Die Hamburg-Kolumne

Viele starke Frauen – und ein Wohnzimmerkonzert fürs Herz

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Helga-Stödter-Preis der Handelskammer Hamburg: Lena Roder, Julia Becker, Norbert Aust, Barbara Hatzer, Ulrike von Sobbe und Claudia Güsken (v. l.) setzen sich für Frauen in Führung ein.

Helga-Stödter-Preis der Handelskammer Hamburg: Lena Roder, Julia Becker, Norbert Aust, Barbara Hatzer, Ulrike von Sobbe und Claudia Güsken (v. l.) setzen sich für Frauen in Führung ein.

Foto: Andreas Laible / FUNKE Foto Services

Anekdoten aus der Gesellschaft, Rück- und Ausblicke auf Veranstaltungen – alles über die wichtigsten Köpfe der Stadt.

Männer waren bei der Verleihung des Helga-Stödter-Preises der Handelskammer für Mixed Leadership am Donnerstagabend Mangelware. Nur eine Handvoll mischte sich unter die 55 weiblichen Gäste. Schade, denn vor allem Entscheider haben etwas verpasst. Sie hätten eine Hamburger Elite weiblicher Führungskräfte wie Hochbahn-Vorständin Claudia Güsken, Beiersdorf-Aufsichtsrätin Prof. Manuela Rousseau, Jessika Brendel (Chefredakteurin Food und Neuentwicklungen bei Funke) und „Tagesspiegel“-Geschäftsführerin Ulrike Teschke treffen können und zudem erfahren, „wie es geht, alte Rollenbilder zu vergessen und einen Wandel in den Köpfen anzustoßen“, wie Ulrike von Sobbe sagte.

Die stellvertretende Vorsitzende der Helga-Stödter-Stiftung zeichnete gemeinsam Prof. Norbert Aust und Astrid Nissen-Schmidt von der Handelskammer drei Hamburger Unternehmen aus, die sich für Frauen in Führungspositionen einsetzen. Preisgekrönt wurden ThoughtWorks Deutschland (mit 50 Prozent Frauen in Top-Positionen führend im Feld), Accenture und die Hochbahn. Letztere hat seit drei Jahren mit Nicola Byok sogar eine Diversity-Managerin, die sagte, man bräuchte für ihren Job „viel Humor und die Fähigkeit, über unsichtbare Hindernisse zu springen“.

In ihrer Festrede sagte Verlegerin Julia Becker (Funke Mediengruppe, zu der auch das Abendblatt gehört), dass es in der Medienbranche zu wenig Chefredakteurinnen gebe: „Es sollten künftig mehr Frauen über die Inhalte der Zeitungen bestimmen. Damit könnten wir mehr Leserinnen gewinnen.“ Becker kritisierte zudem, dass die sozialen Medien Geschlechterklischees nicht nur verbreiten, sondern manifestieren würden.

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Am Freitag gastierte das Internationale Opernstudio der Staatsoper im KörberForum und gab dort das Abschlusskonzert seines Meisterkurses mit dem dänischen Bariton-Star Bo Skovhus. Die acht jungen Gesangsprofis aus aller Welt holen sich an der Staatsoper den letzten Schliff – und nutzen die Gelegenheit, sich in der gerade begonnenen Opernsaison einem ausgewählten Publikum zu präsentieren.

Als langjährige Partner des Opernstudios hatten die Körber-Stiftung und die Opernstiftung, die 2020 ihr 60-jähriges Bestehen feiert, einen exklusiven Kreis aus Förderern und Mäzenen eingeladen. Unter den Gästen: Else, Dieter und Teresa Schnabel, Claus Heinemann mit seiner Ehefrau, die Komponistin Gloria Bruni, Reeder Hermann Ebel mit Ehefrau Milena sowie Jürgen Abraham mit Nicole Unger. Körber-Stiftungs-Vorstandschef Lothar Dittmer, Berthold Brinkmann von der Opernstiftung und Opernintendant Georges Delnon begrüßten die Gäste.

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Außergewöhnliche Frauen standen bei der Verleihung des „Emotion“-Awards in dieser Woche im Mittelpunkt. Wie zum Beispiel Aminata Touré aus Kiel in der Kategorie „Frau der Stunde“. Sie ist nicht nur die jüngste Vizepräsidentin eines deutschen Parlaments – sondern auch eine von wenigen afrodeutschen Politikerinnen. Als Abgeordnete ihrer Fraktion steht sie in Kiel für die Themen Migration und Antirassismus, Frauen und Gleichstellung, Kinder und Jugend sowie Queerpolitik. Oder Vera Schneevoigt aus München, die in der Kategorie „Frauen in Führung“ gewann. Sie ist Chief Digital Officer bei der Bosch-Gruppe.

Geehrt wurde auch die Münchnerin Magdalena Gründl in der Kategorie „Soziale Werte“. Die Chirurgin und Epidemiologin ist Mitbegründerin der international tätigen Organisation German Global Surgery Alliance. In der Kategorie „Gründerin“ wurde Enise Lauterbach aus Trier ausgezeichnet. Die Kardiologin entwickelte eine Messenger-App mit, mit der sich die Kommunikation zwischen niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern verbessern soll. Und konzipiert nun die App „Herzheld“.

Gefeiert wurde in diesem Jahr in kleinem Rahmen mit einem Essen und rund 40 geladenen Gästen aus Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur, zu dem Verlegerin Katarzyna Mol-Wolf geladen hatte. Annett Louisan sorgte für die Musik, genauso wie das Akustik-Duo Selina Nuñez und Dennis Krüger. Die prominenten Paten der Gewinnerinnen waren Schauspieler Marek Erhardt, Katharina Fegebank, Model Franziska Knuppe und Moderatorin Anja Reschke.

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Schauspieler und Filmproduzent Til Schweiger verkauft seine Lifestylemarke „Barefoot Living“. Auch der Käufer ist kein Unbekannter: Medienunternehmer Georg Kofler gehört die Social Chain AG, und deren Tochter, das Berliner Start-up Urbanara, übernimmt „Barefoot Living“. Schweiger soll als strategischer Partner an Bord bleiben und die Firma als Markenbotschafter weiter vertreten. Er freut sich auf die Zusammenarbeit: „Mit der Social Chain AG haben wir den perfekten Partner gefunden, um Barefoot Living bekannter und erfolgreicher zu machen. Die Kollektion ist für mich eine sehr persönliche Angelegenheit“, sagt er.

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Das ist ein wenig wie Reinhard Mey 2.0 denkt man, wenn man Reinhold Beckmann spielen hört. Der Moderator, der auch Sänger und Gitarrist ist, trat in sehr kleiner Besetzung seiner Band (zu zweit) beim Asklepios Lebensretterpreis 2020 im ehemaligen Hauptzollamt auf und verriet, wie er überhaupt zur Musik gekommen ist. Nach einer kleinen Gesangseinlage in der Fernsehsendung „Inas Nacht“ von Ina Müller waren zwei Musiker zu ihm gekommen und hatten ihn aufgefordert, Texte zu schreiben. „Den beiden bin ich total dankbar, die haben mir den Kick gegeben“, sagt Beckmann. Als Jugendlicher hatte er einen „sehr charismatischen Musiklehrer“, kurz spielte er sogar mit dem Gedanken, es wie einige Mitschüler auf dem Konservatorium zu versuchen, entschied sich dann doch für eine Karriere als Journalist. In Zeiten von Corona sei es für Künstler nun sehr hart, so der Sänger: „Wir sind so dankbar, dass wir wieder live spielen dürfen.“ Seine neue CD soll im Februar/März erscheinen. Von der Lebensretter-Preisverleihung nahm er eine „dringende Erkenntnis“ mit nach Hause: „Ich werde mich zu einem Erste-Hilfe-Kurs anmelden, das ist überfällig!“

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Fast 20 Jahre lang hat Karsten Wehmeier das Hamburger Privatbankhaus Berenberg als Kommunikationschef durch Höhen (425-Jahr-Feier) und Tiefen (Panama-Papers-Affäre) in der Öffentlichkeit begleitet. Im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Chefwechsel hat er zwar vor wenigen Tagen das Unternehmen verlassen – aber doch nicht so ganz: Der 52-Jährige berät die neue Bankführung um Hendrik Riehmer weiter in Kommunikationsfragen, ebenso wie den scheidenden Berenberg-Chef Hans-Walter Peters in dessen Amt als Präsident des Bankenverbands. Das tut Wehmeier derzeit allerdings nicht von Hamburg aus: Für zwei Monate hat sich der Oldtimerfan ein „Häuschen“ in der Nähe von Bologna gemietet und gerade eine virtuelle Pressekonferenz von dort aus abgehalten. „Wenn es in Norditalien kühler wird, geht es vielleicht noch etwas weiter in den Süden“, sagt Wehmeier. Und dann werde sich zeigen, ob er künftig wieder fest für ein Unternehmen kommuniziert oder selbstständig als Berater arbeitet.

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Der Startschuss für das Projekt „Herzretterstadt Hamburg“ wurde in dieser Woche bei einem Wohnzimmerkonzert gegeben. Eingeladen hatte PR-Frau Alexandra von Rehlingen in ihr Haus, um die Initiative Ich kann Leben retten! e. V. zu unterstützen. Und es kam eine kleine feine Runde zusammen, die sich von Vereinsgründer Martin Buchholz in das Thema einführen ließ.

„Alle waren beeindruckt, mit welch einfachen Mitteln wir hier in Hamburg erreichen könnten, dass weniger Menschen an einem Herzinfarkt sterben“, sagte er. Unter ihnen Otto-Chef Alexander Birken mit seiner Frau Uta, Cord und Gabriele Wöhlke oder Nadine Becken. Von Rehlingen liegt das Thema sehr am Herzen, seit ihr Mann Matthias Prinz mit einem Herzstillstand beim Joggen an der Alster zusammengebrochen ist. Seitdem setzt sie sich für die Initiative von Buchholz ein, der möglichst viele Menschen in der Stadt schulen will, damit sie Menschen in einer solchen Situation retten können.

Eigentlich war für den August diesen Jahres eine große Herzretter-Gala geplant gewesen. Die musste ausfallen, und von Rehlingen bot an, mit einem Wohnzimmerkonzert zumindest eine kleine Ersatzveranstaltung zu organisieren. „Bis 2030 soll jeder Schüler mindestens dreimal an einem solchen Training teilgenommen haben“, sagt Buchholz.

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„Die Hahn und der Onni – Der neue Hamburg zwei Morgen“ – so heißt die neue Morgensendung des Hamburger Radiosenders. Hinter den Namen verstecken sich die beiden Moderatoren, Birgit Hahn (51) und Onni Schlebusch (34). Seit dieser Woche sind sie mit dem neuen Format immer montags bis freitags von fünf bis elf Uhr auf Sendung. Hahn und Schlebusch waren vorher in Morgensendungen bei Radio Hamburg zu hören.

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Einen neuen Job hat Andreas Kleinau angetreten, und mit diesem trägt er eine große Verantwortung für die städtebauliche Entwicklung der HafenCity. Der 54-Jährige ist jetzt Mitglied der dreiköpfigen Geschäftsführung der HafenCity Hamburg GmbH (HCH), die sich um die Vergabe der Flächen in dem jüngsten Stadtteil der Hansestadt kümmert. Im November 2021 steht dann das Ende einer Ära an. Jürgen Bruns-Berentelg, langjähriger Vorsitzender der Geschäftsführung, geht von Bord und Kleinau übernimmt den Chefposten. Der Hamburger, der 2015 mit Partnern die international tätige Immobilienberatungsgesellschaft combine gegründet hatte, freut sich über seine neue Aufgabe. „In der Immobilienwirtschaft gibt es kaum eine vielseitigere und damit komplexere Aufgabe als die HCH, die mit einem herausragenden Team sehr erfolgreiche Arbeit leistet.“