Kolumne

Mein perfekter Sonntag

8 Uhr Tiefschlaf

8.05 Uhr Senkrechtstart von 0 auf 100 in einer Sekunde. Mein Sohn Lukas (fünf Jahre) ist wach geworden und weiß ganz genau, was er heute will: Papa! Von der ersten bis zur letzten Sekunde. Sonntag ist eben Papa-Tag.

8.30 Uhr Doch erst habe ich noch kurze Zeit der Besinnung für mich allein. Während meine Frau Rosa und Lukas Brötchen holen, bleiben mir 30 Minuten für mein allmorgendliches Yoga. So kann ich mich wunderbar sammeln und die Ereignisse und Aufgaben des vergangenen und des vor mir liegenden Tages sortieren.

9 Uhr Mit NDR 90,3 und einem zum gefühlten 250. Mal vorgelesenen „Benjamin Blümchen“-Buch esse ich irgendwie zwischendurch zwei Marmeladenbrötchen mit einer Scheibe Käse. Mein Leibgericht zum Frühstück. Selbst auf Geschäftsreisen in Tokio habe ich es immer irgendwie geschafft, so etwas für Japaner Exotisches zu bekommen. Dazu einen maximal 60 Sekunden gezogenen Darjeeling-Tee mit einem Schuss Sahne.

10 Uhr Jetzt hält es die Familie nicht länger drinnen. Jede mögliche Minute verbringen wir im Garten oder auf unserem Holzdeck. Heute ruft zuerst die Gartenarbeit. Schöne Arbeit, mit Nebenwirkung – das Erden und die Besinnung auf die Natürlichkeit.

13.30 Uhr Oh, Gott! Unser Kind braucht Nahrung. Wieder die Zeit vollkommen vergessen. Was geht jetzt schnell? Grillen! Geht schnell und schmeckt perfekt. Rosa und Lukas lieben Scampispieße, und ich bin Hackfleisch-Fan. Dazu eine riesengroße Schüssel Salat.

14.30 Uhr Rosa und Lukas wollen noch einen kurzen Ausflug zu den Pferden auf der anderen Straßenseite machen, um unser hartes Brot zu verfüttern, ich verschwinde erst mal in der Hängematte. Sofort bin ich eingedöst, höre das Summen der Bienen – irgendwo ganz weit weg wiehert ein Pferd. Mist, es fängt an zu regnen, ich schnelle hoch, und da lacht Lukas schon ganz laut los. Mit seiner Wassersprühflasche in der Hand.

16 Uhr Zeit für die Eisdiele mit dem Tret-Gokart. Ein echter Hingucker. Alle Männer, die uns begegnen, erinnern sich lächelnd an ihre Kindheit.

18 Uhr Nun muss alles ganz schnell gehen. Allerspätestens um 20 Uhr muss Lukas in der Falle liegen. Vorher noch den Gartentag abduschen und Abendbrot essen. Richtig Farbe haben wir heute alle bekommen und genießen bei einem Glas Wein das Gefühl, diesen Tag bis zur Neige erlebt zu haben. Dabei waren es doch nur einige Stunden. Wie relativ doch Zeit ist – besonders für einen kleinen Jungen.