Hamburg-Eppendorf

Horror-Unfall: Günter Amendt und Dietmar Mues tot

| Lesedauer: 5 Minuten
Vanessa Seifert und Denis Fengler

Bei dem Unfall am Eppendorfer Baum starben vier Menschen. Unter den Opfern sind mehrere Hamburger Persönlichkeiten.

Hamburg. Unter den Opfern des tragischen Verkehrsunfalls im Hamburger Stadtteil Eppendorf, bei dem am Sonnabendnachmittag vier Menschen getötet und acht weitere verletzt wurden, sind auch mehrere Hamburger Persönlichkeiten: Unter den Toten ist der bekannte 65 Jahre alte Theater- und Fernsehschauspieler Dietmar Mues, ebenso seine Ehefrau - die Lehrerin - Sibylle Mues (60). Sie standen in der Gruppe von Passanten, in die ein Fiat Punto nach dem Unfall auf der Kreuzung Eppendorfer Landstraße und Eppendorfer Baum geschleudert wurde.

Dietmar Mues ist vor allem aus dem NDR-Fernsehen bekannt, er spielte unter anderem in der Serie "Großstadtrevier", war aber auch auf den Bühnen der Hamburger Kammerspiele und des Winterhuder Fährhauses präsent. Das Ehepaar hinterlässt drei Söhne.

Getötet wurde auch Aufklärer Günter Amendt (71), er zählte zu den bekanntesten Soziologen Deutschlands. Er wurde unter dem Fiat Punto erdrückt. Amendts gelbe Aufklärungsfibel „Sexfront“ war in den 70er-Jahren unter linken Studenten so verbreitet wie Maos rotes Büchlein.

Der gebürtige Frankfurter, der an der Geschwister-Scholl-Straße in Eppendorf wohnte, war einst ein Schüler Theodor W. Adornos und promovierte 1973 an der Universität Gießen über „Das Sexualverhalten Jugendlicher in der Drogensubkultur“. Rauschmittel und ihre Begleitumstände – das war in den vergangenen 30 Jahren das zentrale Thema des Wissenschaftlers, der sich früh zu seiner Homosexualität bekannt hatte. Es scheint wie schicksalhaft, dass Amendt nun ausgerechnet bei einem Unfall ums Leben kam, den mutmaßlich ein Autofahrer unter Drogeneinfluss verursacht hat.

Amendt, dessen Zwillingsbruder Gerhard bis 2003 an der Universität Bremen lehrte, begleitete einst Bob Dylan auf Tour und galt seither auch als großer Kenner dessen Werks.

Ebenfalls unter den Toten: Die 65 Jahre alte Hamburger Bildhauerin Angela Kurrer. Sie verstarb wenige Minuten nach dem Unfall an der Unglücksstelle. Kurrer ist die Stiefmutter des bekannten Schauspielers Dominic Raacke, der als Berliner "Tatort"-Kommissar deutschlandweit bekannt wurde.

Verletzt wurden der Schauspieler Peter Striebeck (72) und dessen Frau Ulla Striebeck (68). Sie saßen in dem Golf Cabrio, das der 38 Jahre alte Unfallfahrer Alexander S., ein Immobilienkaufmann aus Hamburg-Lokstedt, auf der Kreuzung gerammt hatte. Beide kamen mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus. Striebeck ist aus verschiedenen Tatort-Folgen bekannt und ist Vizepräsident der "Freien Akademie der Künste" in Hamburg.

Lesen Sie dazu auch den Abendblatt-Bericht vom Sonntagmorgen:

Horror-Unfall: Fahrer stand unter Drogeneinfluss

Der schwere Verkehrsunfall in Hamburg-Eppendorf hat ein viertes Todesopfer gefordert: Eine Frau (60) erlag in der Nacht zum Sonntag im Krankenhaus ihren Verletzungen. Das gab die Polizei am Morgen bekannt. Die Fußgängerin war zunächst noch am Unfallort reanimiert worden, doch ihre zahlreichen Verletzungen waren zu schwer.

Inzwischen wurde bekannt: Der 38 Jahre alte Unfallverursacher stand offenbar unter dem Einfluss von Marihuana. Ein Drogenschnelltest bei der Polizei hatte am Abend ein positives Ergebnis gebracht.

Der Verlauf des Unfalls stellt sich nach Polizeiangaben inzwischen so dar: Der 38-Jährige fuhr um 16.44 Uhr mit seinem Fiat Punto auf der Eppendorfer Landstraße in Richtung Lehmweg. Mit überhöhter Geschwindigkeit raste der Mann bei Rotlicht in den Kreuzungsbereich Eppendorfer Landstraße/Eppendorfer Baum und kollidierte dort mit einem VW-Golf Cabriolet, das vom Eppendorfer Baum in Richtung Lenhartzstraße unterwegs war.

Durch den Aufprall geriet der Fiat Punto ins Schleudern, überschlug sich mehrfach und erfasste an der Fußgängerampel Eppendorfer Baum/Lehmweg vor der Bäckerei "Backwerk" die Gruppe wartender Fußgänger.

Ein 71 Jahre alter Mann war sofort tot - er wurde unter dem Wrack erdrückt. Ein Mann und eine Frau (beide 65 Jahre) starben trotz Reanimierung durch herbei geeilte Ersthelfer und Notärzte wenig später an der Unfallstelle. Acht weitere Menschen wurden verletzt.

Der 38-jährige Unfallverursacher erlitt laut Polizei leichte Verletzungen. Auch die beiden Insassen des Autos, mit dem er auf der Kreuzung kollidierte – eine 68-jährige Frau und ein 72-jähriger Mann -, wurden leicht verletzt. Ein Sachverständiger begann noch am Sonnabendabend die Unfallstelle zu untersuchen. Dieser wird auch in den kommenden Tagen Aussagen zur Geschwindigkeit der beteiligten Autos machen können.

Die Ampelkreuzung in Hamburg-Eppendorf war nach den Unfall mehrere Stunden lang gesperrt. Polizei und Feuerwehr waren mit zahlreichen Kräften vor Ort: Insgesamt waren vier Notärzte, 70 Feuerwehrleute, 19 Streifenwagenbesatzungen, zahlreiche Rettungswagen, fünf Notfallseelsorger sowie sieben Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams (KIT), der Polizeihubschrauber sowie der Großraumrettungswagen der Feuerwehr im Einsatz.

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