Haueisen Immobilien

Karl-Heinz Ramke, der König von St. Georg

„Passt alles“: Karl-Heinz Ramke auf seiner Dachterasse in St. Georg

„Passt alles“: Karl-Heinz Ramke auf seiner Dachterasse in St. Georg

Foto: Johannes Arlt

Karl-Heinz Ramkebesitzt zahlreiche Immobilien in St. Georg. Er liebt das Quartier, das wie er umtriebig und nicht unterzukriegen ist.

St. Georg.  Loslassen. Das hat Karl-Heinz Ramke im vergangenen Jahr getan. Da hat er die Geschicke seiner Firma Haueisen Immobilien in die Hände seiner langjährigen Geschäftsführerin und Mitgesellschafterin Anette Krull gegeben. Das Traditionsunternehmen, das heute gut 4500 Wohnungen verwaltet und auf die Vermittlung von Anlageobjekten spezialisiert ist, feierte 2014 seinen 100. Geburtstag.

Ein guter Zeitpunkt, um einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Nun ist das bei Karl-Heinz Ramke sicherlich leichter gesagt als getan. Denn Haueisen ist auch sein Lebenswerk. Der gebürtige Oldenburger stieg 1963 dort ein, wurde mit 27 Jahren Prokurist und schließlich 1977 Gesellschafter. Und hat es geklappt mit dem Loslassen? Der 75-Jährige, der im März Geburtstag feierte, lächelt. Er sieht blendend aus, hat gerade einen längeren Aufenthalt in seiner zweiten Heimat Marrakesch im Südosten Marokkos verbracht: „Ich weiß mein Unternehmen in sehr guten Händen. Meine Nachfolgerin ist seit fast zwei Jahrzehnten bei uns und es hat sich ein enges Vertrauensverhältnis entwickelt.“

Aber so ganz raus ist Karl-Heinz Ramke dann auch nicht, er steht immer noch als Berater zur Verfügung und hat nach wie vor sein Büro am Firmensitz.

Doch Karl-Heinz Ramke, dass ist nicht nur Haueisen. Er wird auch der „König von St. Georg“ genannt. Der Kunst- und Kulturliebhaber würde sich so selbst nie bezeichnen, er steht mehr auf hanseatisches Understatement. Aber in dem quirligen St. Georg ist er trotzdem bekannt wie ein bunter Hund. Warum? Der gelernte Immobilienkaufmann nennt in dem heutigen Szeneviertel einen beträchtlichen Immobilienbesitz sein eigen – vor allem an der Langen Reihe, früher eine schmuddelige Ecke mit Rotlicht und heute eine der beliebtesten Gastro- und Einkaufsmeilen der Stadt. Schon in den 70er-Jahren hat Ramke hier die ersten Immobilien erworben: „Ich habe immer auf diesen Standort gesetzt. St. Georg hat sich toll entwickelt“, sagt er.

Die Lange Reihe ist eine besondere Straße mit Flair und Vielfalt. Er kämpft dafür, dass das in Zukunft auch so bleibt. „Natürlich müssen wir Immobilienbesitzer angemessene Gewerbemieten verlangen, aber diese sollten in einem vertretbaren Rahmen bleiben“, sagt der Geschäftsmann.

Oft trifft sich Karl-Heinz Ramke im Restaurant Cox oder Café Gnosa mit Freunden und Geschäftspartnern, pflegt sein weit verzweigtes Netzwerk: „Ich bin in dem Stadtteil tief verwurzelt. Ich mag dieses Flair, für mich ist es ein Dorf inmitten der Großstadt.“ In seinem „Dorf“ ist er auch ein beliebter Mäzen. Ob es ein Kindergarten ist oder eine kulturelle Einrichtung, wenn es um finanzielle Unterstützung geht, ist Ramke ein gefragter Ansprechpartner. Aber er würde nie auf gestellten Fotos bei Scheckübergaben posieren: „Ich helfe gerne. Ich schaue mir aber genau an, wofür ich Geld gebe und am liebsten mache ich das diskret.“ Er liebt den Trubel. Statt in einer Villa am Stadtrand lebt er deshalb seit den 90er-Jahre in einer repräsentativen Altbauwohnung über zwei Ebenen in St. Georg. An den Wänden hängt moderne Kunst. Designermöbel prägen das Interieur. Der Clou ist die liebevoll bepflanzte Dachterrasse mit atemberaubenden Blick über die Alster. Hier oben ist es ruhig und Ramke kann einfach mal die Seele baumeln lassen. Nachdenken. Aber nicht lange, denn irgendwie ist dieser Mann auch immer in Bewegung. „Ruhestand“ – dieses Wort gibt es im Vokabular von Karl-Heinz Ramke nicht. Nachvollziehbar. Schließlich muss er seinen eigenen Immobilienbesitz, der sich über das gesamt Stadtgebiet verteilt, im Auge behalten.

Außerdem stehen dauernd neue Projekte an: Derzeit lässt Karl-Heinz Ramke mit einem befreundeten Geschäftspartner an der Isestraße zwei Mehrfamilienhäuser umbauen. Entspannung findet der Vielreisende vor allem in Marrakesch. Mitten in der Altstadt hat er ein um den Garten herum gebautes großzügiges Haus: „Marrakesch hat so etwas von 1001 Nacht. Hier ist immer Trubel. Auf dem Marktplatz wird jongliert, gehandelt oder musiziert“, erzählt er. Er schätzt insbesondere, dass die Menschen warmherzig seien und weniger kompliziert als in Deutschland. „Hier wird einfach gelebt und vor allem gut gegessen.“

Aber nur schlemmen oder im Countryclub Freunde zu treffen, reicht dann auch nicht aus. Gut, dass es in Marokko ein neues Projekt gibt. Etwa 250 Kilometer von Marrakesch entfernt, im pittoresken Fischerdorf Taghazout an der Atlantikküste, baut Karl-Heinz Ramke zwei Ferienhäuser. Eines davon will er selbst behalten. Auch um hier seine Lieben zu empfangen. Denn Ramke ist ein Familienmensch. Zu seinem Clan gehören ein Sohn, eine Tochter und fünf Enkelkinder. Zu seiner geschiedenen Ehefrau hat er ein gutes Verhältnis. Der Mann an seiner Seite ist seit 15 Jahren Lebensgefährte Slava: „Wichtig ist es, alle unter einen Hut zu bringen. Das ist mir glaube ich ganz gut gelungen.“

Seine Homosexualität hat Karl-Heinz Ramke erst spät ausgelebt, dann aber daraus nie ein Geheimnis gemacht und heute „passt alles“, wie er sagt. Das Alter ist für ihn kein Tabu, aber auch kein Thema: „Ich habe keine Zeit, mir darüber Gedanken zu machen. Wichtig ist es, körperlich fit zu bleiben“, findet er. Zu Terminen fährt er meist mit dem Fahrrad. Auch Golf ist eine Leidenschaft. Auf den Platz geht es regelmäßig mit Freunden morgens um 7 Uhr. Das ist Disziplin. Und die zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben.