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St. Pauli: Kult-Tankstelle und Esso-Häusern droht 2016 Abriss

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Eigentümer will weitere Verhandlungen mit Anwohner-Initiative. Stimmung unter den Mietern ist schlecht. Keiner weiß, wohin er soll.

Hamburg. Der Abriss der Kult-Tankstelle am Spielbudenplatz und der benachbarten Esso-Häuser wird wahrscheinlicher. Ein Gutachten im Auftrag der Eigentümer der Immobilie, der Bayerischen Hausbau, kommt zu dem Schluss, dass "die Gebäude baufällig, marode und sanierungsbedürftig sind". Weil eine Sanierung aus "technischen Gründen unumgänglich mit einem Auszug der Mieter verbunden" sei, erachten die Eigentümer den "Abbruch der Gebäude und die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum als sinnvoll". Sabine Hagn, Sprecherin der Investoren, erklärte jedoch: "Eine Entscheidung über Abriss und Neubau oder Sanierung ist noch nicht gefallen."

Die Aufregung im Quartier ist groß: Birgit Groth, Mieterin in den Esso-Häusern, sagt: "Die Stimmung unter den Mietern ist schlecht. Keiner weiß, wohin er soll. In meiner Wohnung gibt es zwar weder Schimmel noch Feuchtigkeit, dafür fällt der Strom regelmäßig aus. Ich hätte zwar gerne eine andere Wohnung, aber nur, wenn ich in der Umgebung bleiben kann." Auch für Ruth Oberdieck (79), die älteste Mieterin im Haus, ist der drohende Abriss eine Katastrophe: "Es geht mir beschissen. Ich lebe seit 1961 hier und habe gerne hier gewohnt." Lars Schütze, Junior-Chef der Esso-Tanke, will dagegen die "Entwicklungen ruhig abwarten". Wie andere Insider rechnet er damit, dass es noch drei bis fünf Jahre dauern wird, bis sich überhaupt etwas ändern kann.

Die Kiez-Tankstelle gilt als Dorfplatz von St. Pauli, den Zuhälter, Prostituierte, Nachtschwärmer und normale Hamburger nutzen. Im Jahr 2009 kaufte die Bayerische Hausbau das 6190 Quadratmeter große Areal, um dort nach Abriss neu zu bauen. Doch der Protest der Bewohner, Nachbarn und einer Initiative Esso-Häuser führte zum Umdenken und zu Gesprächen. Sabine Hagn: "Derzeit besprechen wir mit der Esso-Initiative alle Optionen."

Ziel sei es, "eine sozialverträgliche Lösung zu finden". Sie betonte zudem, dass der Start der Projektentwicklung nicht vor dem Jahr 2014 erfolgen und das Verfahren insgesamt zwei Jahre dauern werde.

Die Esso-Initiative erwägt indes, ein eigenes Gutachten erstellen zu lassen. Der SPD-Stadtentwicklungsexperte Andy Grote zweifelt daran, dass ein Erhalt der Gebäude sinnvoll ist. Er sagt: "Da die jetzigen Mieter wohl auch bei einer Sanierung erst mal ausziehen müssten, müssen ihnen in jedem Fall günstige Ersatzwohnungen in der Nachbarschaft zur Verfügung gestellt und ein Rückkehrrecht in die neuen oder sanierten Wohnungen eingeräumt werden."

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