Aurim in Hamburg

Ein Goldschmied mit unauslöschbarer Energie

André Kröger mit seinem Hund Ginger.

André Kröger mit seinem Hund Ginger.

Foto: Mark Sandten / MARK SANDTEN / FUNKE FOTO SERVICES

André Kröger konnte mit edlen Metallen immer mehr anfangen als mit Holz. Heute ist er in Hamburg einer der bekanntesten seiner Zunft.

Hamburg. Es fing an mit Körperbemalung. Mit einem Gemisch aus zerriebenen Gesteinen, Erden und Pflanzensäften schmückten sich die ersten Menschen. Damals – wir sprechen hier von einem Zeitraum zwischen 75.000 und 100.000 Jahren vor der modernen Zeitrechnung – durften sich allerdings nur Häuptlinge und Medizinmänner damit zieren. Also nur Privilegierten war es vorbehalten, sich mit Bemalung zu verzieren. Oder sich später etwa Ketten aus Muscheln und Schneckenhäusern um den Hals zuhängen als Ausdruck ihres besonderen Status in ihrer jeweiligen kleinen oder großen Gesellschaft.

Die archaische und die esoterische Besonderheit vom Schmuck macht für den Goldschmied André Kröger (54) tiefen Sinn. Schon in seinen jungen Jahren haben „Märchen und Abenteuer mit Piraten, Indianern und Zauberer meine Fantasie beflügelt“. Die Auseinandersetzungen mit dem Buddhismus und mystischen Begebenheiten in den älteren Jahren bewogen und bewegen ihn in seinem Wunsch, „die Welt zu begreifen, ihre Schönheit einzufangen und ihrem Zauber ein Bild zu geben“. Dazu passt der geheimnisvolle Name seines Ladens: Aurim.

„In einem derart kreativen Beruf lernt man nie aus“

André Kröger wollte stets am liebsten einen Beruf ergreifen, der Hand und Geist vereint. „Und ich war schon immer eher von Metall denn von Holz fasziniert.“ In den 80er-Jahren nimmt er sich die Zeit, zwei Jahre lang bei Caesar von Spreckelsen ein ausgedehntes Praktikum zu absolvieren. Wobei er schon vorher wusste: „Ich wollte Goldschmied werden und mein Wissen vertiefen. Deswegen war ich auf der Suche nach weiteren Meistern und fachlicher Inspiration.“ Folgerichtig zog es ihn ins süddeutsche Pforzheim, das deutsche Mekka der hohen Goldschmiedekunst.

Dort lernte er bis zu seinem Abschluss drei Jahre lang – und er hat keine Sekunde dieser beruflichen Lebensentscheidung bereut. Im Übrigen geht er ohnehin davon aus, „dass man in einem derart kreativen Beruf niemals auslernt“. Im Gegenteil: „Durch das Erleben der Natur, Begegnungen mit Menschen oder intensive Gefühle wie Liebe, Sehnsucht, Trauer, Hoffnung und Demut wird meine Arbeit für Aurim jeden Tag aufs Neue befeuert.“ Wir haben es hier mit einem besonders leidenschaftlichen Meister seines Faches zu tun.

Vorbilder aus der Renaissance und dem Frühbarock

„Gefühltes, Gelebtes, Gedachtes fließt in meine Arbeiten hinein“, betont André Kröger in seiner wohltemperierten und wohlüberlegten Art. Freilich, unter der Oberfläche, das spürt man als Gesprächspartner, lodert unauslöschbare Energie, die in seinen Schmuckstücken ihren Ausdruck findet.

Hat er Vorbilder, die ihn beeinflusst haben oder an denen er sich immer wieder orientiert? Da wären vor allem zwei italienische Künstler aus der Renaissance und dem Frühbarock zu nennen, die es André Kröger immer wieder antun. Benvenuto Cellini (1500–1571) ist der eine – er war das, was man einen Uomo­ universale nannte. Einen hochbegabten und hochgebildeten Menschen, der Bildhauer, Goldschmied, Medailleur, Musiker und Schriftsteller war. Ergo, der Mann lebte als ziemliches Genie, das völlig verarmt starb und erst Jahrhunderte später wiederentdeckt und gefeiert wurde.

Zum anderen gibt es da Caravaggio (1571–1610), den Maler, der mit einer neuen und radikal realistischen Bildgestaltung die Malerei seiner und der späteren Zeit maßgeblich beeinflusste. Er muss ein recht jähzorniger Mensch gewesen sein, dem Alkohol und der Prügelei nicht abgeneigt. Einmal wird er gar wegen Totschlags aus Rom verbannt, bis heute ranken sich Mythen um Caravaggio – er war sozusagen eine extravagante Mischung aus Basquiat, Kurt Cobain, Jimi Hendrix – oder so ähnlich jedenfalls.

Die schöne Kunst ist zugleich auch feines Handwerk

Es ist natürlich kein Zufall, dass André Kröger sich diesen beiden Künstler-Charakteren nahefühlt. Wer dem „Vollkommenen für einen Augenblick nahe sein will“, muss durch Höhen und Tiefen wandern, wie im wahren Leben. Und was sicher ganz entscheidend ist: Die Schmuckstücke, die er entweder als Solitäre oder in den Aurim-Kollektionen weiterleben lässt, sind ja etwas Bleibendes, was die jeweiligen Träger sehr, sehr nah an sich und ihre Haut, ihren Körper heranlassen.

Seien es nun etwa Armreifen, Halsketten, Gürtelschnallen, Medaillons, Ohrringe oder Ringe in all ihren Facetten – Schmuck von Aurim muss durchaus nicht jedermanns Sache sein. „Oft sind es eben opulent angelegte Stücke, man könnte sie wohl Neobarock nennen“, sagt André Kröger. Aber manchmal muss es mithin ganz filigran sein. „Kürzlich musste ich einen Siegelring in ein feines Amulett für eine Halskette umarbeiten, ein Geschenk der Eltern zum 18. Geburtstag der Tochter.“

Und wie es bei alten Siegelsteinen oft so ist – jahrzehntelang sind sie von alten Fassungen umschlossen. André Kröger brauchte viel Zeit, Feingefühl und Hingabe, um den angegriffenen Lapislazuli-Stein aus der Fassung zu lösen. „Eine echte Geduldsarbeit, fast meditativ“, apostrophiert der Goldschmied seine schlussendlich erfolgreichen Bemühungen. Die uns nachhaltig daran erinnern, dass die Kunst der Goldschmiede verdammt viel mit Handwerk zu tun hat. Nur wer das perfekt beherrscht, kann dann Schmuck wie Kunststücke fertigen. Aurim eben.

Aurim, Fehlandtstraße 40, 20354 Hamburg, www.aurim.de

Dienstag 10 bis 14 Uhr und 15 bis 17.30 Uhr, Mittwoch bis Freitag 10 bis 14 Uhr und 15 bis 17.30 Uhr, Sonnabend, 11 bis 15 Uhr