Mein Quartier - Stadtteilreporter berichten

Schallschutzschirme sind in der Schanze jetzt Pflicht

Ohne Lärmschutz keine Außengastronomie: Das Bezirksamt will ab heute im Schanzenviertel durchgreifen. Wirte befürchten Umsatzverluste.

Sternschanze. Um Mitternacht lief die Frist ab: Ab heute dürfen vor den Lokalen an der Susannenstraße nur dann Tische stehen, wenn die Wirte die Bestellung von sogenannten Schallschutzschirmen nachweisen. Die Schirme sollen die Lärmbelästigungen der Anwohner beenden. Doch die Aufstellung ist bei den Wirten umstritten, bisher gab es keinen Schirmprototypen.

Nach längerer Schonfrist will das Bezirksamt Altona nun einen harten Kurs fahren. "Wer keinen Schallschutz nachweisen kann, muss die Tische von den Außenflächen wegräumen", sagt Sprecherin Kerstin Godenschwege. Nur zwei Lokale sind bereits im Besitz der speziellen Schirme: Vor der Kostbar und dem Chakra stehen Musterexemplare der Firma May aus Baden-Württemberg. Kostbar-Betreiber Abbas Tehrani erhofft sich damit die Genehmigung. "Ich bin froh, wenn die Sache endlich vorbei ist", sagt er. Sein noch schirmloser Kollege Ugur Yalcin (Va Veloce, Pamukkale) befürchtet erhebliche Umsatzverluste. "Ohne Außengastronomie können wir nicht überleben." 13.000 Euro habe er bereits für die Erweiterung seiner Außenfläche durch die Pflasterung bisheriger Parkbuchten bezahlt. Rund 2000 Euro müsste er für einen May-Schirm bezahlen. "Mir wird nichts anderes übrig bleiben, als die Summe zu bezahlen."

+++ Hier geht’s zu den Quartieren +++

Andere Wirte verzichten vorerst auf die Schirme. "Solange die nicht TÜV-geprüft sind, bestellen wir nicht", sagt der Besitzer des Cafés Presse. Das Unternehmen "Schirmherrschaft", Handelspartner von May, hat allen Gastronomen Angebote unterbreitet. "Eine Bestellung ist bei uns aber nicht eingegangen", so Vertriebsleiter Alexander Schulz. Den lärmgeplagten Anwohnern geht die Installation der Schirme ohnehin nicht weit genug. "Ich habe dieses Wochenende nicht besser geschlafen", sagt Bettina Hoppmann. Sie wohnt direkt über der Kostbar, vor der seit Freitag erste Schallschutzschirm steht. Schuld an ihren schlaflosen Nächten seien ohnehin die Kioske, die noch weit nach Mitternacht geöffnet hätten.