Lichtkunst

Ein Hamburger verzaubert Vancouver mit seinen Lasern

Rund zwei Kilometer Kabel hat er verlegt und leistungsstarke Laser in der Innenstadt von Vancouver installiert: Der Hamburger Boris Bollinger (33) verzaubert während der Olympischen Spiele Bewohner und Besucher mit einer spektakulären Multimedia-Show.

Vor der Vancouver Art Gallery wird Bollinger mit den Lasern seiner Firma Bocatec Bilder in den nächtlichen kanadischen Himmel zeichnen. Zudem steuert der Hamburger mit einem speziellen Programm die gesamte Lichtschau vor dem Kunstmuseum, die dort jeden Abend zu sehen sein wird.

Der 33-Jährige ist seit gut einer Woche mit seinem Team in Kanada, um das von ihm selbst entwickelte Lasersystem zu installieren. "Die größten Schwierigkeiten hatten wir mit der Steuerung", erzählt Bollinger. "Eigentlich sollten die Laser über ein Funknetz miteinander verbunden werden, doch in der Innenstadt von Vancouver gibt es dermaßen viele Funknetze, dass das System durcheinandergeriet." Die Lösung: Die Bocatec-Techniker mussten jede Menge Kabel verlegen, um die Verbindung der Geräte sicherzustellen.

Einmal programmiert, läuft die Multimedia-Show vollkommen automatisch ab. Der Unternehmenschef hat aber die Möglichkeit, von jeder Stelle des Schauplatzes korrigierend in den Ablauf einzugreifen und die Laser nachzujustieren. "Die Befehle kann ich per iPhone an das Steuerungssystem übermitteln", so der Experte.

Wie wichtig eine präzise Steuerung der Laser ist, hat Bollinger schon am eigenen Leib erfahren. Unter einem Auge hat der Unternehmenschef eine kleine Narbe, die ein Laserstrahl verursachte, in den er versehentlich vor einigen Jahren hineingeriet. "Ein Laser ist keine Lampe, die man einfach an- und ausknipst", sagt der Experte. "Die Strahlen können Metall schneiden."

Das Faszinierende der gebündelten Lichtstrahlen entdeckte Bollinger schon als Jugendlicher. Mit 14 Jahren baute er sich in seinem Ottensener Kinderzimmer den ersten Laser selbst zusammen. "Rund 2000 D-Mark habe ich dafür zusammengekratzt", erinnert sich der Technik-Fan. Kaum volljährig beantragte Bollinger einen Gewerbeschein und zog mit seinen Geräten von einer Party zur nächsten. Heute hantieren der Bocatec-Chef und seine elf Mitarbeiter mit Lasern, die rund 100 000 Euro pro Stück kosten.

Einen seiner spektakulärsten Aufträge hatte Bollinger während der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Damals "schoss" er mit seinen Lasern auf die leuchtenden Blue Goals in Hamburg, die der Lichtkünstler Michael Batz installiert hatte.

Reverenzen wie diese halfen der kleinen Hamburger Firma auch, den Auftrag bei Olympia an Land zu ziehen.

Obwohl die Arbeit in Vancouver noch gar nicht beendet ist, hat Bollinger mittlerweile schon die nächsten Großveranstaltungen im Kopf. In einigen Wochen will er in Peking sein. Und für die Olympischen Winterspiele 2014 Russland hat er sich auch schon beworben.