Von Anfängen und Zukunftsmusik

Staatsminister Bernd Neumann kam zur Jubiläumsfeier der Hamburger Akademie für Publizistik

Neustadt. Wenn hochkarätige Journalisten bundesweit den Stift fallen lassen, dann ist etwas Außergewöhnliches passiert. Dann verlassen sie den Schreibtisch und rasen raus zum Ort des Geschehens. Einen wahren Auflauf von Medienmachern und Entscheidern gab es gestern an der Bucerius Law School. Eine Exklusivgeschichte im eigentlichen Sinn lauerte hier zwar nicht. Aber eine Erfolgsgeschichte, die gefeiert wurde. Denn die Hamburger Akademie für Publizistik existiert schon seit 40 Jahren, bietet Seminare zur Aus- und Fortbildung für Journalisten an.

Prominente Absolventen sind die Moderatoren Gabi Bauer und Markus Lanz. Jeder hat einmal klein angefangen. So auch Eva Hubert, Geschäftsführerin der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein. Ihre erste Filmkritik schrieb sie für die gerade gegründete "Hamburger Rundschau", den Film dazu schaute sie im Kino Metropolis. Das war Anfang der 80er-Jahre. "In erster Linie ging es mir damals nicht um das Geld. Ich habe es als Ehre empfunden, schreiben zu dürfen", sagt Hubert.

Auch Starfotograf Jochen Blume kann sich an seine ersten Schritte im Journalismus erinnern: "Ich machte 1950 ein Bild für den Deutschen Pressedienst vom britisch besetzten Helgoland, auf dem die zwei Studenten René Leudesdorff und Georg von Hatzfeld zu sehen waren. Es ging anschließend um die Welt, und Helgoland wurde nicht mehr bombardiert. Ich wollte mit meinen Fotos die Welt verändern." Das ist ihm auf Anhieb geglückt.

Auch die freie Journalistin Silke Burmester sorgte für Aufsehen. Nach ihrer ersten Veröffentlichung für die "Tageszeitung" (taz) gab es Abo-Abbestellungen. Der Grund: Sie hatte einen satirischen Text über die veröffentlichten Oben-ohne-Fotos von Rudolf Scharpings Tochter geschrieben. Das war zu viel des Guten für die Leserschaft.

Anekdoten wie diese gab es auf der Feier viele. In ihren Begrüßungsreden widmeten sich Bernd Neumann, Staatsminister für Kultur und Medien, und der Chefredakteur der "Süddeutschen Zeitung", Hans Werner Kilz, jedoch der Frage "Wie geht es weiter im Journalismus?" Neumann plädierte für mehr Hintergrundanalysen und Orientierung in den Printmedien, sodass sie auch von Minderheiten zu verstehen seien. Kilz stellte klar: "Guter Journalismus muss die digitale Welt nicht fürchten." Dazu zählte er eine faktensichere Berichterstattung, verlässliche Informationen, aufgrund derer sich die Leser eine Meinung bilden könnten. Der Medienjournalist und Blogger Stefan Niggemeier kam aus Berlin und war sich sicher: "In Zukunft wird es mehr Formen des Publizierens geben, was den professionellen Journalismus nicht verdrängen, sondern ergänzen wird."