SOS-Kinderdorf

Wo Kinderwünsche auf Bäumen wachsen

Foto: Martin Brinckmann

Zahlreiche Kunden und Hotelgäste pflücken Wunschzettel vom Weihnachtsbaum kaufen Geschenke für SOS-Kinderdorf und Dunkelziffer.

Hamburg. Früh ist sie mit ihrer vierjährigen Tochter Malou aufgestanden, um von Berlin nach Hamburg zu fahren. "Es war eine wunderschöne Winterlandschaft auf dem Weg hierher", sagt Schauspielerin Jeanette Hain, als sie im Stuart Weitzman Store von Maren und Andreas Pfähler ankommt. Hier kennt sie sich mittlerweile aus, denn vor vier Wochen schmückte sie zusammen mit Kindern des SOS-Kinderdorfs Harksheide den Weihnachtsbaum, der mitten im Geschäft an den Großen Bleichen steht. Der Clou: Neben kleinen Weihnachtsmännern haben auch die Wunschzettel der Kinder ihren Platz an dem Baum gefunden.

Die Kunden haben die Zettel in den vergangenen Wochen nach und nach "gepflückt", um sie zu erfüllen. Schnell stapelten sich in dem Laden 100 Geschenke, die die Schauspielerin nun ins Kinderdorf brachte. "Ich finde es toll, wie das Miteinander in den SOS-Kinderdörfern gelebt wird", sagt die 41-Jährige. Ihre Tochter ist derweil aufgeregt und möchte am liebsten jedes Geschenk einzeln überreichen. Doch ausgepackt wird erst Heiligabend, "denn bei uns im SOS-Kinderdorf wird genauso gefeiert wie auch in anderen Familien", sagt Sozialpädagoge Manfred Thurau.

Bevor es für Jeanette Hain wieder zurück in die Hauptstadt geht, sagt sie: "In diesem Jahr feiern meine Kinder und ich bei Freunden." Gerne singe sie dann Weihnachtslieder. Das komme zwar nicht so gut bei ihrem 19-jährigen Sohn Jonas an, "aber bremsen kann mich nichts". Schließlich versetzten sie die Lieder in eine andere Zeit: "Ich fühle mich dann wieder wie ein Kind, das erwartungsfroh unter dem Baum sitzt."

Auf Weihnachten freuen sich auch die Kinder des Hoteldirektors Tashi Takang (Park Hyatt). "Wir haben schon seit zwei Wochen einen geschmückten Baum bei uns zu Hause stehen, weil sich mein Sohn Songsten und meine Tochter Kunsel so sehr auf das Fest freuen." Auch im Hotelfoyer leuchtet ein Christbaum, an dem ebenfalls Wünsche aufgehängt worden waren. Schon zum zehnten Mal konnten die Gäste und Mitarbeiter des Hotels die Wünsche von Kindern erfüllen, die vom Verein Dunkelziffer betreut werden. "Die Aktion finde ich toll, weil wir dadurch etwas an andere zurückgeben können", sagt Takang. Er sei überrascht gewesen, wie schnell die Wünsche von den Bäumen genommen wurden. Innerhalb einer Woche wurden 70 Geschenke in der Hotellobby abgegeben. Weihnachten feiert Tashi Takang in Hamburg. "Zusammen mit meiner Familie und zwei Nichten werden wir Gans essen. Als Vorspeisen gibt es etwas Asiatisches", sagt der gebürtige Tibeter, der heute selbst beim Verein Dunkelziffer in die Rolle des Weihnachtsmanns schlüpft und die Geschenke übergibt.