Galerie Roschlaub

Fotokünstler besetzt alte Meisterwerke mit Promis

Schauspielerin
Hannelore Elsner
posiert würdevoll
mit einem Fischgrill
auf dem Haupt für
den Fotografen
Josef Fischnaller.
Sie soll Maria de’
Medici darstellen

Schauspielerin Hannelore Elsner posiert würdevoll mit einem Fischgrill auf dem Haupt für den Fotografen Josef Fischnaller. Sie soll Maria de’ Medici darstellen

Foto: Fischnaller

Mit Augenzwinkern und viel Papier inszeniert Josef Fischnaller Stars wie Hannelore Elsner und Andrea Sawatzki. Ausstellung in Hamburg.

Hamburg.  Auch wenn er es lange nicht gerne hören wollte, Josef Fischnaller hat seine „Nische“ gefunden: den inhaltlichen Raum nämlich, der im Sektor der Fotografie noch unbesetzt war. Einen Bereich, den er mit seinen Werken bespielen kann. „Ein Kollege sagte vor ein paar Jahren zu mir: ,Du hast eine Punktlandung auf einem unbesetzten Feld der Fotografie gemacht’, und das stimmt“, sagt der gebürtige Wiener, der seine ersten Fotos als elfjähriger Bub schoss.

Fischnaller wurde durch seine starken Neuinterpretationen weltbekannter Meisterwerke der Kunstgeschichte bekannt; er inszeniert neben Prominenten dafür auch „Menschen von der Straße – wie mein Vorbild Caravaggio“. So wird aus einer ehemaligen Tatort-Kommissarin – Andrea Sawatzki – schon mal Queen Elizabeth I., und der heilige Hieronymus studiert statt Büchern die Nachrichten auf seinem Smartphone, während er sich auf Stapel von „Vogue“-Zeitschriften stützt.

„Die Mona Lisa mit Lippenpiercing ist die Tochter meines Orthopäden“, sagt Fischnaller, der in Berlin lebt und Hamburg oft und gern besucht. Ab Freitag hat er nun auch ein künstlerisches Zuhause in unserer Stadt; in der Galerie Roschlaub von Kirsten Roschlaub zeigt er 21 seiner riesengroßen, gestochen scharfen Bilder unter dem Ausstellungstitel „Past Present Present Past“.

Dabei lohnt sich das genaue Hinschauen: Andrea Sawatzkis Brustpartie zieren nämlich keine hochglänzenden Uniformknöpfe, sondern einfache Sicherheitsnadeln, die Würfelkette an ihrer rechten Hand zeigt die Zahlen ihres Geburtstags. „Da sind immer mal ein paar Insider-Schmähs dabei“, sagt Fischnaller. Er kennt Sawatzki seit 15 Jahren. „Ich mache eine Königin aus dir“, habe er zu ihr gesagt – und es getan. Ebenso stellte er Victor Schefé, bekannt aus James Bond, als historische und zeitgeschichtliche Figur dar; Schauspieler Antoine Monot, der als Werbefigur bekannt wurde, posiert im Kettenhemd – aus Plastikringen, was auf den ersten Blick nicht zu sehen ist. „Was auch oft erst später auffällt, ist, dass alle Kostüme komplett aus Papier angefertigt sind“, sagt Fischnaller, der dafür mit der Stylistin Inga Kusche zusammenarbeitet.

Sie drapiert die aufwendigen Kostüme mit Augenzwinkern und Akribie kunstfertig an die Körper der Modelle: Hannelore Elsner alias Maria de’ Medici posiert – erhaben schauend – mit einem Teil eines Fischgrills auf dem Kopf und einer Papiertischdecke als Spitzenkragen um den Hals.

Bis Fischnaller jedoch Prominente mit Bonbonketten oder kleinen Tieren ablichten konnte, fotografierte der verheiratete Vater eines erwachsenen Sohnes auf der ganzen Welt. „Ich war klassischer Werbefotograf und habe viele Porträts von Firmenchefs, Vorständen und Präsidenten gemacht“, sagt er. Vor 15 Jahren wechselte er von Wien nach Berlin. Das habe sein müssen. „Wenn man in Österreich was werden will, muss man das Land verlassen“, so seine Begründung. Der Druck, etwas ganz anderes zu machen, sich ein Stück weit neu zu erfinden, der habe schlicht gefehlt.

Fischnallers künstlerische Punktlandung ist schlussendlich vielleicht auch in den Genen zu finden, die ja gern für Erklärungen herhalten müssen: Vater Fischnaller war Bildhauer und Maler, Sohn Josef sein stetiger Beobachter.

So sehen Sie die Werke

Alle ausgestellten Werke des Fotokünstlers Josef Fischnaller in der Galerie Roschlaub sind ab Freitag, 5. Februar, zu den Öffnungszeiten der Galerie im Mittelweg 21 (Dienstag bis Freitag 10 bis 19 Uhr, Sonnabend 11 bis 15 Uhr und nach Vereinbarung ) zu sehen.

Die Preise variieren je nach Größe und Auflage von 3600 Euro bis 20.000 Euro für ein Unikat. Ein Buch mit den mehr als 100 Bildern ist in Arbeit.