Neujahrsempfang

Hamburger Klönschnack feiert – auch ohne Christine Lambrecht

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Alexandra von Rehlingen (l.), Justus Frantz und Katja Suding beim Neujahrsempfang des „Klönschnack“-Magazins im Grand Elysée.

Alexandra von Rehlingen (l.), Justus Frantz und Katja Suding beim Neujahrsempfang des „Klönschnack“-Magazins im Grand Elysée.

Foto: Roland Magunia / HA

Ministerin sagt als Rednerin bei Traditionsveranstaltung ab, die diesmal nicht in den Elbvororten stattfand. Wer stattdessen kam.

Hamburg. Was für ein Abend – alles verkehrt, so schien es zumindest auf den ersten Blick: fein gemachte Blankeneser, die nach Rotherbaum strömen, Norbert Röttgen (CDU), der die Krawatte des Ersten Bürgermeisters Tschentscher (SPD) überschwänglichst lobt, ein perfekt imitierter Udo Lindenberg auf der Bühne der „Blockhütte“, mit Schlapphut und Stinkefinger.

Beim diesjährigen „Klönschnack“-Neujahrsempfang im Hotel Grand Elysée an der Rothenbaumchaussee war die Stimmung am Freitagabend heiter, spürbar gelöst, wie auch eine der Neujahrsrednerinnen, Anna von Treuenfels-Frowein (FDP), bei ihrem gefühlten Heimspiel der Atmosphäre attestierte.

„Hamburger Klönschnack“-Neujahrsempfang: Christine Lambrecht sagt Auftritt ab

Nicht eintauchen in die 950 Gäste hingegen konnte Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD). Aufgrund eines „wichtigen Termins“, so ließ ihre Entourage verlauten, müsse sie leider ihren Besuch und den damit verbundenen Auftritt als eine der Rednerinnen absagen. Am Abend gab es Spekulationen über ihren Rücktritt.

Doch fast alle anderen der geladenen Persönlichkeiten kamen am Freitagabend auf Einladung von Klaus Schümann, Herausgeber und Chefredakteur des „Hamburger Klönschnacks“, in den Festsaal des Hotels. „Ich bin richtig froh, heute hier zu sein, auch noch aus der Provinz“, witzelte Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP), „für mich ist dieses Fest heute der Beginn der Feierlichkeiten in diesem Jahr, denn bis vor zwei Tagen war ich mit meiner Frau in unserer Wohnung auf Mallorca.“

Tschentscher erklärt Röttgen ungeschriebenes „Klönschnack“-Gesetz

Von weiter her kam auch Röttgen, der Rheinländer, was Tschentscher in seiner Ansprache nicht zu betonen müde wurde. Frotzelnd rief er zu seinem Kollegen, mit dem er bei einer „Anne Will“-TV-Sendung aufgrund unterschiedlicher Meinungen aneinandergeraten war: „Ich verstehe es als Selbstverständlichkeit, hier meiner Fürsorgepflicht als Bürgermeister der Stadt nachzukommen und zu erklären, welche Rahmenbedingungen es hier gibt.“

Das wichtigste ungeschriebene Gesetz beim „Karneval auf hanseatisch“, wie er den Klönschnack-Neujahrsempfang beschrieb, sei übrigens, dass niemand etwas Negatives über den Ersten Bürgermeister sagen dürfe.

Für seine launige, frei gehaltene Ansprache bekam er donnernden Applaus. Ebenso wie Jörg Knör – der Künstler imitierte Udo Lindenberg, Karl Lauterbach und Helmut Schmidt bravourös.

„Klönschnack“-Herausgeber Schümann findet mahnende Worte

Unter den Zuhörern waren Honorarkonsuln, Politiker, Wirtschaftsgrößen, Medienmacher und Kulturschaffende. Darunter etwa Thomas Collien, Dirigent Justus Frantz, Alexandra Kamp, Marietta Westphal, Judith Fuchs-Eckhoff sowie Theaterintendant Michael Lang. Durchs Publikum flanierte fröhlich das Unternehmer-Ehepaar Undine und Harald Baum, eigens aus Blankenese gekommen. „Wir warten aktuell übrigens auf die Ankunft unseres achten Enkelkindes“, sagte die stolze Oma.

Auch Röttgen wollte an diesem Wochenende zu gern „in Familie machen“ und seinen Sohn besuchen. Der 25-Jährige arbeitet aktuell nämlich als Assistenzarzt in Hamburg. „Doch er sagte mir: ,Papa, heute habe ich Bereitschaftsdienst, und wir feiern auf der Station ein Neujahrsfest – zu beidem passt du nicht so richtig, bleib doch bitte lieber im Hotel’“, erzählte der Politiker. Ein wahrer „Liebesbeweis“ von ihm sei es jedoch, meinte er an Tschentscher gewandt, dass er der Stadt Hamburg „seinen Erstgeborenen lasse“.

Herausgeber Klaus Schümann fand in seiner Rede neben den Informationen zu Goldbarren- und Karibikreise-Gewinnen, Tombola-Erlösen und Loskauf fast schon mahnende Worte an die Hamburger: „Meine Damen und Herren, wir müssen raus aus der negativen Grundhaltung – auch wenn es schwerfällt.“

Dann zitierte er Truman Capote: „Der Jammer mit der Menschheit ist, dass die Klugen feige, die Tapferen dumm und die Fähigen ungeduldig sind. Das Ideal wäre der tapfere Kluge mit der nötigen Geduld.“ Darüber konnte dann sinniert werden, beispielsweise während des Genusses von asiatischem Rübchen-Salat mit Sesam-Sojasprossen oder Lachstatar mit Kresse.

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