatten Autonome in Hamburg mit immer neuen Anschlägen gedroht.

Um 2.40 Uhr riefen Anwohner der Harkortstraße Feuerwehr und Polizei an, berichteten von brennenden Autos. Es handelte sich um zwei Mercedes, zwei VW, einen Opel und einen Ford, die von Bahn-Handwerkern genutzt werden. Auch das Gebäude der Bahn, in dem die Kommunikationstechniker untergebracht sind, wurde beschädigt. Durch die Hitze des Feuers platzten 14 Scheiben. Den Tätern gelang die Flucht trotz Großfahndung der Polizei. Diese sucht nun Zeugen. Hinweise bitte unter Telefon 428 65 67 89. Zeitgleich gingen auch bei der Berliner Polizei Notrufe ein. Auf dem Bahngelände am Nöldnerplatz im Bezirk Lichtenberg brannten fünf Mercedes Sprinter. Auf dem Gelände befindet sich unter anderem ein Wartungszentrum für die ICE-Flotte. Auch diese Täter sind flüchtig.

In beiden Fällen geht die Polizei von politisch motivierten Anschlägen aus. Deshalb ermitteln auch die Staatschutzabteilungen. Ganz offensichtlich gibt es Parallelen zwischen den Anschlägen in Hamburg und Berlin. "Wir prüfen, ob es einen Zusammenhang gibt", heißt es bislang noch vorsichtig bei der Polizei. Unterdessen ist allerdings ein Bekennerschreiben einer Gruppe, die sich "Bewegte Autonome" nennt, in Berlin aufgetaucht. Unter der Überschrift "Profiteure angreifen - jederzeit an jedem Ort" schreiben die Verfasser, dass sie "bundesweit Unternehmen angegriffen haben, die von der Entwicklung und Unterstützung der Atomtechnologie profitieren". Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei hat es in Deutschland keine weiteren vergleichbaren Anschläge in dieser Nacht gegeben. Die Bekenner werfen der Bahn vor, "Castor"-Transporte zu organisieren und kritisieren die Bundesregierung für die Entscheidung, Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke zu verlängern.

In der vergangenen Woche hatten Unbekannte Anschläge auf das Haus des RWE-Managers und ehemaligen Umweltsenators Fritz Vahrenholt sowie auf den Mercedes des Werbers Jean-Remy von Matt, dessen Unternehmen Werbung für den Energiekonzern macht, verübt. Wie berichtet, hatten die Bekenner einen Tag später mit weiteren Taten gedroht.