Gesuchter Schweizer Neonazi in Harburg festgenommen

Polizei fahndete europaweit. Suchte der Mann hier Unterschlupf?

Hamburg. Der Schweizer Sebastien N., ein bekennender Neonazi mit einem tätowiertem Porträt von Adolf Hitler auf der Brust, ist von Beamten der Bundespolizeiinspektion Hamburg am Bahnhof Harburg festgenommen worden. Die Polizei hatte international nach dem 24-Jährigen, der in der Nacht zum Sonnabend in Zürich einen 26-Jährigen durch einen Schuss in die Brust schwer verletzt hatte, gefahndet.

Gegen 3.10 Uhr gestern Morgen identifizierten Bundespolizisten den Gesuchten am Bahnhof Harburg, wo er aus einem ICE gestiegen war. "Er konnte widerstandslos festgenommen werden", sagte Rüdiger Carstens, Sprecher der Bundespolizei. Im Rucksack des 24-Jährigen fanden die Beamten, die mit 40 Einsatzkräften vor Ort waren, eine Schusswaffe. Vermutlich handelt es sich dabei um die Tatwaffe, mit der Sebastien N. auf den 26-Jährigen geschossen hat.

"Das Motiv und die Hintergründe der Tat sind noch unklar", sagte Esther Surber, Sprecherin der Kantonspolizei Zürich, gestern dem Abendblatt. Ebenso müsse nun ermittelt werden, warum der Mann aus dem Solothurnischen Grenchen nach Hamburg fuhr und bei wem er hier möglicherweise Unterschlupf finden wollte. Hat Sebastien N. Freunde in der Hansestadt? Kennt er hier andere Neonazis? Wollte er vielleicht Kontakt zu einem Mitglied der rechtsextremistischen Gruppe "Weiße Wölfe Terrorcrew" aufnehmen? "Wir wissen, dass er in der Schweiz in Neonazi-Kreisen verkehrt hat", sagte Surber. Ob das immer noch so sei, könne sie allerdings nicht sagen.

Fest steht, dass der 24-Jährige kein Unbekannter bei der Polizei ist. Diverse Schweizer Medien berichten, dass der angeblich alkoholkranke N. dieses Jahr zu 39 Monaten Haft verurteilt worden war. Dem Mann mit den kurzen blonden Haaren, der die Neonazi-Szene vor Gericht als seine Familie bezeichnet haben soll, wurden mehr als 40 Delikte vorgeworfen. Dazu gehören unter anderem Körperverletzung, Drohung und Beschimpfung sowie Verstoß gegen das Waffengesetz. Einen Albaner soll er zum Beispiel mit einem Schlagring angegriffen haben. Zudem wurde er wegen Rassendiskriminierung angezeigt, da er in der Öffentlichkeit den Hitlergruß gezeigt und Propagandaparolen geschrien haben soll.

Sebastien N. kam gestern in Hamburg in Haft. Die Generalstaatsanwaltschaft hat unterdessen einen vorläufigen Auslieferungshaftbefehl beim Oberlandesgericht beantragt.