Rüffel für Henssler, Trüffel für Sgroi

Der Gourmetführer "Gault Millau" testet Hamburger Restaurants

Hamburg. "Man nehme ein Gourmetrestaurant, wie seine Verächter es sich vorstellen: altmodisch, teuer und steif - und mache das Gegenteil." So weit hört sich die Beurteilung von Tim Mälzers Restaurant Bullerei noch ganz schmeichelhaft an, doch die Tester der Gastro-Bibel "Gault Millau" haben noch einiges zu meckern. Er versuche, was sein Londoner Freund und Vorbild, Koch Jamie Oliver, beherrsche. "Doch Mälzers Neuerungen wirken gewollt und bloß wie aufgehübschte Allerweltsgerichte." Dennoch, unverändert zum Vorjahr, 13 Punkte (Bewertung nach dem französischen Schulnotensystem) für den bekanntesten deutschen Hamburger Koch. Die Tester beschreiben und bewerten dieses Jahr insgesamt 31 Restaurants in Hamburg. 27 zeichnen sie mit einer oder mehreren Kochmützen aus, wofür die Könner am Herd mindestens 13 von 20 möglichen Punkten erreichen müssen, was einem Michelin-Stern nahe kommt.

Aufsteigerin ist die Autodidaktin am Herd, Anna Sgroi. In ihrem Sgroi in St. Georg zeigt sie "einen hohen Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität". Gelobt wurde Sgroi für ihre Präzision bei Teigwaren und die Kunst, mit welcher sie wenige Bestandteile verarbeitet. Das brachte der Sizilianerin 16 Punkte. So viele erreichte ebenfalls Cornelia Poletto mit ihrem Poletto in Eppendorf (welches am Jahresende auf Vermieterwunsch schließen muss, weshalb sie aktuell neue Räume prüft), das Landhaus Scherrer, das Le Canard nouveau sowie das Tafelhaus. Unangefochtene Spitzenreiter bleiben "mit großer Souveränität" Sternekoch Thomas Martin vom Jacobs an der Elbchaussee sowie Wahabi Nouri, Koch des Jahres 2010, in seinem Restaurant Piment mit je 18 Punkten. Auf deren Fersen sind mit 17 Punkten Karlheinz Hauser im Seven Seas auf dem Süllberg sowie Christoph Rüffer vom Haerlin im Hotel Vier Jahreszeiten.

Eine 14-Punkte-Watsche erhielt TV-Koch Steffen Henssler im Henssler & Henssler, garniert mit einer - wofür die Kritiker bekannt, verklagt und gefürchtet sind - Prise Sarkasmus: "Die Thai-Suppe mit Hummer hat mit Thai nichts zu tun, sondern ist eine Hummer-Bisque der langweiligsten Art, da bieten manche Dosen wahrlich Besseres." Schmerzlich für den beliebten Fischpapst auch diese Schelte: "Die Sushi kommen von Grobmotorikern."