Broken Hearts Stiftung

Der Stiftungsoscar geht nach Hamburg

Der Bundesverband verleiht den „Kompass“ an die Broken Hearts Stiftung von Cinderella von Dungern. „Nominierung und Auszeichnung motivieren mich gleich dreifach“, sagt Stiftungsvorstand Cinderella von Dungern.

Hamburg. Ein Hauch von Oscar wehte am Wochenende durch das Museum für Kommunikation in Berlin. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen, der größte seiner Art in Europa, verlieh seinen begehrten Kommunikationspreis „Kompass“. Bei der Hamburger Geschäftsfrau Cinderella von Dungern war die Spannung „immens“, denn ihre erst 2011 gegründete Broken Hearts Stiftung war in der Sparte „Einzelne Kommunikationsmaßnahmen“ nominiert. Dann gingen die Laudatoren auf die Bühne – und nach einigen Minuten war alles klar – der Preis geht nach Hamburg.

„Ich war sehr aufgeregt“, gibt die sonst so beherrschte Geschäftsfrau zu, „als dann der Name der Stiftung aufgerufen wurde, war ich überwältigt vor Glück und Freude. Wir hatten es tatsächlich geschafft! Unsere Arbeit, die so klein begonnen hatte, wurde nun so wunderschön von einer Fachjury honoriert. Das hatte ich nicht erwartet – zumal die Mitbewerber tolle Projekte hatten.“

Mit der Broken Hearts Stiftung gewann auch die Hamburger Design Factory International, denn deren Studenten hatten nach 2012 zum zweiten Mal aufrüttelnde Poster zum Thema „Arbeiterausbeutung“ entworfen. Das Anliegen der Stiftung von Cinderella von Dungern ist der Einsatz gegen moderne Sklaverei und Menschenhandel, gegen die Ausbeutung billigster Arbeitskräfte. Auf einem der prämierten Plakate steht ein elegantes junges Mädchen in einem schicken Kleid da. Zu ihren Füßen kauert eine Arbeiterin auf dem Boden und stichelt noch eine letzte Naht. „Arbeitskraft 1,20 Euro“ steht daneben. „Schau nicht weg!“ fordert das Plakat.

Die Plakate der nun ausgezeichneten Serie gingen von Hamburg aus auf die Reise, bewegten Menschen auf Ausstellungen, im Internet, auf Facebook und auf Broschüren. Auf dem Evangelischen Kirchentag in Hamburg sahen täglich 7000 Menschen die Poster in den Messehallen; im Februar waren sie in der Flo Peters Gallery in der Hansestadt sowie Ende Mai beim Landeskriminalamt in Hannover zu sehen. In den kommenden Jahren sollen weitere Wettbewerbe stattfinden – dann auch in anderen deutschen Städten.

„Nominierung und Auszeichnung motivieren mich gleich dreifach“, sagt Stiftungsvorstand Cinderella von Dungern. „Zum einen, weil sie bestätigt, dass man auch mit kleinem Budget hohe Qualität zeigen kann.“ Zum zweiten, weil sie ihren Weg, beziehungsweise ihre Stiftungsidee auszeichne, ein komplexes Tabuthema durch eine kreative Sicht in unsere deutsche Gesellschaft zu transportieren. „Und zum dritten, weil junge Designstudenten in Hamburg unter ihrem Studienleiter Jan Kürzinger eine tolle, hochwertige Arbeit und hohes Engagement gezeigt haben, die nun auch offiziell honoriert wird.“ Das Projekt verdeutliche zudem die große kreative Vielfalt, die Hamburg mittlerweile zu bieten habe. „Menschenhandel und moderne Sklaverei kommen auch heute noch in Deutschland vor unserer Haustür vor“, betont die Preisträgerin.

Cinderella Freifrau von Dungern, aufgewachsen in Hamburg, Göttingen und Hannover, hat ihre beruflichen Wurzeln in der Finanzbranche. Nach Banklehre, BWL-Studium und Promotion arbeitet sie unter anderem für eine Schweizer Privatbank und den Schweizer Wirtschaftsverband. Heute ist sie selbstständige Unternehmensberaterin und betreut mittelständische Unternehmen, Privatpersonen und gemeinnützige Einrichtungen. Die Stiftung gründete sie im Dezember 2011 – an ihrem 40. Geburtstag. „Die ersten 40 Jahre meines Lebens habe ich für meine Karriere verwendet, die nächsten 40 Jahre möchte ich meine Gaben für einen guten Zweck einsetzen.“ Ihre ganzen Ersparnisse habe sie in die Stiftung gesteckt, sagt sie.

Der Name Broken Hearts sei kein Zufallsprodukt, sondern gehe auf eigene bittere Erfahrungen zurück. Sie habe eine zerbrochene Ehe hinter sich, erzählt sie, in der sie sich immer mehr aufgegeben habe. Wie konnte es passieren, dass sie sich so falschen Hoffnungen hingegeben habe, fragte sie sich schließlich. Wenn das Herz zerbrochen sei, weil die Hoffnung verraten wurde, weil man misshandelt wurde oder perspektivlos und arm sei, dann sei man bereit, alles zu tun, wurde ihr schließlich klar.

Die hochgewachsene, attraktive Freifrau, die fünf Geschwister hat und in der Schulzeit Basketball spielte, ist nun in zweiter Ehe verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn. Neben dem Polosport pflegt sie in dritter Generation das traditionelle Hobby ihrer Familie, die Jagdreiterei. Zahlreiche ehrenamtliche Engagements, ob in der Kirche oder dem Musikkindergarten Hamburg, runden ihr Leben ab. Und das kann man wohl als überaus dynamisch bezeichnen.