Altona

Kaschemmen-Mob im "Füllhorn" auf der Großen Bergstraße

Foto: Theresia Schneider

Das kleine, unbeachtete „Füllhorn" erlebt dank eines Flashmobs großen Aufschwung und verwandelt sich von einer Kaschemme in eine Kneipe.

Hamburg-Altona. Den Flashmob-Trend gibt es schon eine Weile, und trotzdem ist es etwas anderes, dabei zu sein. Vor allem, wenn so eine rührende Idee dahinter steckt wie bei „Mob die Kaschemme“ in Altona. Das Ziel: Das Füllhorn vom Kaschemmen-Daseinsfristen zu erlösen und in eine ordentlich belebte Kneipe zu verwandeln. 170 Zusagen auf Facebook – das könnte klappen, könnte aber auch ein Flop-Mob werden.

Gegen 16.30 Uhr wird Treffzeit und -punkt angegeben: 19.20 Uhr am Bahnhof Altona vor der Polsterwelt. Dann gemeinsam zum Ort des Geschehens pilgern, um das „Fühllhorn“ mal dem vorderen Teil des Namens alle Ehre zu machen: nämlich füllen. Fünf Minuten vor Abmarsch sieht es allerdings noch mau aus vor der Polsterwelt. Fünf Leute stehen da, mit einem Pappschild, wo in halb liebevoller Facebook-Anleihe „Dir und 7 Personen gefällt das“ drauf geschrieben steht. Ja, das sind die Flashmob-Leute. Rebekka Müller grinst breit. Sie ist die Organisatorin von „Mob die Kaschemme“.

„Ich habe das schon einmal in Furtwangen organisiert. Da kamen ungefähr 100 Leute. Ziel ist, die Kaschemme zu pushen, damit einfach mehr Leute hingehen.“ Gebracht hat es damals auf jeden Fall etwas: Die Kneipe wurde beliebter und damit auch besuchter. Also warum das Ganze nicht in Hamburg starten? „Wir sind hier vorher auch rumgelaufen und haben getestet, welche Kneipen geeignet sind uns es verdient haben. Am Ende haben wir uns für das Füllhorn entschieden, weil die Frau einfach so goldig ist“.

Die goldige Frau heißt Elke Dresenkamp und hat seit neun Jahren die Kneipe gepachtet. Und sie ist die Ruhe vor dem Sturm in Person: „Ja, ich hab gehört, dass hier heute Abend angeblich viele Leute kommen sollen“, sagt sie langsam. „Joa, mal sehen. Ich glaube noch nicht hundertprozentig daran. Aber versorgen können wir auf jeden Fall 'ne ganze Menge. Die sollen mal kommen“ Richtig voll ist das Fühllhorn nur einmal im Monat, wenn die Pfadfinder kommen. "Sonst ist es ziemlich leer. Die Leute hier haben einfach nicht so viel Geld“, erzählt Elke und guckt betrübt. „Aber wenn alle sitzen wollen, passen auch nicht so doll viele rein“. Ein Stammgast an der Bar kommentiert trocken „Dann sollen die einfach stehen, ne!“.

Zurück zur Polsterwelt am Bahnhof Altona: Inzwischen haben sich ungefähr 25 Leute versammelt, es ist zwanzig nach acht. Die kleine Masse setzt sich in Bewegung. Die beiden Mitläufer Sandra und Janina kennen hier keinen, sie haben über Facebook bei Freunden gesehen, dass sie teilnehmen und sind spontan hergekommen. „Ich war noch nie bei einem Flashmob. Aber ich hätte echt gedacht, dass noch mehr kommen. Vielleicht wird’s ja noch“. In der Kneipe angekommen ist der Hauptraum selbst bei einem viertel Hundert schon ungewöhnlich gefüllt. Obwohl man für das Bier schon anstehen muss, ist die Stimmung gut. Eine Extra-Ladung Bier hat der Stammgast von vorhin kurz vorher noch mit rangekarrt, ein paar Freunde von Elke stehen hinter der Bar und helfen, irgendjemand schmeißt mit einigen Mühen die Jukebox an. Britney Spears läuft, und Falko.

Es ist gemütlich geworden im Füllhorn. Ungefähr 70 Leute tummeln sich drinnen und draußen, tratschen über alles und den Rest der Welt. Katelyn, Austauschstudentin aus Australien ist begeistert, sowas hat sie vorher noch nie erlebt. Es ist ihr zweiter Flashmob in Hamburg. Auch Kneipenfrau Elke ist begeistert: „Es ist zwar nicht so voll wie wenn die Pfadfinde hier sind, aber es ist toll. So viele junge Leute, da fühlt man sich selber richtig jung“. Und das macht auch Rebekka glücklich. Es seien zwar weniger als gedacht gekommen, trotzdem habe sie ihr Ziel erreicht. „Gerade haben draußen zwei Leute gesagt: „Lass uns hier rein gehen, das sieht gut aus“" Und das sieht wirklich gut aus. In Zukunft wird die Kneipe hoffentlich etwas bekannter sein. Denn ein Füllhorn sollte vor allem eins sein: gut gefüllt.