Tagesschau-Sprecher

Thorsten Schröder - Raus aus der Wohlstandsblase

Foto: Michael Rauhe

Der "Tagesschau"-Sprecher Thorsten Schröder hat in den letzten 20 Jahren viele Länder und Kulturen auf seinem Fahrrad erkundet.

Sportlich kommt " Tagesschau "-Sprecher Thorsten Schröder auf seinem Trekkingrad zum Museumshafen in Övelgönne angeradelt. Oft verirrt er sich hier nicht hin. Der 42-Jährige bevorzugt abgelegene Gegenden, um sie mit dem Fahrrad zu erkunden.

Angefangen hat das vor 20 Jahren - und geschah wie so vieles im Leben eher durch Zufall. Doch bevor Thorsten Schröder von seinen Reisen erzählt, über die er jetzt auch ein Buch mit dem Titel "Kontrastprogramm" geschrieben hat, das im August erscheint, nimmt er einen Schluck Latte Macchiato. Und dann geht es los.

"Normalen" Urlaub hat er als Student ausprobiert, doch einfach nur am Strand abzuhängen, das sei zu "öde" gewesen. Da kam die Idee von Schulfreund Stevie gelegen: "Er erzählte mir, dass er zusammen mit zwei anderen Freunden eine Radtour durch Ungarn, Rumänien und Bulgarien mit dem Ziel Istanbul plane." Mit dem Fahrrad durch osteuropäische Länder kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs? Ist das nicht verrückt? "Ich muss schon zugeben, dass es etwas dubios klang, aber spannend zugleich."

Ein neues Fahrrad und eine Campingausrüstung mussten her, dann ging es Richtung Osten. An der Grenze zu Rumänien begegneten sie einem Trucker, erinnert sich Thorsten Schröder. Er fragte die Jungs, ob sie irre seien, mit dem Fahrrad das Land zu erkunden, denn erst kürzlich sei ein Kollege von ihm ermordet worden. Etwas mulmig sei ihm dann schon gewesen, doch "an der Grenze gab es kein zurück mehr".

Was dann folgte, fasst Thorsten Schröder mit den Worten Kulturschock, Gastfreundlichkeit und traumhafte Natur zusammen. Er erzählt von hölzernen Karren ohne Gummibereifung, von einem Bauern, der ihnen frische Ziegenmilch gab, von hohen Bergen, Trinkwasser aus den Flüssen.

Viele weitere Radtouren dieser Art folgten, bis heute. Ein- bis zweimal im Jahr packt es ihn, dann verlässt er seine Wohnung im Grindelviertel für vier Wochen und erkundet die Länder, die er sonst nachrichtlich in den Sendungen verliest: Neuseeland, Laos, Vietnam, Chile, Argentinien, Südafrika ... Manchmal begleitet ihn auch seine gleichaltrige Freundin Wiebke, doch Kumpel Stevie kommt nach wie vor auf den "tückischen" Routen mit. Insgesamt 40 000 Kilometer hat Thorsten Schröder in den letzten Jahren zurückgelegt - rechnerisch einmal um die Erde.

Für die ersten Tage immer im Gepäck dabei: Spaghetti und Müsli. "Ach ja", sagt er, "während der Touren habe ich gelernt, dass man sich mehrere Wochen lang nur von Spaghetti ernähren kann und sie jeden Abend auch noch schmecken." Doch warum fährt er mit dem Fahrrad über Stock und Stein? Als Nachrichtensprecher kann er sich doch bestimmt einen Luxusurlaub leisten. "Nur so bin ich mittendrin und mit den Menschen auf Augenhöhe. Ich gehöre nicht zu den Touristen, die in Dörfer mit Bussen fahren, aussteigen, Fotos machen und vielleicht noch ein Souvenir kaufen und dann froh sind wieder verschwinden zu können."

Der Fernsehmoderator sucht den direkten Kontakt und verlässt dafür seine "Wohlstandsblase". Ein Kontrast, den er brauche und für den er gerne sein Bett gegen eine Isomatte tausche.