Polizei Hamburg

Niendorfer Prügelopfer weiter in akuter Lebensgefahr

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Der 40-Jährige prallte nach Faustschlägen mit dem Kopf auf Steinboden. Die Täter sind flüchtig. Überwachungsaufnahmen werden ausgewertet.

Hamburg. Ein erneuter Gewaltausbruch auf einem Hamburger Bahnhof hält die Mordkommission der Polizei in Atem. Die Beamten suchen derzeit nach zwei 20 bis 30 Jahre alten Männern, die einen 40-Jährigen auf dem U-Bahnhof Niendorf-Markt angegriffen und lebensgefährlich verletzt zurückgelassen hatten.

Nach einer brutalen Faust-Attacke auf einem Hamburger U-Bahnhof schwebt ein 40-Jähriger weiter in Lebensgefahr. „Dem Opfer geht es außerordentlich schlecht“, sagte eine Polizeisprecherin am Montag. Zwei Unbekannte hatten den Mann in der Nacht zum Sonntag an der Station Niendorf-Markt nach einem Wortgefecht niedergeschlagen. Worum es bei dem Streit ging, blieb auch am Montag unklar. „Es waren wohl Banalitäten“, berichtete die Sprecherin. „Und vermutlich war auch Alkohol im Spiel.“ Das Opfer war ohne Halt auf den Rücken gestürzt und mit dem Kopf ungebremst auf die Steinplatten des Bahnsteigs geschlagen. Der Schädel von Matt R. brach mehrfach am Hinterkopf.

Wie die Videokameras des Bahnhofs auf die Sekunde genau dokumentieren, hatten der etwa 20 bis 30 Jahre alte Südländer und der knapp 30 Jahre alte Norddeutsche mit seinem markanten Haarschnitt - der Oberkopf kahl, die Seiten behaart - die Freundin des späteren Opfers wenige Minuten vor Mitternacht angesprochen.

Zusammen mit Matt R. wartete die ebenfalls 40 Jahre alte Frau auf einer der Holzbänke sitzend auf die nächste U-Bahn. Was die beiden zu der Frau sagten, die derzeit von einem Kriseninterventionsteam betreut wird, ist noch nicht bekannt. Sicher ist nur, dass die Frau wütend antwortete, daraufhin ein verbaler Streit entbrennt.

+++ SO KRIMINELL IST IHR STADTTEIL +++

Matt R. will seine Freundin schützen, springt von der Bank auf, geht auf die beiden pöbelnden Männer zu. Beide Seiten schubsen. "Nach einem kurzen Handgemenge griffen die Täter den 40-Jährigen mit Schlägen und Tritten an", berichtet Polizeisprecher Ralf Meyer am Tag nach der Tat.

Fußtritte treffen die Schienbeine von Matt R., Fäuste sein Gesicht. Einer der Schläge wirkt wie ein Knock-out. Matt R. bricht zusammen, schlägt auf dem Boden auf, bleibt regungslos liegen. Die Täter flüchten panisch.

Die Freundin des Opfers, die bei der Auseinandersetzung leicht verletzt wird, als sie in das Handgemenge eingreifen will, eilt ihrem Freund zu Hilfe, ruft die Feuerwehr. Matt R. wird intubiert und beatmet, kommt ins Krankenhaus.

Die beiden Schläger können trotz der Sofortfahndung mit mehreren Streifenwagen entkommen. Dennoch ist die Polizei überzeugt, ihnen schnell auf die Spur zu kommen. Die Bilder aus den Überwachungskameras, die beide Männer zeigen, seien von sehr guter Qualität, hieß es gestern aus Polizeikreisen.

Zunächst werde, wie rechtlich vorgegeben, mit den Videoabzügen "polizeiintern gefahndet", sagte Polizeisprecher Meyer. Wie in anderen Fällen auch, könnte ein Richter aber in den nächsten Tagen entscheiden, dass die Bilder zur Öffentlichkeitsfahndung in den Medien freigegeben werden. Dies hatte bereits mehrfach zu schnellen Ermittlungserfolgen geführt.

Der Fall vom Sonnabend ist nur einer in der langen Reihe gewalttätiger Übergriffe im öffentlichen Nahverkehr, nach denen in den vergangenen Wochen immer wieder die Sicherheit in Bus und Bahn diskutiert wurde.

Erst am vergangenen Mittwoch hatte ein 26 Jahre alter Afghane einen 33-jährigen Inder nach einem Streit mit einem 14 Zentimeter langen Messer in einem HVV-Bus in Steilshoop niedergestochen. Mitte Mai hatte der 16 Jahre alte Elias A. am Bahnhof Jungfernstieg den 19-jährigen Mel D. mit einem Messerstich tödlich verletzt.

Gegen die beiden Gesuchten vom Bahnhof Niendorf-Markt wird jetzt wegen gemeinschaftlich begangener gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Während der Südländer eine kakifarbene Hose und gleichfarbige Jacke trug, war der Mann mit dem auffälligen Haarschnitt zur Tatzeit mit einer blauen Jeanshose bekleidet. Hinweise von Zeugen erbittet die Polizei unter Telefon 428 65 67 89.