Alice Cooper in Hamburg

Der Schockrocker im Elektromarkt

Foto: Ingo Röhrbein

Der Schockrocker Alice Cooper kam nach Hamburg, um im Saturn in der Mönckebergstraße eine Autogramm-Stunde zu geben.

Die Warteschlange sah aus wie eine Mischung aus St.-Pauli-Anhängern und Biomarktfans. Mal Männer mit langen, grauen Haaren und tätowierten Oberarmen, mal junge Frauen mit Boots und Dreads. Sie alle warteten gestern im Saturn an der Mönckebergstraße auf den Mann mit den geschminkten Pandabär-Augen, die Rocklegende Alice Cooper ("School's out", "Poison"). Der Amerikaner soll Autogramme geben, schließlich wirbt er für die Handelskette.

WACKEN OPEN-AIR

Von CD-Regal "A" bis zum DVD-Ständer mit den Neuheiten warteten die Fans im vierten Stock. Ruhig und gesittet, keine rauen Töne, wie zu erwarten gewesen wäre - der Fan altert eben mit. Seit 9.30 Uhr seien die Ersten da gewesen, um Cooper hautnah zu erleben, sagt ein Mitarbeiter, doch die kämen immer, egal, ob Helene Fischer oder Queensberry locken. Autogrammjäger eben. Instrumentale Countrymusik läuft zur Einstimmung auf Cooper, der mit Vorliebe über Gift, Tod und Vergewaltigung singt. Oder sich in seinen Videos im Rollstuhl von blonden vollbusigen Krankenschwestern durch düstere Flure schieben lässt. Aber Country geht immer, lautet hier in der CD-Abteilung die Einstellung. Gegen 16.30 Uhr, eine halbe Stunde vor Eintreffen des Rock-Opas, rücken die unauffällig-auffälligen Security-Männer an und stellen sich breitbeinig in die Gänge. Und dann kommt er! Durchs Treppenhaus statt mit dem Fahrstuhl. Plötzlich Aufregung bei den Sicherheitsleuten: "Ist im Anmarsch", raunt einer in sein Kopfmikro, bevor er die Tür aufhält.

Kleiner als erwartet ist Alice Cooper, schmal, unauffällig. Keine Pandaaugen heute. In Jeans und schwarzem Hemd, um den Hals trägt der Sänger ein massiv silbernes Kreuz, der schwarze Pony fällt ihm in die Stirn. "Hi girls", sagt er im Gehen zu den wartenden Journalistinnen, spricht freundliche Worte auf seinem Weg zur Bühne. Na klar, auch er findet Hamburg "wunderschön. Ich liebe die Stadt." Seit gestern sei er hier, habe Golf gespielt. Dann erkennen ihn auch die Fans, jubeln und klatschen. Er posiert für die Fotografen, fängt aber rasch mit den Autogrammen an. Gesittet tritt einer nach dem anderen vor, bei Frauen lächelt der 62-Jährige sogar. Er trinkt Cola light auf Eis.

Wenn es zu langsam geht, kommt sein schmähbäuchiger Manager dazu. "Schneller!", sagt er nur, und Cooper behält sein Tempo bei. Ein herzliches, offenes Lachen gibt es für den Fan, der lautstark "Poison" mitgrölt. Und damit zeigt er kurz, dass er sich nur auf der Bühne in Kalbsblut suhlt und es privat mittlerweile gesitteter zugeht: Cooper hat drei Kinder, ist seit 1976 verheiratet und nach seinen Alkoholentzügen gläubiger Christ. Ach, und heute liebe er "shopping", erzählt sein Manager. Und siehe da, Coopers Uhr ist auf seine Schuhe abgestimmt: Beide glänzen in reinem Schneeweiß.