Was denn nun, Herr Lindenberg?

Erneut überrascht der Panikrocker mit Umzugsplänen nach Berlin - und widerruft

St. Georg. Es gehört eben zum Spiel bei Udo Lindenberg. Wie Schlapphut und Brille, Zigarrenqualm und rauchige Stimme: die Frage nach dem Wohnort. Immer wieder streut Lindenberg medial Gerüchte um einen Auszug aus seiner Suite im Hotel Atlantic. Seiner selbst ernannten "Panikzentrale". Hier wohnt der 65 Jahre alte Rocker immerhin seit 17 Jahren, zahlt eine monatliche Miete, malt hier im Dachgeschoss seine Likörelle, empfängt Freunde und Reporter.

Er genieße die Vorzüge des stetigen Hotelgastdaseins, wie er in der aktuellen Ausgabe des Musikmagazins "Rolling Stone" schildert: "Ich werde wach, frühstücke im Bett, lese Zeitung, gucke bisschen Nachrichten, gehe schwimmen. Während ich unten bin, wird das Zimmer fertig gemacht - ideal."

Doch anscheinend kann diesen Service auch ein Hotel in einer anderen Stadt bieten, denn Lindenberg äußert sich in dem vor drei Wochen geführten Gespräch nicht sehr überzeugt von seiner Herberge. Auf die Frage "Wohnen Sie noch im Hotel Atlantic? Wie man hört, sind Sie umgezogen", antwortet Lindenberg: "Ich penne nicht hier, weil man hier nicht pennen kann, ist zu laut morgens." Anschlussfrage: Wegen der Renovierungsarbeiten? Antwort Udo Lindenberg: "Genau. Musste auch mal sein, nach 100 Jahren. Aber ich wohne nach vorne raus, und da ist es laut, höllisch laut!" Ob er denn nach Beendigung der Renovierungsarbeiten am Edelhotel zurückzukommen beabsichtige? "Och, mal gucken, weiß nicht. Erst mal vielleicht in die Südsee, Gauguin und so", sagt er leicht hin.

Erst im Mai hatte er in Hamburg für Verwirrung gesorgt, als herauskam, dass der Panikrocker wegen der Umbauten, die im Januar 2010 begannen, temporär ins benachbarte Hotel Royal Méridien ausgewichen war und sich dort sehr wohlfühlte. Den Alsterblick kennt er ja recht gut. Dann ging es wieder zurück, nachdem die erste Renovierungsphase abgeschlossen war. Im "Rolling Stone" jedoch lässt Lindenberg durchblicken, dass Hamburg sich negativ verändert habe. Besonders die Reeperbahn: "Es wird hier immer schlimmer, jetzt wollen sie sogar die Esso-Tankstelle abreißen. Das ist immer weniger unser alter Rock-'n'-Roll-Kiez und immer mehr Schnöseldorfer Plastikallee. Das St.-Pauli-Theater, das Docks, die Große Freiheit - das muss alles bleiben, und bitte nicht zu clean. Und dann natürlich die Elbphilharmonie mit der ganzen Kohle, die da reingeht. Das erste Interview mit Olaf Scholz war dann so: ,Alle Kinder sollen da hingehen.' Aber was sollen die denn da machen? Orff-Schulwerk, oder was? Es gibt einen großen Lockefinger Richtung Berlin. Da zieht's mich immer mehr rüber." Doch jetzt die Kehrtwendung. Gestern telefonierte ein gut aufgelegter Udo Lindenberg mit dem Abendblatt, übrigens direkt aus der Empfangshalle des Hotels Atlantic. Also von Umzug gar keine Spur. "Ich bin hier im Atlantic, dort wo mein Zuhause ist." Zwischen ihm und dem Hotel gebe es einen "Pakt". Er wolle das Atlantic nicht verlassen und schlafe auch wieder hier. Nur während der Bauarbeiten war er von dem morgendlichen Lärm genervt und hat wohl öfter mal fremdgeschlafen. "Aber jetzt ist es wieder ruhig", sagt der Künstler.

Jetzt lebt und arbeitet er in der Suite, in welche er zu Beginn der Bauarbeiten umgezogen ist und zumindest bis zum Abschluss des gesamten Umbaus bleiben wird. Oder sie eben mal verlässt, für einen Nachmittag woanders, einige Nächte oder eben auch nicht.

Aber Udo Lindenberg macht auch keinen Hehl daraus, dass er ein "Spontifix" ist und ab und an mal Hotel-Hopping macht. Dem Vernehmen nach pennt er auch mal in New York, ja, auch öfter in Berlin. Schließlich läuft dort sein erfolgreiches Musical "Hinterm Horizont". Aber er kehrte immer wieder in "sein Zuhause zurück".

Aber von den (von ihm selbst autorisierten) Aussagen des "Rolling Stone", dass Udo Lindenberg Hamburg ganz den Rücken kehrt, distanziert sich der Musiker: "Das ist auf lange Sicht nicht geplant." Aha.

Allerdings würde Udo Lindenberg in Hamburg gerne sein Panik-Museum eröffnen, einen Platz für seine Kunstwerke und Sammlerstücke. Schon seit Jahren hat er das geplant, sich oft in der Speicherstadt und HafenCity umgesehen. Aber offensichtlich unterstützt ihn die Stadt nicht mit allen Kräften.

Udo Lindenberg meckert nicht, sondern antwortet auf seine Art und Weise: "Andere Städte sind ganz wild auf meine Panik-Zentrale ..."

Das lässt Raum für weitere Spekulationen. Und es dürfte also auch in diesem Punkt spannend bleiben. Aber zunächst einmal scheint die wilde Ehe zwischen dem ehrwürdigen Hotel Atlantic und seinem treuesten Gast gesichert zu sein.